EVK zieht erschreckende Bilanz

Viele Hammer Kinder durch Feuerwerk schwer verletzt

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Symbolbild

Hamm - Reihenweise mussten in der Silvesternacht 2018/2019 Kinder und Jugendliche mit schweren Brandverletzungen im EVK behandelt werden.

Wie erst jetzt bekannt wurde, kamen neun Kinder aus Hamm und der nähren Umgebung in die Notaufnahme. Sie hatten fahrlässig mit Feuerwerkskörpern hantiert. Als außergewöhnlich bezeichnet Dr. Naim Farhat, Klinikdirektor und Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie diese hohe Zahl. Alle Altersklassen von drei bis 17 Jahren sind betroffen. Das jüngste Kind ist erst drei Jahre.

Die Vorkommnisse und die Folgen:

  • Vier Kindern ist ein Böller in der Hand explodiert, eines erlitt dabei durch die Wucht der Detonation einen Fingerknochenbruch.
  • Einem anderen Kind ist ein Böller in den Schuh gefallen und dort explodiert.
  • Wieder einem anderem ist offensichtlich ein Böller in den Nacken gesteckt worden.
  • Das jüngste Kind, ein dreijähriges Mädchen, hat in einem unbeobachteten Moment in eine Feuerfontäne gegriffen und sich schwer an der Hand verletzt.

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  • Fünf Kinder wurden stationär behandelt – vier Kinder davon mussten mit Eigenhaut transplantiert werden.
  • Ein Kind erlitt einen Hörschaden, und drei weitere wurden mit Augenverletzungen in eine Augenklinik verlegt.

Tiefe Verbrennungen und Hautschichtverlust

Eines haben alle Verletzungen gemeinsam: Sie gehen einher mit tiefen Verbrennungen und dem Verlust aller Hautschichten in dem betroffenen Bereich. „Das ist extrem schmerzhaft“, sagt Farhat. Er hat die Verbrennungsopfer behandelt und wird sie auch noch lange sehen.

Dr. Naim Farhat behandelt die verletzten Kinder.

„Die Behandlung von Verbrennungen ist langwierig“, sagt er. Sie könne sich bis zu zwei Jahren hinziehen. In einigen Fällen sind mehrere Operationen notwendig. „Bei kleinen Kindern müssen wir bereits eine Narkose geben, wenn wir den Verband wechseln, weil das schmerzhaft ist.“

Langwierige Behandlung für Opfer

Allen Brandopfern steht nun eine langwierige Behandlung ins Haus. Immer wieder müssen sie zur Spezialsprechstunde in die Kinderklinik kommen. Die Brandwunden müssen sorgsam versorgt und gepflegt werden. Vor allem weil die transplantierte Haut beispielsweise kein eigenes Fett mehr produziert, muss sie regelmäßig eingecremt werden. Damit sich keine Wucherungen auf den Wunden bildet, müssen die Kinder für eine Zeit Kompressionsanzüge oder Kompressionsmanschetten tragen.

Fälle bei der Polizei nicht aktenkundig

Bei der Polizei sind die Fälle nicht aktenkundig (hier klicken für die Silvesterbilanz der Polizei). Auch das Krankenhaus meldet die Fälle nicht weiter. Die Ärzte seien nur bei offensichtlich geplanten Kapitalverbrechen von ihrer Schweigepflicht entbunden, heißt es aus dem EVK. Gleichwohl könnten sich die Krankenversicherungen bei den Eltern melden und eventuell eine andere Versicherung haftbar machen.

Den Eltern der betroffenen Kinder drohen keine Konsequenzen.

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