Hanna Moritz leidet unter üblem Spiel auf Zeit

Betrügerischer Anwalt zahlt Verkäuferin nach sechs Jahren Kampf Geld zurück

Hanna Moritz aus Hamm musste jahrelang auf viel Geld warten.
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Hanna Moritz musste jahrelang auf viel Geld warten, das ein Anwalt immer weiter verschleppte.

Für Hanna Moritz aus Hamm geht eine jahrelange Gerichts-Odyssee zu Ende: So lange dauerte es, bis ein betrügerischer Anwalt eine ihr zustehende hohe Geldsumme zahlte. Ein Schlusspunkt ist trotzdem noch nicht gesetzt.

Hamm – Dass am Ende die Gerechtigkeit siegt, ist für Hanna Moritz bis heute ein nur schwer verdaulicher Kalenderspruch. Vor elf Jahren reichte die heute 54-jährige Verkäuferin aus Hamm ihre Ehescheidung ein und stand danach im juristischen Reich der Finsternis. Das Haus, das sie damals mit ihrem Ex-Mann hatte, wurde im Zuge des Scheidungsverfahrens zwangsversteigert, und ihr wurde am Ende ein Anteil von 33.980 Euro zugesprochen. Besagtes Geld landete aber nicht auf ihrem Konto, sondern auf dem von ihrem damaligen Rechtsanwalt. Und der verbrauchte es für eigene Zwecke. Lediglich 4,61 Euro überwies ihr der Advokat, der ebenfalls in Hamm seine Kanzlei hat.

Bis vor zweieinhalb Wochen war das so. Hanna Moritz erlebte Gerichtsprozess um Gerichtsprozess, stand vor dem Amts-, dem Land- und dem Oberlandesgericht. „Sechs Jahre lang bin ich von einem Gerichtssaal zum nächsten gerannt, und nichts ist passiert“, sagt die 54-Jährige heute.

„Nichts passiert“ bedeutet dabei, dass sie ihr Geld einfach nicht erhielt. Zwar wurde der Anwalt 2017 erstmals wegen Betrugs zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt und hätte nach verlorenem Zivilrechtsstreit das Geld herausrücken müssen, doch mit Rechtskraft seines Strafurteils drohte auch der Verlust seiner anwaltlichen Zulassung. Folglich zog der Hammer Jurist von einer Instanz zur nächsten, legte Beschwerden, Berufungen und Revisionen ein. Zwar vergeigte er ein Verfahren nach dem nächsten, doch das Spiel auf Zeit lief beständig für ihn weiter.

Betrügerischer Anwalt zahlt Geld zurück: Noch nicht zu Ende

Im September 2019 bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft auf WA-Nachfrage, dass seit „geraumer Zeit“ ein anwaltgerichtliches Verfahren gegen den Mann eingeleitet worden sei, dass dieses aber für die Dauer des Strafverfahrens ausgesetzt worden sei. Ob sich daran etwas geändert hat, ließ sich am Freitag nicht klären. Der Jurist ist jedenfalls weiterhin im offiziellen Anwaltsverzeichnis der Rechtsanwaltskammer Hamm gelistet.

Seit dem 26. August hat Hanna Moritz aber nun ihr Geld. 34.900 Euro plus Zinsen: Insgesamt 40.240 Euro seien auf ihrem Konto eingegangen, sagt sie. Für sie war’s ein Tag, als wären Ostern und Weihnachten zusammengefallen. Bei einem der letzten Prozesstermine hatte sie den Tipp bekommen, dass sie die Zwangsversteigerung der Eigentumswohnung des Anwalts würde erwirken können. Diese Waffe zog nach Moritz’ Darstellung: Der Anwalt zahlte, um das zu verhindern. „Es fehlen nur noch 800 Euro für die Prozesskosten“, sagt sie. Ferner erwägt sie, nun auch eine Klage wegen juristischer Schlechtberatung gegen ihn anzustrengen. „Für mich ist das noch nicht zu Ende.“

Betrügerischer Anwalt zahlt Geld zurück: Noch ein Fall

Zu Ende ist der Fall jedoch für einen weiteren Mandaten des Hammer Anwalts. Der Rentner aus dem Ruhrgebiet war von dem Juristen um 17.500 Euro gebracht worden. Über Jahre hatte der Senior ihm Geldraten überwiesen, mit denen Bankschulden beglichen werden sollten. Das Geld verbrauchte der Anwalt ebenfalls für sich selbst und wurde auch deshalb im Strafverfahren wegen 41-fachen Betrugs verurteilt. Der geschädigte Rentner ist inzwischen verstorben.

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