Bezirke-Serie „Was braucht Pelkum?“

„Vergessene“ Gewerbegebiete: Wie geht‘s der Wirtschaft in Pelkum?

Nicht förderlich: Leerstände wie der ehemalige Grote-Markt trüben das Gesamtbild.
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Nicht förderlich: Leerstände wie der ehemalige Grote-Markt trüben das Gesamtbild.

Pelkum boomt: Neue Häuser und Wohnungen werden gebaut, der Bezirk wächst. Grundlage ist aber eine funktionierende Wirtschaft. Wir haben uns in den „vergessenen“ Gewerbegebieten umgehört. Was braucht es, um die Situation zu verbessern? Diskutieren Sie mit! (Formular unten im Artikel)

Pelkum – Zumindest wirtschaftlich gibt es für die meisten in den Gewerbegebieten Schieferstraße und Carl-Zeiss-Straße ansässigen Firmen – ein Großteil von ihnen sind Handwerksbetriebe aus der Baubranche – keinen Grund zur Klage. Das sagt zumindest Anton Harling, der seit 30 Jahren an der Schieferstraße wohnt und der einen „engen Kontakt zu den dort ansässigen Betrieben pflegt“.

Doch es gibt auch Kritik: Beklagt werde, wie Harling sagt, vor allem das äußere Erscheinungsbild und die Betreuung der Gewerbegebiete durch die Wirtschaftsförderung Hamm (WFH) und die Stadt. „Sie wünschen sich, dass der Fokus nicht nur auf neue Gewerbegebiete wie den Inlogparc oder das CreativRevier Heinrich Robert gelegt wird.“

Gewerbetreibende wünschen sich festen Ansprechpartner

Wünschenswert wäre aus Sicht der Gewerbetreibenden, wenn sie bei der WFH einen festen Ansprechpartner hätten, der sich um ihre Anliegen kümmert. „Dazu gehört zum Beispiel auch die Hilfe bei der Suche nach Azubis.“ Denn auch die werden, wie der Chef der CDU-Bezirksfraktion Pelkum weiß, an der einen oder anderen Stelle händeringend gesucht. Aber auch bei kleineren Dingen wie der Ausschilderung der Gewerbegebiete bestehe Verbesserungspotenziel.

Vor allem aber wäre im Sinne der Bestandspflege ein regelmäßiger Austausch zwischen den Betrieben auf der einen und der WFH auf der anderen Seite förderlich – auch wenn es sich bei den Grundstücken ausschließlich um private Flächen handelt und die Steuerungsmöglichkeiten von der WFH hier nur gering sind. Insgesamt habe man das Gefühl, für nicht wichtig genug genommen zu werden. „Wir brauchen mehr Unterstützung“, so Harling nach Gesprächen mit mehreren Gewerbetreibenden.

Investorensuche schwierig, Leerstände ein Ärgernis

Horst Holtsträter vom gleichnamigen Sanitärbetrieb an der Carl-Zeiss-Straße kann das bestätigen. Zwar sei er mit der Gesamtsituation zufrieden. Aber von der Stadt und der WFH höre er kaum etwas. Vor allem Leerstände seien ein Ärgernis. Investoren werden dadurch abgeschreckt.

Bitter enttäuscht war Harling daher auch vor einigen Monaten vom Besuch der WFH in der Bezirksvertretung, von der er sich neue Impulse erwartet hatte. Stattdessen habe man den Politikern mitgeteilt, dass durch die Lage im Stadtgebiet die damit verbundene Nachfrage nach Flächen an diesem Standort sehr begrenzt sei und sich die Situation erst mit dem Bau der neuen B63n verbessern werde. „Sollen wir noch so lange warten, bis sie gebaut wird?“, fragt Harling.

