Drei Tage Diskussion

120 Einwände gegen A445: Betroffene fühlen sich machtlos

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Hamm/Werl - Der Lückenschluss der Autobahn 445 zwischen Werl und Hamm ist eine nicht enden wollende Geschichte. Daran ändert auch der Erörterungstermin mit den Einwendern kaum etwas, der derzeit in Werl stattfindet. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich, aber die Einwender sprechen über ihre Eindrücke.   

Seit 2011 schwelt das Planfeststellungsverfahren zur Fortführung der A 445 zwischen Werl und Hamm. Nach ersten Einwendungen wurden die geänderten Planunterlagen im Frühjahr ausgelegt, abermals gingen 120 Einwände ein. Die gilt es derzeit vor Ort mit den Betroffenen zu erörtern, und die Bezirksregierung betont: „Entschieden wird in dieser Woche nichts, die Trassenführung steht noch nicht fest. Heute findet eine Diskussion auf Augenhöhe statt“, sagte Helmut Kürzel, einer der beiden Versammlungsleiter. 

Der Erörterungstermin, für den die Bezirksregierung die Werler Stadthalle sicherheitshalber gleich drei Tage lang geblockt hat, ist nicht öffentlich. Eigentlich, wenn aber keiner der Teilnehmer etwas dagegen hat, dürfen Journalisten dabei sein. In Werl hatte aber aber einer etwas dagegen - „das erste Mal, dass mir das passiert“, meinte Peter Ernst, der andere Versammlungsleiter.

"Projekt wird höher bewertet als Mensch und Tier"

In der Mittagpause bestimmte Resignation das Stimmungsbild. „Dass nach diesem Termin zu unseren Gunsten etwas geschieht, glaube ich kaum“, meinte etwa Heinz-Dieter Nordhoff. Der Landwirt aus Ostflierich müsste sieben Hektar Fläche abgeben. „Es wird so laufen wie geplant. Das Projekt wird höher bewertet als Mensch und Tier. Was soll ich machen? Die Naturschutzverbände haben möglicherweise das Geld, zu klagen, aber die werden sich genug abgesichert haben, um nicht durch eine einzelne Klage auf der Nase zu landen.“

Resignation

Ähnlich sieht es SPD-Ratsherr Hans Jürgen Stache: „Nach StraßenNRW hält die jetzt vorgelegte Planung der Trasse nah an Hilbeck vorbei vor dem Bundesverwaltungsgericht. Ich glaube, dass die Einwände daher nicht zu einer Änderung zugunsten der Vorstellungen der Bürger führen können. Zudem ist auch die Gewichtung von Mensch und Natur gegenüber dem Projekt schwer zu vermitteln.“ 

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Franz Kellerhoff, der in Hilbeck in 100 bis 200 Metern Entfernung zur Autobahn wohnen würde, bestätigt: „Hier wird deutlich gemacht: Das ist jetzt so.“ Ein weiterer Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, müsste nach aktuellem Stand der Planung die Autobahn queren, um einen Teil seiner Flächen zu erreichen, und geht davon aus, „dass ich das so hinnehmen muss. Ich fühle mich in meinen Anliegen zwar ernst genommen, aber machtlos. Jeder hat seine Richtlinien und Statuten, man hat sich nach allen Seiten abgesichert.“

"So funktioniert Demokratie"

Differenziert sieht es Thomas Eckey, Landwirt aus Hilbeck und auch im Vorstand der Teilnehmergemeinschaft im Flurbereinigungsverfahren: „Sicher, der Einwand unserer Jagdgenossenschaft, dass das jagdliche Gebiet zerschnitten werde, wurde lapidar damit abgetan, dass eine Entschädigung noch im Rahmen der Wertfeststellung stattfinde. Aber das ist eine Lehrstunde, wie Demokratie funktioniert. Nichts ist beschlossen, man hat die Möglichkeit, seine Bedenken zu äußern, und gerade die Stadt Werl hat ihren Gegenvorschlag sehr argumentativ vorgestellt. Dazu hat sich die Bezirksregierung bislang nur schwach geäußert.“

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