"Bestialischer Güllegestank" wabert über Heidhof-Siedlung

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Gülle auf den Feldern bringt zurzeit auch Anwohnern in Herringen ein besonderes Geruchserlebnis.

Als ob die Einschränkungen durch das Coronavirus nicht schon genug sind! In Teilen Herringens gibt es in diesen Tagen Beschwerden über Güllegestank. SPD-Ratsherr Franz Tillmann will Beschränkungen bei Ausbringung

Herringen - Trotz des Gestanks sehen die Landwirtschaftskammer und die Stadt keinen Anlass, gegen den Landwirt vorzugehen. Die hatte Franz Tillmann, Anlieger der Heidhof-Siedlung, über die Situation in Kenntnis gesetzt. „Der Gestank liegt seit Donnerstag über unserer Siedlung.“ Ein Schlafen bei geöffnetem Fenster sei, je nach Windrichtung, kaum möglich. Die Gülle sei von Tankfahrzeugen mit Steinfurter Kennzeichen nach Herringen gebracht und auf einem Feld zwischen der Heidhof-Siedlung und dem Sundern verteilt worden. „Das ist Gülletourismus.“

Die Gülle sei auch nicht untergepflügt oder bewässert worden, wodurch der Gestank hätte reduziert werden können. Nach Rücksprache mit den Behörden weiß Tillmann, dass der Landwirt sich korrekt verhalten habe. Aber: „Gerade in der aktuellen Situation hätte man ein wenig Rücksicht auf die Anlieger nehmen oder das Feld anschließend bewässern können.“

 Aber so könne man derzeit bei dem schönen Wetter Gärten und Balkone kaum nutzen, so Tillmann, der von der Landwirtschaftskammer aber darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass beim nächsten Mal zumindest keine Schweine-Gülle verteilt werden soll, die offenbar besonders geruchsintensiv ist.

Nach dem Hinweis aus der Bevölkerung ist die Stadt tätig geworden und hat umgehend Kontakt zur Landwirtschaftskammer aufgenommen. Sie kontrolliert das Gülle-/Dünger-Ausbringen hinsichtlich verwendeter Mittel und Menge. Das Umweltamt der Stadt Hamm kontrolliert Landwirte, sobald es Anzeichen auf zu hohe Düngung oder falsche Düngemittel in der Umwelt gibt. Das sei aber in Hamm in den letzten Jahren nicht der Fall gewesen“, so Stadtsprecher Lukas Huster.

Wie er weiter erklärte, hat die Landwirtschaftskammer festgestellt, dass das Ausbringen der Gülle „ der normalen landwirtschaftlichen Praxis entspricht“. Dementsprechend gebe es keine Möglichkeit und keinen Anlass, hier regulierend oder untersagend tätig zu werden. Huster: „Grundsätzlich befürworten wir – im Rahmen der Grenzen der Düngeverordnung – auch die Ausbringung von Gülle anstatt künstlicher Düngemittel, die eine ordnungsgemäße Wiederverwendung der tierischen Abfallprodukte darstellt.“

Mit Blick auf das trockene Wetter zeigte Huster zwar Verständnis dafür, dass die Anwohner die aktuelle Ausbringung als unglücklich empfinden. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es schon seit einiger Zeit recht trocken ist und der Landwirt die Felder dann auch irgendwann düngen muss, da er ja auch keine unbegrenzten Lagerkapazitäten für die Gülle hat.“ Das will SPD-Ratsherr Tillmann aber nicht so ohne weiteres hinnehmen. Er habe mit Ratsfraktionschef Justus Moor gesprochen. Die SPD werde einen Antrag auf den Weg bringen, der eine Satzung für das Stadtgebiet fordere. „Sie soll die Düngeverordnung dahingehend einschränken, dass das Ausbringen von Gülle in Abständen zu Wohngebieten geregelt werden soll.“

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