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X-Beine und Genitalverstümmelung: Team des Hammer Forums hilft 289 Kindern in Guinea-Bissau

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Von: Gisbert Sander

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Reinhard Waller (von links), Kathleen Kirchner, Dr. Andreas Bialas, Klaudia Nussbaumer, Paulina Dorsten, Dr. Babak Mokhaberi, Dr. Egbert Schlüter und Dr. Theophylaktos Emmanouilidis.
Das Team des Hammer Forums mit Material am Flughafen Bissau: 289 Kinder wurden untersucht, 102 wurden operiert. © Emmanouilidis

Unter wirklich katastrophalen Verhältnissen hat ein Team des Hammer Forums Ende Februar einen zweiwöchigen medizinischen Hilfseinsatz im westafrikanischen Atlantikstaat Guinea-Bissau absolviert und den Ärmsten der Armen geholfen. 

Hamm - Dafür haben die Helfer um den Vorsitzenden Dr. Theophylaktos Emmanouilidis einige Strapazen auf sich genommen: Allein die Fahrt vom Flughafen in der Hauptstadt Bissau zum Einsatzort im 190 Kilometer entfernten Gabu dauerte sechs Stunden, weil die Straßen derart kaputt sind. Und es habe viele Polizeikontrollen gegeben, sagt Emmanouilidis: „Die gaben uns allerdings ein Gefühl der Sicherheit, den etwa zwei Wochen zuvor war ein Militärputsch gescheitert.“

Die Erlebnisse im Krankenhaus in Gabu gingen den Helfern nahe. Beispielsweise das mit dem Vater, dessen Kind geröntgt werden musste – was wegen der fehlenden Technik nicht in Gabu möglich war. Dieser Vater habe offen gestanden: „Ich geniere mich nicht, zu sagen, dass ich weder für die Bustickets noch für das Röntgen des Kindes Geld habe.“ Emmanouilidis gab ihm das Geld und die Röntgenaufnahmen machten deutlich, dass es reichte, die Erkrankung mit Medikamenten zu behandeln. Bedanken wollte sich dieser Vater aber doch. „Er kam später zurück und gab mir in einer schwarzen Plastiktüte Erdnüsse. Mir kamen fast die Tränen. Das ist unser Lohn, und das zu erleben gibt einem Kraft und man wird motiviert, weiterzumachen“, sagt Emmanouilidis.

Malaria, Knochenbrüche und Verbrennungen

Eigens für das Team des Hammer Forums war ein Operationssaal gereinigt worden, denn mit Ausnahme von Kaiserschnitten seien in Gabu seit rund 20 Jahren keine Operationen mehr durchgeführt worden. Seit der Unabhängigkeit des Landes von der einstigen Kolonialmacht Portugal 1973 habe es keine Investitionen mehr in die Infrastruktur gegeben. Emmanouilidis: „Entsprechend heruntergekommen sind die Klinik-Gebäude. Es fehlt an allem, auch an Verbrauchsmaterial.“ Außer in der Geburtsklinik seien alle anderen Stationen fast leer.

Doch den Einsatz des Hammer Forums habe Dr. Lino Cabral, der Leiter des Krankenhauses, im Radio in drei lokalen Sprachen bekanntgeben lassen – mit Erfolg: 289 Kinder wurden untersucht, 102 wurden operiert. Da musste nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe entfernt, Fehlstellungen von Beinen (X-Beine) korrigiert, Malaria, Knochenbrüche, Verbrennungen und Durchfall ebenso behandelt werden wie Komplikationen nach einer Genitalverstümmelung bei einem dreijährigen Mädchen. Einem 12-jährigen Jungen konnte nur die Amputation des Beines das Leben retten, das seit über zwei Jahren geschwollen war und in dem sich Fisteln (Geschwüre) gebildet hatten. Der Hilfeversuch eines Medizinmanns hatte nicht gewirkt ..

Dank an erfahrene OP-Schwester

Danke sagt Emmanouilidis besonders der erfahrenen OP-Schwester Klaudia Nussbaumer. Ihr sei es gelungen, mit nur zwei kleinen Sterilisationsgeräten die Instrumente vorzubereiten und die OP-Abläufe im Blick zu behalten: „Ohne sie hätten wir nicht so viele und schwierige Operationen durchführen können.“

Kontakt

https://hammer-forum.de

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