Polizeibekannte Masche

Betrugsversuch live am Telefon: Hammer Familie hat „Tochter in Not“ am Hörer

Handelten genau richtig: Erich und Doris Pusch sind nicht auf die „Tochter in Not“ hereingefallen.
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Handelten genau richtig: Erich und Doris Pusch sind nicht auf die „Tochter in Not“ hereingefallen.

Einen ganz besonders großen Schreck bekamen Doris und Erich Pusch, als sie vor Kurzem fast Opfer eines fiesen Telefonbetrugs wurden. Denn es meldete sich die eigene Tochter. Oder doch nicht?

Hamm – „Man kennt ja mittlerweile den Enkeltrick. Aber das war anders und man denkt immer, das passiert einem selbst nicht“, sagt Doris Pusch, als sie von diesem kuriosen Telefonat vom 10. Februar erzählt. Allein bei der Erinnerung daran habe die 77-Jährige wieder eine Gänsehaut.

„Um kurz nach Zwölf klingelte das Telefon und eine junge weibliche Stimme meldete sich“, so Doris Pusch. Sie sprach fließend deutsch. Die Telefonnummer war unterdrückt. Eine vollkommen verzweifelte Frau bat am anderen Ende um Hilfe. Sie gab sich als die Tochter des Hammer Ehepaars aus.

Sie weinte, schrie und brauchte dringend Geld: „Mama hilf mir. Mir ist was ganz schlimmes passiert“, habe die Frau am Telefon gesagt. Die angebliche Tochter erzählte, sie würde bei der Kripo in Hagen festgehalten. „Ich habe eine Frau angefahren und die lassen mich erst gehen, wenn ich eine Kaution bezahle“, schildert das Ehepaar die Äußerungen der Anruferin weiter. Das Telefon wurde dann sogar an eine vermeidliche Polizei-Beamtin weitergegeben, um die Details zu besprechen. Für einen Abgleich sollte Erich Pusch sein Geburtsdatum angeben. Das tat er auch.

Weinende „Tochter“ bittet um Hilfe

Aber die andere Stimme hörte sich irgendwie verdächtig an – ähnlich wie die der ersten Gesprächsteilnehmerin. Das Angebot, dass der 79-Jährige zu ihr nach Hagen auf die Wache kommen könne, lehnte die Anruferin ab.

Familie Pusch wurde stutzig – rechtzeitig. Denn so hörte sich ihre Tochter doch gar nicht an, auch nicht in so einer Extremsituation. Während Erich Pusch bei der angeblichen Tochter am Hörer blieb, rief seine Frau ihre Tochter auf dem Handy an. Diese wusste von nichts und befand sich gerade beim Einkaufen an der Kasse. „Als meine Mutter anrief, hatte ich schon Angst, dass was mit meinem Vater passiert war. Meine Mutter war kurz vor dem Kolabieren“, sagt Tochter Birgit Pusch. Dass Doris Pusch ihre richtige Tochter am anderen Apparat hatte, bekam die unbekannte Anruferin mit und beendete das nun schon rund zehn Minuten dauerende Telefonat.

Fiese Masche: Anrufe in Hamm häufen sich

Jetzt war es ganz sicher: Doris und Erich Pusch sind beinahe auf einen Telefonbetrug reingefallen. „Unsere Knochen haben nach der Aktion richtig gebibbert“, sagt Doris Pusch, die froh ist, in diesem Moment alles richtig gemacht zu haben. „Gott sei dank, sind wir darauf nicht reingefallen.“ Die Familie hat Anzeige erstattet.

Diese Masche ist der Polizei in Hamm bereits bekannt. Allein am Dienstag, 16. Februar, wurden zwei Anzeigen wegen versuchten Betrugs erstattet, die einen ähnlichen Verlauf hatten. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. In einem Fall sei laut Polizeisprecherin Hannah Reineke eine schwangere Frau von der angeblichen Tochter angefahren worden. Durch den Unfall habe die Schwangere ihr Kind verloren, weshalb eine Kaution in Höhe von 35.000 Euro fällig sei.

So schützen Sie sich vor möglichen Telefonbetrügern

Reineke betont, dass eine Kaution in Deutschland sehr selten vorkäme: „Das kennt man eher aus Amerika.“ In diesem Fall sprach zusätzlich ein Mann mit den Betrugs-Opfern, der sich als Polizist ausgab.

In einem weiteren Fall sei sogar der Oberstaatsanwalt am Telefon gewesen. Im Laufe des Telefonats wurden die Angehörigen nach möglichen Wertgegenständen gefragt, um die Kaution zu bezahlen. Es wurde auch angeboten diese Wertgegenstände abzuholen. Die Polizeisprecherin Reineke warnt eindringlich davor, Geld oder Wertgegenstände zu übergeben.

Im Falle eines möglichen Telefonbetrugs rät Polizeisprecherin Reineke, zur Überprüfung die eigene Tochter anzurufen. Zudem empfiehlt die Polizeisprecherin, bei einer Verunsicherung sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen – also wie im Falle Pusch zum Beispiel anzubieten, selbst zur Polizei nach Hagen zu fahren. „In der Regel fliegt so ein Betrug dann schnell auf.“

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