Angebot stark nachgefragt

Bergbau-Beben: Tausende Anträge auf Entschädigung in der Region

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Der jahrzehntelange Kohleabbau hat in der Region über Tage viele Probleme hinterlassen.

Entschädigungen für bergbaubedingte Erschütterungen sind im östlichen Ruhrgebiet stark nachgefragt. Viele kommen aus Bergkamen, Hamm und Kamen.

Pelkum/Herringen/Bergkamen – Mitte Januar hatte die RAG angekündigt, Entschädigungen für bergbaubedingte Erschütterungen im Zeitraum von 2008 bis zur Stilllegung des Bergwerks Ost im Jahre 2010 zu zahlen. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Christof Beike sind seitdem rund 2500 Anträge auf Wohnwertminderung bei der RAG eingegangen. Aus dem östlichen Revier – Bergkamen, Hamm und Kamen – kommen rund 40 Prozent.

Das wären demnach etwa 1000 Anträge. Weiter runterbrechen konnte der Sprecher die Zahl nicht. Allerdings dürften die meisten Anträge aus Herringen und Pelkum stammen. Denn während hier Anwohner aus 63 Straßen Entschädigungen beantragen können, sind es in Kamen und Bergkamen nur vier beziehungsweise 20 Straßen, in denen Anträge gestellt werden können.

Da nicht alle Menschen die Möglichkeit haben, die Online-Formulare auf der Homepage der RAG einzusehen und dort Anträge zu stellen, hat das Unternehmen eine Hotline (0800-2727271) freigeschaltet. Hier können die Bürger beispielsweise erfahren, ob sie Anrecht auf Entschädigung haben.

Es gibt auch Hilfe vor Ort

Es gibt aber auch Hilfe vor Ort, so von SPD-Ratsherr Franz Tillmann. Er habe, wie er sagt, bereits rund 40 vor allem älteren Menschen beim Ausfüllen der Online-Formulare geholfen. Im Falle eines Anspruchs müssten sie sich lediglich in ihren Bürgerämtern eine Bescheinigung besorgen, mit der sie nachweisen können, im fraglichen Zeitraum im betreffenden Haus gelebt zu haben. Denn unter ihnen gebe es viele, vor allem Mieter, die nicht im Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG) organisiert sind.

Für Mitglieder übernehme der VBHG die Antragstellung. Wie Tillmann sagte, seien bereits die ersten Zahlungen bei Bürgern eingegangen. Das hätten sie ihm mitgeteilt und sich für die Unterstützung bedankt.

Kurz nach der Bekanntgabe der RAG, in welchen Bereichen eine Entschädigung gezahlt wird, hatten sich Bürger aus anderen Hammer Straßen gemeldet und gefragt, warum sie außen vor geblieben sind. Schließlich hätte es bei ihnen ebenfalls über viele Jahre gerappelt. Auch aus Rünthe gab es diesbezügliche Beschwerden.

Zwei Urteile als Grundlage

Grundlage für die vor den RAG vorgenommene Auswahl sind zwei Urteile der Amtsgerichte Kamen und Hamm sowie die ermittelten Schwinggeschwindigkeiten in den jeweiligen Straßen. Die Urteile lassen die RAG zu dem Schluss kommen, dass beispielsweise in Rünthe niemand Anspruch auf Entschädigungszahlungen für bergbaubedingte Erschütterungen in den Jahren 2008 bis 2010 hat.

Die Gerichte hatten 2016 jeweils eine individuelle Klage auf Entschädigungszahlungen abgewiesen. Nach Auffassung der jeweiligen Richter reichten Anzahl und Stärke der Erschütterungen nicht aus, um sie als unzumutbar einzustufen. Ähnlich dürfte es sich demnach auch in Teilen Herringens und Pelkums verhalten.

Anträge auf Entschädigungen können noch bis zum 31. Dezember 2020 bei der RAG gestellt werden. Betroffene aus Herringen und Pelkum können auf bis zu 400 Euro hoffen.

Last-Minute-Info:

Der Arbeitskreis Wohnen und Leben in Bergkamen lädt für den heutigen Dienstag um 19 Uhr zu einer Bürgerversammlung in die Mensa der Regenbogenschule, Rünther Straße 80 in Rünthe, ein. Dabei soll es auch um die Entschädigungszahlungen der RAG wegen bergbaubedingter Erschütterungen gehen. Zu der Versammlung wurden auch Vertreter von RAG und VBHG eingeladen.

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