Städtische Musikschule

Bernd Smalla sings goodbye: Musikschulleiter geht in den Ruhestand

Schluss nach 45 Jahren: Musikschulleiter Bernd Smalla geht in den Ruhestand.
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Schluss nach 45 Jahren: Musikschulleiter Bernd Smalla geht in den Ruhestand.

45 Jahre Lehrer an der Städtischen Musikschule, davon 23 als deren Leiter: Das Leben von Bernd Smalla gehört der Musik. Ihr wird er sich ab Juni nur noch privat widmen – Ende Mai geht er in den Ruhstand.

Hamm – Bernd Smalla verlässt die Städtische Musikschule in turbulenten Zeiten – was man angesichts des Corona-bedingten Distanzunterrichts kaum vermuten würde. Doch auch wenn in dem imposanten Gebäude an der Kolpingstraße momentan keine Musik zu hören ist, geht ihr Leiter nicht sang- und klanglos. Denn der Nachfolger des 2015 gestorbenen Norbert Edelkötter hat aus der Städtischen Musikschule einen modernen, prosperierenden Aktivposten des Hammer Kulturlebens gemacht. Zum Wahrzeichen der rasanten inneren Entwicklung ist als äußeres Zeichen der markante Neubau geworden.

Die Leitungsstelle war 1998 intern ausgeschrieben worden. „Ich habe damals glücklich den Zuschlag bekommen – nicht ahnend, was hier noch alles möglich werden würde“, erinnert sich der 65-Jährige. Denn angesichts der seinerzeit von der Stadt beschlossenen gravierenden Sparmaßnahmen und einer Zahl von rund 1800 Musikschülern habe er „bescheidene Pläne“ gehabt: Eine Harfenklasse richtete er auch dank zweier Instrumentenspenden des Fördervereins ein. Dafür einen Lehrer einzustellen, sei weit weniger schwierig gewesen als jemanden für die geplante Percussionsklasse zu finden. Denn die Anforderungen gingen über reines Schlagzeugspiel hinaus.

Viele Musikschüler und Jeki-Programm

„Aber dann kam Jeki.“ Das landesweite Projekt „Jedem Kind ein Instrument“, das ab 2007 entwickelt wurde, stellte sich als Glücksfall heraus – nicht nur für die Entwicklung der Städtischen Musikschule, sondern vor allem dafür, Musik als festen Teil der Erziehung bei wirklich allen Grundschülern zu verankern. Die Zahl der Musikschüler „explodiert“ auf heute rund 5500 – vor Beginn der Corona-Pandemie waren es sogar knapp 6000. „Das war ein wahrer Kraftakt“, erinnert sich Smalla auch daran, dass nicht alle Musiklehrer mit der Einführung glücklich waren, weil in den Grundschulen eine andere Art des Musikunterrichts erforderlich wurde als gewohnt.

Andererseits konnte die Zahl der Musiklehrer – Festangestellte und Honorarkräfte – von rund 60 auf knapp 100 gesteigert werden. Und das, obwohl eine Maßgabe für den städtischen Haushalt war, 25 Mitarbeiterstellen einzusparen. „Das bedeutete, dass andere Ämter noch mehr Stellen einsparen mussten“, ist Smalla der Politik noch heute dankbar, dass sie das Potenzial und die Chancen von „Jeki“ erkannt hatte. „Das war das wichtigste Projekt, das ich gemacht habe – mit Unterstützung des Kollegiums.“

Jedem Kind ein Instrument“ (Jeki) war ein musikpädagogisches Programm für Grundschulen. Es startete 2007 und wurde von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land NRW und der Zukunftsstiftung Bildung finanziert. Die ursprüngliche Hoffnung auf einen Großteil der Finanzierung durch Spenden hat sich laut Bernd Smalla nicht erfüllt. Das Nachfolgeprogramm „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ (Jekits) begann im Schuljahr 2015/16. Laut Smalla endet die jetzige, stiftungsbasierte Finanzierung zum 1. August 2021. Die neue Struktur sei deutlich näher am NRW-Kulturministerium angesiedelt, das den Kommunen Finanzmittel über die Bezirksregierungen bereitstellt. 