Grote-Markt ein Schandfleck, andere Betriebe schlecht gepflegt

Insgesamt gibt es in beiden Gewerbegebieten etwa eine Handvoll Leerstände. Der markanteste ist der ehemalige Grote-Markt an der Schieferstraße/Ecke Rathenaustraße. Aber auch einige „aktive“ Grundstücke wirkten nicht gerade einladend – sehr zum Ärger zum Beispiel von Firmen wie „Reckmann und Stromberg“, die vor allem mit Blick auf ihre Schautage auf das äußere Erscheinungsbild achteten. Doch aufgrund der Leerstände und der teilweise schlechten Pflege leide das insgesamt.

Harling weiß auch: Hier sind auch die Eigentümer in der Pflicht: Beschmierte Mauern oder zugewucherte Grundstücke fielen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt oder der WFH. Sie könnten aber, so der Anwohner, sanften Druck auf die Betreffenden ausüben und im Interesse aller daran appellieren, die Grundstücke sauber zu halten. Denn das würde, und da ist sich Harling sicher, die Vermarktungschancen erhöhen.

Rathenaustraße wuchert munter zu - Stadt in der Pflicht?

An der einen oder anderen Stelle sieht Harling aber auch die Stadt in der Pflicht. So könne es nicht sein, dass der Mehrzweckstreifen an der Rathenaustraße immer weiter zuwuchere. Dadurch werden insbesondere die Radfahrer dazu gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen. Zudem wirke das alles nicht gerade einladend.

Harling ist davon überzeugt, dass beide Gewerbegebiete belebt werden können. „Wir sprechen hier natürlich nicht von Firmen, die auf einen Schlag mehrere hundert Arbeitsplätze bringen.“ Vielmehr gehe es um kleine Handwerksbetriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern, die auch in Hamm händeringend nach Grundstücken suchen. Und da bei ihnen in der Regel wenig Publikumsverkehr herrsche, sei auch die Erreichbarkeit sekundär, will Harling das Argument von Stadt und WFH, dass erst die B 63n die Lage verbessern würde, nicht gelten lassen.

Wirtschaft in Pelkum: Früher Pütt, heute Pakete

Bis zu 5.500 direkte Arbeitsplätze und Hunderte in den Zulieferindustrien: Über Jahrzehnte war die Zeche Heinrich Robert der mit Abstand größte Arbeitgeber in Pelkum und Herringen. 2010, kurz bevor das Bergwerk schloss, bot sie noch 1.800 Arbeitsplätze. Der damalige Wirtschaftsfaktor „Bergbau“ wird an zwei Zahlen deutlich. 2009 hatten die Zeche und die RAG in Hamm sowie in den Kreisen Unna und Warendorf Waren und Dienstleistungen im Wert von 110 Millionen Euro bestellt. Das Nettoeinkunftsvolumen der Beschäftigten auf dem Pütt lag bei 40 Millionen Euro.

Mit der Schließung der Zeche musste jedoch kein Kumpel ins Bergfreie fallen. Sie wurden auf andere Zechen verlegt, wechselten die Branche oder gingen in den Vorruhestand. Einstige Zulieferer wie die Firma Krampe in Pelkum bauten von nun an keine Rutschen mehr für den Bergbau, sondern für Paketdienstleister. Dennoch: Die Arbeitsplätze, die im Bergbau weggebrochen sind, konnten nicht annähernd ersetzt werden.

Größter Arbeitgeber in Stadtbezirk ist heute das Paketsortierzentrum von dpd im Inlogpark mit rund 720 Arbeitsplätzen, die aber zum Teil deutlich schlechter bezahlt sind als die im Bergbau. Dahinter liegen Firmen wie der Verpackungsspezialist riba mit 115 Mitarbeitern (Stand 2019) und die Firma Krampe mit aktuell 42 Beschäftigten. Ansonsten gibt es vor allem kleinere Handwerksbetriebe und Firmen aus der Baubranche.

Da verwundert es nicht, dass das Märkische Gymnasium mit rund 80 Lehrern und sonstigen Bediensteten zu den größeren Arbeitgebern im Bezirk zählt.

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