Hohe Hygienestandards in Hamm

Besorgnis in der Beauty-Branche: Angst vor neuem Lockdown geht um

Mit dem passenden Konzept durch die Krise: Miriam Goclik von Panda Relax in Hamm vertraut auf ihre Hygienemaßnahmen und hofft, damit die Kunden halten zu können.
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Mit dem passenden Konzept durch die Krise: Miriam Goclik vertraut auf ihre Hygienemaßnahmen und hofft, damit die Kunden halten zu können.

In Zeiten von Abstand, Hygiene und Alltagsmaske ist es keine leichte Aufgabe einen Betrieb mit besonders viel Körperkontakt zu leiten.

Hamm – Ganz besonders nahe kommt man sich in Kosmetik-, Massage- und Nagelstudios. Auch in Sonnenstudios merkt man die Verunsicherung der Hammer Bürger. Ein Überblick.

Die Masseurin

Miriam Goclik ist Besitzerin des Massagestudios „Panda Relax“ und kam laut eigenen Aussagen gut durch die Krise. Sie hält sich strikt an ihr Hygienekonzept: „Ich empfinde die darin vorgeschriebenen Maßnahmen als ausreichend und sehe meine Kunden und mich selbst damit gut vor einer Corona-Infektion geschützt, sodass ich mit gutem Gewissen arbeiten kann“, sagt Goclik. Für Kunden wird Handdesinfektionsmittel bereitgestellt und die Maske wird von vielen als notwendiges Übel akzeptiert. Lediglich Brillenträger haben laut Goclik öfter Probleme mit dem Tragen der Maske, da Brillen oft beschlagen. Dennoch haben sich die meisten Kunden mittlerweile an die Maßnahmen gewöhnt.

Vor Corona hatte Goclik im Massagestudio mehr zu tun, als jetzt: „Das geht leider zurzeit ganz vielen Selbstständigen so.“ Sie hofft, dass die Pandemie irgendwann überwunden ist. Doch diese Aussicht rücke aufgrund der stetig hohen Fallzahlen in Hamm in weite Ferne. Sie wünscht sich, dass sich die Menschen weiterhin in ihrem Studio sicher genug fühlen, um sich verwöhnen zu lassen. Goclik: „Außerdem hoffe ich, dass kein zweiter Lockdown auf uns zukommt.“

Das Sonnenstudio

Sonnenstudios stellen einen speziellen Fall dar, da die Nutzung typischerweise in Einzelkabinen stattfindet und der direkte Kundenkontakt auch eingeschränkt stattfinden kann. Hinzu kommt, dass auch normalerweise die in Sonnenstudios und Solarien genutzten Geräte regelmäßig nach jedem Kunden desinfiziert werden. Hasan Cevik, der das Sonnenstudio „Sun Relax“ in Rhynern leitet, hat die damalige Schließung hart getroffen.

Nun arbeitet er zusätzlich bei einer Firma im Vertrieb. „Die aktuelle Lage ist schwierig, aber wir versuchen uns anzupassen“, sagt Cevik. Bisher habe er Einbußen von 50 bis 60 Prozent zu beklagen. Ein Grund dafür seien auch die nun nicht mehr angebotenen Getränke. Nun beginnt der Herbst und damit auch die Saison für Sonnenstudios, doch Hoffnung auf eine Besserung der finanziellen Situation hat der Inhaber des Sonnenstudios nicht: „Ich habe etwas Angst vor den Entwicklungen in Hamm. Ich gehe davon aus, dass es noch weitere Verschärfungen geben wird und ich das Studio wieder schließen muss.“

Das Nagelstudio

Bei Sisa Nails, dem Nagelstudio von Sina Multmeier, läuft es nach dem Frühjahrs-Lockdown hingegen sehr gut. „Ich kann mich überhaupt nicht beklagen. Die Kunden sind mir nach dem Lockdown quasi die Bude eingerannt“, sagt Multmeier. Sie habe höchstens 5 Prozent ihrer Kundschaft verloren. Oft spiele bei diesen Kunden die finanzielle Situation aufgrund von Kurzarbeit eine Rolle, weshalb sie sich die Nagelkur nicht mehr leisten würden.

Während des Lockdowns habe es keine Einnahmen gegeben, das Minus habe sie durch den Ansturm nicht aufholen können. Deshalb musste auch sie auf die finanzielle Unterstützung vom Staat zurückgreifen. Wie viel Multmeier davon zurückzahlen muss, wisse sie noch nicht. Aus diesem Grund versuche sie nun Geld zu sparen. Etwas schwieriger macht es, dass die Inhaberin aufgrund ihrer zwei schulpflichtigen Kinder ihre Arbeitszeiten reduzierte: „Wenn die Schulen wegen Corona geschlossen sind, dann muss ich mich um die Kinder kümmern“, erklärt Multmeier.

Die Nageldesignerin macht sich Sorgen, wie es weiter gehen wird und ob Salons wie ihrer wieder geschlossen werden müssen. Wenn sie die Entscheidungsgewalt hätte, dann wäre das nach den wieder steigenden Fallzahlen ihre erste Amtshandlung gewesen. Eine weitere Schließung könne sie sich finanziell nur aufgrund ihres zweiten Standbeines leisten. Sie bietet neben ihrer Nagelpflege unter anderem eine digitale Hautberatung an, damit im Notfall dennoch etwas Geld in die Kasse fließt.

Die Kosmetikerin

Auch Gabriele Hellmich, Inhaberin des Salons Kokett Kosmetik, setzt auf die digitale Alternative. Der Onlineshop, der bereits vor Corona existierte, brachte die Inhaberin ziemlich gut durch die Zwangspause Ende März – und auch jetzt könne sie sich nicht beschweren. „Als wir im Lockdown keine Kunden behandeln durften, kauften viele die Produkte online. Das klappte super.“

Gabriele Hellmich vertraut auf ihre Hygienemaßnahmen und hofft, damit die Kunden halten zu können.

Trotz der anhaltend hohen Fallzahlen gebe es bei Kokett keinen Anstieg bei den Terminabsagen. Die meisten Kunden seien laut Hellmich Stammkunden und der Hygienestandard lege ohnehin sehr hoch, auch ohne Corona. Somit herrsche großes Vertrauen in der Kundschaft.

Die stetig hohen Coronafallzahlen in Hamm machen sich auch hier in Fitnessstudios bemerkbar. Bei „Vita Gesundheit“ am Alten Uentroper Weg und „Aktivita“ am Citykai kündigen einige Sportfreunde – trotz der getroffenen Schutzmaßnahmen in den Studios – ihre Mitgliedschaften.

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