Planer vor großer Herausforderung

Lenken statt betreten im Erlebensraum Lippeaue - Spagat nötig

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Das Warnschild der Baustelle wird künftig nirgends mehr auftauchen im Erlebensraum Lippeaue. Die Planer setzen dann auf die Vernunft und das Verständnis der Besucher, die Schutzwürdigkeit der sensiblen Bereiche anzuerkennen.

Das Betreten eines großen Teils des Erlebensraumes Lippeaue soll für die künftigen Besucher tabu sein. Das ist der dringende Wunsch der Planer mit Blick auf die empfindliche Tier- und Pflanzenwelt dort. Eine große Herausforderung, denn die Menschen sollen die Bereiche ja trotzdem erleben können.

Hamm - Der bis 2022 entstehende "Erlebensraum" wird nirgends ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet sein und das Betreten der verschiedenen Bereiche nicht ausdrücklich verboten. Dennoch sollen Bürger und vor allem Hunde aus artenschutzrechtlichen Gründen – etwa wegen brütender Vögel – künftig nur die ausgewiesenen und teils durch Weidezäune begrenzten Wege um die meisten Außenbereiche herum nutzen.

Alles andere wäre kontraproduktiv, findet Umweltamtschef Dr. Oliver Schmidt-Formann. Der Landschaftsökologe hofft inständig, "solche Bereiche tatsächlich nicht unter Verbot stellen zu müssen und dass es dafür ein gesellschaftliches Bewusstsein gibt, sensible ökologische Inhalte zu meiden".

Konterkariert der "Erlebensraum Lippeaue" den Naturschutz?

"Erleben und trotzdem schützen" lautet also die Devise. Dafür kooperierten und kooperieren die Planer der Stadt und des Lippeverbands mit ehrenamtlichen Naturschützern wie dem Nabu. Diese werden zum Beispiel zwei Aussichtsshütten nahe der Lippe betreuen, von wo Besucher die Lippeauen gut und trotzdem ohne zu stören beobachten können. Zu Punkten wie diesen sollen die Menschen künftig gezielt hingeführt werden.

Gezielte Besucherlenkung über Wege

"Wir machen uns intensiv Gedanken um Besucherlenkung", ergänzt die Projektleiterin der Stadt, Silke Bielefeld. So sollen künftig zum Beispiel Lehrpfade mit Infosystemen zu den betreffenden Naturthemen angeboten werden - fortlaufend als Wegeverbindung. Das sollen Rundwege sein, die über Infopunkten erkennbar sind.

Bielefeld: "Das Ziel ist zu erklären, warum ich in bestimmten Bereichen nur außen herum laufen soll und nicht mitten durch. Deshalb wird ein starker Fokus auf umfassende Information der Menschen gelegt, gegebebenfalls mehrsprachig, mit QR-Codes und so weiter."

Hunde immer ein Konfliktpunkt

"Die Wegeführung soll ähnlich aussehen wie bei den Life- und Life-plus-Projekten", zieht Stadtsprecher Tom Herberg einen Vergleich heran. Der Gedanke sei: "Erholung mit Spazierwegen und Blick in die Natur. Hunde sind immer ein Konfliktpunkt; wir setzen dabei auf das Verständnis der Leute." Bei den Life-Projekten - zum Beispiel entlang der Lippestraße - klappe das ja weitgehend auch.

Kontrollieren und Abriegeln unmöglich

Durch Information soll also ein Bewusstsein für die Wahrung des Artenschutzes geschaffen werden. "Kontrollieren und Abriegeln können wir es nicht, das ist illusorisch", weiß Schmidt-Formann. Um den verständlichen Begehrlichkeiten entgegen zukommen, gebe es mit dem Auenpark zwischen Lippeufer und Plateau ja einen großen zentralen Bereich, der gestaltet und bewusst erlebbar gemacht werden soll. 

Die zentralen Elemente dieses Besucherbereiches sollen das 48.000 Quadratmeter große Plateau und das rund 500 Meter lange Lippeufer sein. Dort werden sich die Menschen künftig unbegrenzt bewegen können.

Eindrücke vom Erlebensraum Lippeaue im Herbst 2019

 

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