„Hat uns wirklich angewidert“

Betreiber von „Salzgrotte“ verurteilt - Richter findet deutliche Worte

Das  Landgericht in Dortmund den früheren Betreiber einer Salzgrotte in Hamm zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. 
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Das Landgericht in Dortmund den früheren Betreiber einer Salzgrotte in Hamm zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. 

Nach einjähriger Verhandlung hat das Dortmunder Landgericht den früheren Betreiber einer Salzgrotte in Hamm zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. In der Begründung fand der Vorsitzende Richter deutliche Worte.

Dortmund/ Hamm – Der 57-jährige Angeklagte hatte bis zuletzt auf einen Freispruch gehofft, konnte sich mit seinen Argumenten aber nicht durchsetzen. Verurteilt wurde er wegen sexueller Nötigung, sexueller Belästigung und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Möglicherweise muss er in Zukunft mit weiteren Anklagen rechnen.

Nach Ansicht der Richter hatte sich der Angeklagte in den Jahren 2018 und 2019 bewusst und gezielt mit zahlreichen Kindern und Jugendlichen umgeben, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. „Dabei benutzte er eine krass sexualisierte Sprache“, sagte der Vorsitzende Richter Ulf Pennig.

Nachdem die Richter zuletzt einige Anklagevorwürfe abgetrennt hatten, ist im Urteil nur noch von einem Vorfall mit einem 13-jährigen Jungen und einem 14 Jahre alten Mädchen die Rede.

Richter: „Über Nein bedenkenlos hinweg gesetzt“

Der Junge soll von dem Angeklagten über der Hose zwischen den Beinen berührt worden sein. Mit dem Mädchen schloss sich der Angeklagte nach den Feststellungen der Kammer in einem Aufenthaltsraum an der Salzgrotte ein. Dann soll er die Jugendliche geküsst und unter der Kleidung gestreichelt haben. „Über ihr eindeutig geäußertes Nein setzte sich der Angeklagte bedenkenlos hinweg“, sagte Richter Pennig.

Schließlich wurde im Auto des 57-Jährigen auch noch eine geladene Gas- und Schreckschusspistole gefunden. Auch das war aus Sicht der Richter eindeutig strafbar – auch wenn der Angeklagte zuletzt angeführt hatte, er habe die Waffe zu einem Fachhändler fahren wollen und dies sei ausdrücklich erlaubt.

Richter: „Vieles von vorne bis hinten Quatsch“

Von dem, was der Angeklagte im Laufe des Prozesses erklärt hatte, glaubten die Richter aber nicht nur diesen Teil nicht. „Vieles war, mit Verlaub, von vorne bis hinten Quatsch“, sagte Richter Pennig. Vor allem aber kritisierte der Kammervorsitzende das Verhalten des Mannes gegenüber den Kindern und Jugendlichen. „Ein derart amoralischer und sexualisierter Angeklagter ist mir noch niemals untergekommen“, sagte der Vorsitzende.

Und noch etwas wollte Richter Pennig loswerden. Die Art und Weise, wie der 57-Jährige im Verlaufe des Prozesses die Zeugen heruntergemacht und als Lügner dargestellt habe, „hat uns wirklich angewidert“, hieß es am Montag.

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