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Betroffener zu Explosionen in Beirut: „Opferzahl wesentlich höher“

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Von: Frank Osiewacz

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Wie nach einem schweren Erdbeben: Pure Zerstörung: In ganz Beirut sind die Auswirkungen der Detonation zu sehen.
Wie nach einem schweren Erdbeben: Pure Zerstörung: In ganz Beirut sind die Auswirkungen der Detonation zu sehen. © picture alliance/dpa

Die Verwandten von Khodr Remmo aus Hamm haben die verheerenden Explosionen in Beirut überlebt. Mit ihnen hatte er ein Telefonat der Freude vor einem schrecklichen Hintergrund. Remmos Schilderungen machen extrem traurig.

Hamm/Beirut – Für das Überleben der Verwandten in Beirut spielte höchstwahrscheinlich die Architektur des Hauses eine entscheidende Rolle. „Die Fenster liegen nicht zum Strand hin, sondern zur Seite. Sonst wären jetzt alle tot“, sagt Khodr Remmo. „Meine Verwandten sind im Schockzustand.“ Tante, Onkel, Cousins und Cousinen des 35-jährigen Hammers leben direkt in Beirut. „Etwa fünf Kilometer vom Explosionsort entfernt“, sagt Remmo. „In gut sieben Minuten ist man mit dem Taxi am Hafen.“ Remmo selbst ist in Beirut geboren, kam 1988 nach Deutschland und wuchs in Bockum-Hövel auf. Heute arbeitet er in einem Autohandel in Beckum.

Noch am Abend nach der Explosion in der Hauptstadt des Libanons telefonierte er mit seiner Tante, der Schwester von Remmos Mutter: „Einerseits herrschte große Freude, dass ihnen nichts passiert war, andererseits aber auch große Unsicherheit und Trauer angesichts der vielen Opfer. Viele Familien haben hier Angehörige verloren.“

Explosion in Beirut: "Im Krankenhaus sind alle tot"

Remmo ist erstaunt über die Zahlen, die hierzulande durch die Nachrichtenportale gehen. „Die Zahl der Todesopfer ist wesentlich höher“, sagt er. „Das haben mir schon die Verwandten berichtet. Drei Minuten entfernt befindet sich ein Krankenhaus. Die Menschen dort sind alle tot. Im Hafen lag ein Kreuzfahrtschiff. Wenn man sich ausmalt, wie viele Passagiere solch ein Schiff fasst, kann man sich die Dimensionen vorstellen.“

Blick über einen Teil der Zerstörung nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut am 04. August.
Blick über einen Teil der Zerstörung nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut am 04. August. © dpa

Remmo selbst kennt die Örtlichkeiten in Beirut aus früheren Besuchen gut. „Sie liegen in direkter Nachbarschaft zur Promenade. Es ist Hochsommer, in dieser Zeit halten sich dort Tausende von Menschen auf. Da klingen die Zahlen, die hier gemeldet werden, sehr verharmlosend.“

Explosion in Beirut: Leid der Menschen unvorstellbar

Über die Ursachen des Unglücks will er nicht spekulieren. „Es kursieren die unterschiedlichsten Versionen, aber daran beteilige ich mich nicht. Das Leid der Menschen dort ist unvorstellbar, und das in einem Land, das politisch zuletzt sowieso sehr instabil ist.“

Mit seinen Verwandten im Libanon bleibt er weiter telefonisch über WhatsApp in Kontakt. Am heutigen Donnerstag wird er erneut mit seiner Tante sprechen. Remmo weiß, dass sich die Ausmaße der Katastrophe dann noch viel grausamer darstellen.

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