Smalla geht in Rente: Die besten Momente

Natürlich zählt Bernd Smalla auch den im Dezember 2011 eröffneten Neubau des Musikschul-Gebäudes zu den Höhepunkten seiner Amtszeit: „Dessen Realisierung hängt mittelbar mit Jeki zusammen, sonst wäre das nicht möglich geworden.“ Schon der 1971 eröffnete Altbau stellte seinerzeit landesweit einen Meilenstein dar – aber die Ansprüche hatten sich entwickelt, die Räume reichten kaum mehr aus. Finanziell möglich wurde der dynamisch geschwungene Baukörper, der quasi auf das alte Gebäude aufgesetzt wurde, durch 6,1 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II, das zur Sicherung von Arbeitsplätzen und der Modernisierung des Landes vom Bund aufgelegt worden war.

„Ein solches Gebäude mit dieser Formensprache zu haben, ist ein Glücksfall“, schwärmt Bernd Smalla. Denn tatsächlich sei – trotz anfänglicher Widerstände – der von ihm favorisierte Architekten-Entwurf realisiert worden: „Es war mein Wunsch, dass die architektonische Formensprache etwas von der Lebendigkeit hier drinnen nach außen transportiert.“

Der Dirigent legt den Stab aus der Hand: Bernd Smalla hat unter anderem die Festkonzerte in der Musikschule geleitet.

Schluss nach 45 Jahren: Ein Blick zurück

Und (mindestens) noch einen Höhepunkt gab es für Bernd Smalla: das 75-jährige Jubiläum 2015 mit all seinen Konzerten, die nur dank des großen Engagements des gesamten Kollegiums hätten realisiert werden können. Da seien Hymnen für jeden Stadtteil entstanden. Und der Aufruf, Stücke fürs Akkordeon zu komponieren, sei so erfolgreich gewesen, dass einige von ihnen mittlerweile auch in anderen Landesteilen bei „Jugend musiziert“ eingesetzt werden.

Geradezu schwelgerisch erinnert sich Bernd Smalla an die Aufführung von „Beethovens Neunter“ in der vollbesetzten Pauluskirche – zusammen mit vielen anderen Chören der Stadt: „Daran war die ganze Bürgerschaft beteiligt.“ Für den Musikschulleiter war es ein im besten Sinne „demokratisches und partizipatives“ Ereignis – mit grandiosem Finale, als alle gemeinsam, inklusive Zuschauern, die „Ode an die Freude“ gesungen haben.

Pläne für die Zukunft

Um die Zukunft der Städtischen Musikschule macht sich Bernd Smalla keine Sorgen: „Wir sind der größte Kooperationspartner in der musikalischen Bildungslandschaft – das wird stärker werden, auch wegen der zunehmenden Verdichtung des Schulalltags für die Kinder.“ In diesem Sinn hat die Zukunft bereits begonnen mit dem Projekt „Emsa“ (Eine Musikschule für alle). Da wurde bereits eine erste Kooperation mit dem Beisenkamp-Gymnasium begonnen, um gemeinsam die musikalische Entwicklung der Kinder zu fördern. Sie müssten dort abgeholt werden, wo sie stehen – räumlich und inhaltlich.

Zwei weitere Themen für die Zukunft: In der Zusammenarbeit mit Altenheimen werde zunehmend mit demenziell veränderten Menschen gearbeitet, werde Senioren ein Stück Lebensfreude (zurück)gebracht. Und die durch die Corona-Pandemie begonnene Digitalisierung des Unterrichts werde sicherlich entwickelt. Es gebe mittlerweile Apps, die eine qualitativ bessere Übertragung von Musik ermöglichen.

Ausschreibung

Seinen Ruhestand will Bernd Smalla vor allem fürs Private nutzen. Dazu gehöre auf keinen Fall privater Musikunterricht: „Ich habe mein Arbeitsleben gehabt, das war eine erfüllte Zeit.“ Darum stehe er im November auch nicht zur Wiederwahl als Vorsitzendes des Landesverbandes der Musikschulen NRW: In einer solchen Position müsse man in der täglichen Arbeit erfahren, wo Engagement erforderlich ist.

Die Stellenausschreibung zur Musikschulleitung läuft. Infrage kommen sowohl interne als auch externe Bewerber. Die Bewerbungsfrist wird Ende Mai angesetzt, um eine „möglichst nahtlose Besetzung“ zu ermöglichen.

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