Schließungen dauern an

Corona-Fiasko: Betreiber von Clubs und Discos in Hamm bangen um die Existenz - Sorgen im Podium

+
Düstere Zeiten: In Clubs und Diskotheken gibt es seit Mitte März keine Bewegung mehr.

Nach und nach kehrte in den vergangenen Wochen und Monaten nach dem Lockdown der Geschäfte und Gastronomie der Alltag wieder zurück. Einzige Diskotheken und Clubs sind geschlossen. Und deren Betreiber verzweifeln langsam.

Hamm – „Noch können wir alles bezahlen. Die Frage ist nur, wie lange wir noch flüssig sind“, sagt Nasti Islami. Er ist Betreiber des „Podium“ auf der Südstraße, das jedes Wochenende normalerweise Hunderte Feierwütige anzieht, die bis in die Morgenstunde zu House- und Hip-Hop-Beats tanzen.

Seit dem 13. März ist das Podium mittlerweile geschlossen. Seit fast vier Monaten hat Islami keine Einnahmen, während die Ausgaben weiterlaufen. Pacht und Nebenkosten müssen bezahlt werden.

Islami hat sich schon vor der Corona-Krise nicht nur auf ein Standbein verlassen. Er arbeitet hauptberuflich bei der Deutschen Bahn. Ist deshalb besser abgesichert als andere. Trotzdem geht es auch ihm an die Substanz. Die laufenden Kosten deckt er teilweise mit Erspartem. „So viel Geld, wie ich ausgebe, kann ich aber gar nicht verdienen“, sagt er. So sei mittlerweile sicher ein fünfstelliger Betrag verloren.

Die Personalkosten sind immerhin bei Null. Alle Minijobber – im Podium arbeiteten acht Personen – musste Islami schweren Herzens entlassen. „Mit denen bin ich so verblieben, dass sie hier wieder anfangen können, sobald es weitergeht“, sagt der 46-Jährige. „Bei uns haben viele Studenten gearbeitet. Für die ist das eine harte Zeit, sie sind besonders auf das Geld angewiesen.“

Wenn gar nichts mehr ginge, wäre das ein Fiasko

Schnell etwas an ihrer Situation ändern wird sich nicht. Noch bis mindestens 31. Oktober sind Großveranstaltungen und die Öffnung von Diskotheken untersagt. Gut möglich, dass dieses Verbot verlängert wird, falls das Coronavirus weiter in kleinen Wellen durch das Land schwappt. „Böse Zungen sagen, dass dieses Jahr gar nichts mehr geht“, sagt Islami. „Das wäre ein Fiasko.“

Dass Kneipen und Bars im Gegensatz zu Discos öffnen durften, versteht Islami nicht. „Da sieht man ja sogar im Fernsehen, wie eng die Leute stehen, sich unterhalten, etwas trinken.“ Auch bei privaten Partys sei das mit dem Abstand ja mittlerweile so eine Sache. „Aber was soll man machen? Wir müssen das akzeptieren und darauf hoffen, dass es bald wieder losgeht.“

Bis auf Weiteres geschlossen: Das Podium auf der Hammer Meile darf nicht öffnen.

Feiern mit Abstand und Hygienekonzepten geht nicht

Von aufwendigen Hygienekonzepten für Clubs hält der erfahrene Disco-Betreiber wenig. „Wir können zwar überall Desinfektionsmittel aufstellen, in Clubs wird aber nun mal gefeiert und getanzt. Das geht auf Abstand nicht.“ Für 20 bis 30 Leute, die unter Einhaltung aller Corona-Regeln kommen dürften, lohne sich ein Betrieb nicht. „Da zahle ich drauf. Und Spaß hätte dann auch niemand“, glaubt der 46-Jährige.

https://www.facebook.com/Podium.Club.Hamm/posts/2911180158928377

Ins „Podium“ passen gleichzeitig rund 280 Gäste. An einem normalen Freitag- oder Samstagabend kommen allerdings deutlich mehr. Die Clubs-Besucher wechseln zwischen den verschiedenen Läden auf der Meile. Gehen nach dem „Podium“ ins „Havanna“, „Cheyenne“, „Pirates“ oder den „Kings Pub“.

Stammgäste und Partygänger sehnen die Öffnung der Clubs genauso herbei wie Disco-Betreiber und DJs. „Ich werde jede Woche angerufen und angeschrieben. Die Leute wollen wissen, wann es weitergeht“, sagt Islami. „Feiern zu gehen gehört für sie einfach zum Leben dazu wie Einkaufen oder zur Arbeit gehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare