Behördenposse um Vandalismus-Auto endet nach mehr als zwei Jahren

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Ausgebeult, aber ausdauernd: Dieser Audi stand eine ganze Weile an der Alleestraße.

Es ist eine fast unglaubliche Posse, die zuletzt auf dem Hof eines Hammer Autoverwerters nach über zwei Jahren endete. Ein schwer demolierter Audi, der über etliche Monate an der Alleestraße geparkt war, wurde jetzt von der Stadt abgeschleppt. Ein Rückblick.

Hamm-Süden – Wann das Auto am Fahrbahnrand in Höhe der Aral-Tankstelle geparkt wurde, weiß heute niemand mehr so ganz genau. Und auch, wie fahrtüchtig der Wagen da noch war, ist unklar. Fest steht aber: Schon im Jahr 2018 beschwerten sich Anwohner bei der Stadt und meldeten sich beim WA. Ein verbeulter Audi ohne Kennzeichen stehe auf einem öffentlichen Parkplatz an der Alleestraße. Ob der denn nicht entfernt werden könne, wollten die Nachbarn wissen. Der Wagen ziehe Vandalen an, die nur zu gerne die Chance nutzten, um sich abzureagieren. Für Kinder seien beschädigte und auf dem Boden liegende Autoteile ein Risiko. Ansehnlich sei der Wagen auch nicht.

Der Verwaltung war der Wagen schon zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ein Dorn im Auge, erklärte ein Stadtsprecher später. Es gab Briefwechsel mit dem Eigentümer und gerichtliche Auseinandersetzungen. Trotzdem konnte die Stadt den (nicht mehr) rollenden Schandfleck nicht beseitigen.

Das Problem: Trotz fehlender Kennzeichen war der Wagen zugelassen. Und das nicht in Deutschland, sondern im nicht-europäischen Ausland. Auf die gestorbene Mutter des Eigentümers, der in Hamm lebt. Den Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes waren deshalb die Hände gebunden. Wann die Zulassung des Wagens auslief, war der Stadt nicht bekannt.

Deshalb wurde die "Gefahrenquelle" nun beseitigt

Deshalb stand der Audi auch noch im Oktober 2019 an Ort und Stelle, als Anwohner der Verwaltung Untätigkeit vorwarfen. Inzwischen hatte sich Unkraut rund um den Wagen seinen Weg durch die Pflastersteine gebahnt, ein Front-Scheinwerfer fehlte. Aber auch das reichte nicht, um den Wagen abzuschleppen. „Nur, wenn zum Beispiel Glasscheiben kaputt wären oder Öl auslaufen würde, könnten wir kurzfristig handeln“, sagte ein Stadtsprecher damals. Was fast schon wie ein Aufruf zu weiterem Vandalismus klang, verhallte. Erst vor wenigen Wochen war der Wagen plötzlich verschwunden. Nur das dort sprießende Unkraut und getrocknete Ölflecken erinnerten noch an den über Jahre dort abgestellten Audi.

Auf WA-Anfrage begründete ein Stadtsprecher jetzt, weshalb das Auto nun doch aus dem öffentlichen Raum entfernt werden konnte. „Mittlerweile waren dann doch Betriebsstoffe, die sich noch im Wagen befunden hatten, ausgelaufen. Auch Glasscherben haben wir gefunden. Deshalb sind wir dann schnell tätig geworden und haben diese Gefahrenquelle beseitigt“, heißt es aus dem Rathaus.

Audi wartet jetzt auf letzte Reise in Schrottpresse

Inzwischen steht der Audi seit mehreren Wochen auf dem Hof eines Autoverwerters und wartet auf seine letzte, kurze Reise in die Schrottpresse. Wenn sich der Eigentümer nicht noch kurzfristig melde, werde der Wagen zeitnah ausgeschlachtet, betonte der Stadtsprecher.

Bei abgemeldeten oder nicht zugelassenen Pkw hat die Verwaltung übrigens mehr Handhabe als in diesem Fall: Wird die Stadt auf so ein Auto aufmerksam gemacht, wird der Wagen mit einem orangenen Aufkleber versehen, auf dem der Halter aufgefordert wird, das Auto innerhalb von vier Wochen aus dem öffentlichen Verkehrsraum zu entfernen. Zudem bekommt der Halter Post mit gleichem Inhalt. Kommt dieser der Aufforderung nicht nach, wird das Auto nach vier Wochen abgeschleppt.

Bislang wurden in diesem Jahr nach Angaben der Stadt 116 Aufkleber verteilt. In 20 Fällen wurde letztlich das Abschleppen angeordnet.

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