Kleines Politbeben in Hamm

Bezirksvertreter wechselt von Pro Hamm zur SPD - Gürle wittert Betrug

Thomas Ahlke ist von Pro Hamm zur SPD gewechselt.
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Thomas Ahlke ist von Pro Hamm zur SPD gewechselt.

Das ging aber schnell! Kaum ist die Wahl gelaufen, hat Heessens Bezirksvertreter Thomas Ahlke die Wählergruppe Pro Hamm verlassen. Er hat bereits eine neue politische Heimat gefunden.

Heessen - Seinen Austritt teilte Thomas Ahlke am Wochenende in einem Brief an Cevdet Gürle mit, der Gründer und Vorsitzender der Wählergruppe ist. Als Gründe nennt Ahlke auf Nachfrage fehlende Unterstützung im Wahlkampf, fehlende Transparenz und mangelnde Kritikfähigkeit.

Ahlke war erst bei der Kommunalwahl im September über die Pro-Hamm-Liste in die Bezirksvertretung (BV) gewählt worden. Das Mandat will er trotz seines Austritts aus der Wählergruppe behalten. Und: Er wurde bereits als SPD-Mitglied aufgenommen und verstärkt voraussichtlich die Fraktion der Partei. Damit wächst die SPD-Fraktion auf acht Stimmen, die Ampel-Koalition der SPD mit Grünen und SPD wächst von zehn auf elf Stimmen (bei insgesamt 19 Sitzen in der BV).

Bereits bei der konstituierenden Sitzung hatte Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke (SPD) elf Stimmen bekommen. Somit ist klar, woher die eine Stimme über der Zehn-Stimmen-Mehrheit kam – von Ahlke. Der hatte auf Nachfrage des WA vor wenigen Tagen noch einen Parteienwechsel bestritten, aber der Aufnahmeantrag lag den Sozialdemokraten bereits vor. Jetzt sagt Ahlke: „Mit der SPD habe ich politisch die größte Schnittmenge, dem Koalitionsvertrag kann ich zustimmen.“

Bezirksvertreter wechselt von Pro Hamm zur SPD: Noch ein Austritt

Er habe den Wahlkampf in Heessen praktisch alleine mit dem Pro-Hamm-Kollegen Baris Cayir gemacht, Unterstützung anderer aus der Wählergemeinschaft habe er vermisst, sagt Ahlke. Auch wenn er nachgefragt habe, sei keine Unterstützung gekommen. Andere Bezirke wie Herringen seien dagegen mit zehn Leuten bearbeitet worden. Auch sein Mitwahlkämpfer Baris Cayir ist aus der Wählergruppe ausgetreten.

Zugleich habe er Transparenz vermisst – erläutern wollte Ahlke das aber nicht. Der Verdacht, dass Mitglieder von Pro Hamm sich Briefwahlunterlagen erschlichen haben könnten, habe keine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt. Ihn habe nur gestört, dass man die Minderjährige, die sich falsch verhalten habe, im Regen stehen gelassen habe.

Die mangelnde Kritikfähigkeit macht er unter anderem an einem Treffen fest, das direkt nach der Wahl stattgefunden habe. Dort hätten er und andere am Wahlkampf von Pro Hamm Kritik geübt. Der Vorsitzende Cevdet Gürle habe darauf gesagt, wer nicht zufrieden sei, könne sich ja „verziehen“. Das habe er jetzt gemacht, aber ein paar Wochen für diese Entscheidung gebraucht.

Bezirksvertreter wechselt von Pro Hamm zur SPD: Einsatz für den Norden

Sein Mandat in der Bezirksvertretung will Thomas Ahlke behalten. Er sei sich sicher, dass viele ihn persönlich gewählt hätten und nicht die Pro-Hamm-Liste, denn er sei in Heessen gut bekannt. Jetzt will er sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass der Hammer Norden nach vorne kommt: „Der Norden wurde die letzten Jahre vernachlässigt.“

„Wenn er das Mandat mitnimmt, ist das wie ein Betrug an den Pro-Hamm-Wählern, das macht man nicht“, findet Cevdet Gürle, der Vorsitzende von Pro Hamm.

Pro-Hamm-Chef Cevdet Gürle zeigt sich „menschlich enttäuscht“. Vor allem eins thematisiert er: „Wenn er das Mandat mitnimmt, ist das wie ein Betrug an den Pro-Hamm-Wählern, das macht man nicht.“ Schließlich sei die Wahl gerade erst gelaufen, und Ahlke sei über die Liste in die Bezirksvertretung eingezogen.

Ahlkes Vorwürfe weist er zurück. Es habe Unterstützung im Wahlkampf gegeben: „Wir haben in Heessen sogar viel geholfen.“ Und Kritik dürfe bei Pro Hamm jeder äußern – man solle aber auch nicht einfach alles schlechtreden. Zugleich sei die Wählergruppe durchaus transparent, es gebe WhatsApp-Gruppen, E-Mail-Kontakt, und auch er selbst sei jederzeit am Handy zu sprechen. Für ihn seien das vorgeschobene Gründe. Gürle: „Thomas hat sich vielleicht nie mit Pro Hamm identifiziert.“

Bezirksvertreter wechselt von Pro Hamm zur SPD: Die freut sich

Umgekehrt freut sich SPD-Fraktionschefin Dilek Dzeik-Erdogan über den Zuwachs in der Fraktion: „Es ist für uns toll, dass die Fraktion von sieben auf acht Bezirksvertreter anwächst, und dann noch mit jemandem, der sich gut in Heessen auskennt, auch im Hammer Norden, und sehr engagiert ist.“ Dass sich Wähler betrogen fühlen, glaubt sie nicht. „Ich denke, es ist für die Wähler angesichts möglicher Vorkommnisse im Wahlkampf, in deren Mittelpunkt einige zentrale Akteure von Pro Hamm standen, nachvollziehbar, dass er die Entscheidung eines Wechsels getroffen hat“, spielt sie auf die Briefwahlaffäre an.

Die Wählergruppe Pro Hamm hat bei den Kommunalwahlen in der Bezirksvertretung einen Sitz errungen und holte dabei mehr Stimmen als die Partei „Die Linke“. Für den Rat der Stadt Hamm hatte man aber mit mehr Sitzen als den zwei errungenen gerechnet.

Die neue Sitzverteilung in der BV:

Mit dem Wechsel von Thomas Ahlke von Pro Hamm zur SPD wird die SPD mit acht Vertretern stärkste Fraktion in der Bezirksvertretung – die CDU zählt nur sieben Köpfe. Die neue Sitzverteilung: SPD: 8, CDU 7, Bündnis 90/ Die Grünen 2, FDP 1, Die Linke 1, Pro Hamm 0.

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