Der Hammer Bergbau und seine Altlasten

HERRINGEN ▪ Über Mangel an Arbeit braucht sich die RAG Montan Immobilien nicht zu beklagen: Denn bis das Abschlussbetriebsplanverfahren beendet ist und das fast 60 Hektar große Gelände des Bergwerks Ost aus der Bergaufsicht entlassen werden kann, gibt es noch viel zu tun.

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Neben der Suche nach einer Nachfolgenutzung wird dabei die (Altlasten)-Sanierung im Vordergrund stehen. Allerdings konnte Stephan Conrad, Sprecher der RAG Montan Immobilien, noch nicht sagen, welche Bereiche möglicherweise belastet sind und in welchem Umfang sie saniert werden müssen. Bei der Suche nach Altlasten nimmt sich das Unternehmen sowohl die Gebäude, als auch das freie Gelände vor. Hierzu werden aus bis zu acht Meter Tiefe Proben entnommen, um den Boden auf Schadstoffe zu untersuchen. Gebohrt wird zudem in den Gebäuden. „Proben werden aktuell aber nur dort entnommen, wo es unstrittig ist, dass es sich um kein Denkmal handelt“, so Conrad.

Ob tatsächlich, so wie von der Stadt kürzlich mitgeteilt, die Ergebnisse der Untersuchung bis Anfang 2014 vorliegen, stellte Conrad mit Hinweis auf die noch nicht geklärte Denkmalfrage zumindest in Frage. Es sei auch möglich, dass man den Sanierungsplan erst Ende 2014 mit den Ergebnissen zur Nachnutzung des Geländes vorstellen werde.

Verfüllung der Schächte Heinrich und Robert des Bergwerks Ost:

Bergwerk Ost: Verfüllung der Schächte Heinrich und Robert

Ein „heißer Kandidat“ für mögliche Schadstoffe im Boden ist übrigens das Gelände der 1987/88 – also vor mittlerweile 25 Jahren – abgerissenen Kokerei der Zeche Heinrich Robert. Baubeginn war 1908. Ein Jahr später wurde nicht nur der erste Koks gedrückt. 1909 wurde auch mit dem Bau der Batterien 2 bis 4 begonnen. Eine erhebliche Erweiterung folgte in den Jahren 1956 bis 1960. Danach verfügte die Anlage über 118 Öfen.

78 Jahre nach der Inbetriebnahme wurde am 31. März 1987 der letzte Koks gedrückt. Die Entscheidung, die Anlage stillzulegen, hatte die RAG am 3. Dezember 1986 getroffen. Grund war die Absatzkrise beim Koks. Als dessen Folge wurde die Zahl der Kokereien von zehn auf sieben reduziert. Insgesamt wurden in der Kokerei Heinrich Robert fast 28 Millionen Tonnen Koks gedrückt. Zudem wurden Teer, Benzol, Schwefel und Gas produziert. Zuletzt waren auf ihr 270 Mann beschäftigt, die nach der Schließung auf andere Betriebsstellen verlegt wurden oder die in den Ruhestand gingen.

Im Herbst 1987 wurde mit dem Abriss der Gebäude begonnen. Er zog sich bis ins Frühjahr 1988 hin. Ziemlich am Ende mussten die beiden Kamine weichen. Durch die Stilllegung der Kokerei änderte sich das Ortsbild stark: Nachdem das Feuer in den Öfen erloschen war, blieben auch die Löschwasserdampfwolken und Abgasfakeln aus.

Anders als heute spielte der Denkmalschutz damals kaum eine Rolle. Erst im Februar 1988 – große Teile der Kokerei waren bereits abgerissen – stellte der damalige CDU-Ratsherr Günter Schröer den Antrag, dass die Stadt einen Gegenstand aus der Abbruchmasse der Kokerei erwerben und ihn in Wiescherhöfen als Industriedenkmal aufstellen sollte. Doch es gab nichts zu retten – nicht einmal mehr eine Koksofentür. Diejenige, die auf dem Wiescherhöfener Marktplatz steht, ist eine Ofentür der Kokerei Hansa in Dortmund.

Möglicherweise wird sich die Kokerei Heinrich Robert in den kommenden Monaten aber doch noch einmal ins Gespräch bringen – wenn es um die Altlasten geht... ▪ stg

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