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Beten bei 12 Grad: Hammer Kirchen stoppen Licht und drosseln Heizung

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Von: Sarah Hanke

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Die Kirchen in Hamm reagieren auf die drohende Gaskrise. Ab sofort werden die Jugendkirche und die Christuskirche nicht mehr angestrahlt. In der Pauluskirche müssen sich die Gottesdienstbesucher im Winter warm anziehen. 

Hamm – Die evangelische Jugendkirche im Lutherviertel bleibt ab sofort im Dunkeln. Auch die Christuskirche im Hammer Westen wird künftig nicht mehr angestrahlt. Und in der katholischen Pfarrkirche St. Agnes sollen in weiser Voraussicht Fleecedecken angeschafft werden. Die Kirchen in Hamm reagieren auf die drohende Energiekrise durch den Ukraine-Krieg, ebenso wie Stadt und Unternehmen an anderer Stelle.

Ralph Haitz, Pfarrer in der Kirchengemeinde Hamm und Vorsitzender des Presbyteriums, hat den Stecker gezogen: „In der heutigen Dienstbesprechung haben wir beschlossen, die Beleuchtung der Christuskirche ab sofort abzuschalten.“ Bei der evangelischen Kirche obliegt die Hoheit den Presbyterien. Jede evangelische Kirchengemeinde entscheidet also selbst, welchen Weg sie geht. „Wir hoffen, dass die anderen Kirchengemeinden in Hamm nachziehen werden“, sagt Haitz.

Im Hammer Stadtgebiet wurden bisher sieben evangelische Kirchen angestrahlt. Ob nun auch dort der Schalter umgelegt wird? „Wir möchten damit auch ein sichtbares Zeichen setzen und zeigen, dass wir uns Gedanken machen“, erklärt Kirchenkreisarchitekt Lutz-Thomas Kusch die Entscheidung in Richtung Dunkelheit. Ein Anliegen sei auch, als Multiplikator aufzutreten und die Menschen daheim ebenfalls zum Energiesparen zu motivieren. „Sie sollen zum Beispiel überlegen, ob es wirklich nötig ist, den Whirlpool ständig anzumachen“, so Kusch.

Kirchenkreisarchitekt Lutz-Thomas Kusch und Pfarrer Ralph Haitz wollen die Christuskirche nicht mehr anstrahlen.
Stecker raus: Kirchenkreisarchitekt Lutz-Thomas Kusch und Pfarrer Ralph Haitz wollen die Christuskirche nicht mehr anstrahlen. © Robert Szkudlarek

Winterkirche: Gottesdienst im Gemeindesaal

Auch das Presbyterium der Pauluskirche Hamm hat sich Gedanken zur Energiekrise gemacht. In der Kirche soll künftig nur noch bis zu einer Grundtemperatur von maximal 12 Grad geheizt werden. „Da müssen sich die Besucher im Winter schon dementsprechend vorbereiten“, sagt Haitz. „Natürlich auch mit Fleecedecken.“

Im Raum stand auch das Konzept der sogenannten „Winterkirche“. In der Johanneskirche in Heessen und in der Christuskirche wird dieses Konzept bereits umgesetzt. Das Presbyterium der Pauluskirche hat sich jedoch dagegen entschieden. „Winterkirche bedeutet, dass von Januar bis Palmsonntag keine Gottesdienste in der Kirche stattfinden“, erklärt Haitz. Stattdessen wird auf andere Räume, beispielsweise den Gemeindesaal, ausgewichen. Der Platzbedarf sei ohnehin geringer. „Das sind ja dann keine großen Gottesdienste. Weihnachten und Silvester sind ja vorbei“, so Haitz. Zu Ostern werde dann wieder Gottesdienst in der Kirche gefeiert.

Mönkebüscher lässt Fleecedecken anschaffen

Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Agnes bereiten sich die Verantwortlichen auf den kommenden Winter vor. Pfarrer Bernd Mönkebüscher will für seine Gemeinde schon einmal einen Satz Fleecedecken anschaffen. „Das ist ja in Restaurants nichts Ungewöhnliches“, so Mönkebüscher. Anfang September wollen die Bistümer Regelungen für den Winter formulieren.

„Ich gehe davon aus, dass wir nicht über 12 Grad gehen dürfen. Das merkt man dann schon“, sagt Bernd Mönkebüscher. Schon in den beiden Corona-Jahren hatten die Bistümer vorgegeben, eben jene Temperaturschwelle im Winter nicht zu überschreiten. Zuvor sei man in der Agnes-Kirche mit 15 Grad immer ganz gut gefahren.

Besonders für ältere Menschen sei Kälte unangenehm. Energie zu sparen sei jedoch auch eine Frage der Solidarität, findet der Pfarrer. „Wenn zuhause die Temperatur um 2 Grad reduziert wird, geht das auch in der Kirche.“ Ganz ohne Heizung funktioniert es aber nicht. Eine Grundtemperatur von 9 Grad sollte nicht unterschritten werden – auch zum Schutz der Orgeln, erklärt Mönkebüscher.

Solaranlagen als Alternative zu Gas und Öl

Eine weitere Grenze beim Thema Energiesparen setzen Baurecht und Denkmalschutz: Nicht jedes kirchliche Gebäude kann so einfach energetisch saniert werden. Auch Solaranlagen auf historischen Kirchendächer zu installieren, ist deshalb eher schwierig.

„Wir überlegen schon, auf welchen Dächern der Kirchengemeinde eine Solaranlage tatsächlich denkbar wäre“, so Mönkebüscher. Zum Beispiel auf den Dächern der Pfarrheime oder -häuser. Auf dem Dach der Kita befinde sich bereits eine kleine Solaranlage. Schon oft habe Mönkebüscher das Thema angesprochen. Aber: „Kirche tickt ein bisschen langsam und es dauert immer, bis alle Eventualitäten durchgekaspert sind.“

Fast alle Kirchen in Hamm werden mit Gas beheizt. Es gibt nur wenige Ausnahmen So wird zum Beispiel die Pfarrkirche St. Antonius in der Geithe mit Öl beheizt. „Wir müssen ja eine Umstellung vornehmen, dahingehend, wie wir unsere Gebäude beheizen“, sagt Pfarrer Haitz. Energiesparen sei das eine, die Umstellung auf die neue Technik das andere. „Das ist ja eine Mammutaufgabe.“

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