Keine tröstende Umarmung

Beerdigungen in der Pandemie: Schwere Zeit für Angehörige und Bestatter

Besondere Auflagen: Ist jemand an Corona gestorben, ist der Tote noch mehrere Tage infektiös. Das erschwert den Abschied noch mehr.
+
Besondere Auflagen: Ist jemand an Corona gestorben, ist der Tote noch mehrere Tage infektiös. Das erschwert den Abschied noch mehr.

Die derzeitige Corona-Situation geht auch an der Bestattungsbranche und Angehörigen, die einen akuten Trauerfall in der Familie haben, nicht spurlos vorbei. „Es ist hart, sehr hart“, sagt Jana Nettebrock.

Hamm – Gerade in der Begleitung von trauernden Angehörigen seien Nähe, Zugewandtheit und Begegnung wichtig. „All das ist unter den Kontaktbeschränkungen nur sehr schwer möglich“, sagt sie. Auch der Mund-Naseschutz, der bei Trauergesprächen getragen werden müsse, irritiere oft. Häufig finden Trauergespräche nur noch telefonisch oder per Videogespräch statt. „Schwierig bei so einer persönlichen Angelegenheit“, findet Nettebrock.

Trotz aller Schwierigkeiten sind die Bestatter immer ansprechbar und geben Beistand in der schweren Zeit des Abschieds. Gemeinsam mit den Trauernden wurden neue Rituale zur Trauerbewältigung entwickelt. Beispielsweise das Streamen von Trauerfeiern. Damit wurden Angehörigen, die nicht anreisen durften oder konnten, die Teilhabe an der Trauerfeier ermöglicht.

Denn an dem letzten Gang des Verstorbenen durften bisher nur 25 Personen teilnehmen. Nun sind es 50. Am Grab gelten weiter die bestehenden Abstandsregelungen, Umarmungen sind Tabu.

„Das ist eine zusätzliche, enorme emotionale Belastung in einer ohnehin schwierigen Situation“, sagt der Hammer Bestatter Frank Makiol. Gleichwohl sei ein würdevoller Abschied möglich. Die meisten Angehörigen hätten Verständnis für die Maßnahmen, auch weil sie inzwischen bekannt sind. Makiol: „Da bleibt mehr Zeit für das Trauergespräch.“

Die Arbeit der Bestatter ist geprägt von Schutzvorkehrungen, Bürokratie und vor allem Distanz. Ganz besonders, wenn es sich bei dem Verstorbenen um einen Corona-Infizierten handelt. Jana Nettebrock: „Wenn Verstorbene mit Corona bestattet werden, gelten strenge Regeln.“

Man geht nach wie vor davon aus, dass das Virus noch mehrere Tage im Körper eines Verstorbenen weiterleben kann. Aus diesem Grund sind bei Verstorbenen mit Corona-Infektion Anfassen, Streicheln und Küssen des Verstorbenen untersagt. Auch ein Abschied am offenen Sarg ist nicht möglich. Die Verstorbenen werden nach dem Ableben in einen Leichensack – einen sogenannten Bodybag – gelegt, der luftdicht verschlossen wird. Bei der Überführung müssen die Bestatter Schutzanzüge tragen. Schwer ist solch ein Abschied für die Angehörigen, wenn sie den Verstorbenen nicht mehr sehen konnten – auch zu Lebzeiten nicht im Krankenhaus. Oft waren bei einer Corona-Erkrankung die Angehörigen in Quarantäne, der Patient starb allein im Hospital. „Da ist von uns Bestattern bei der Trauerarbeit viel Fingerspitzengefühl gefragt“, so Frank Makiol.

Auf körperliche Gesten der Kondolenz und Anteilnahme muss angesichts des Kontaktverbotes ebenfalls verzichtet werden. Das falle bei Trauergesprächen und den Beerdigungen allen sehr schwer. Eine tröstende Umarmung oder der stille Handschlag sind nicht möglich.

„Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Nettebrock. „Wir arbeiten viel mit Augenkontakt und Gesten wie etwa die Hand an das Herz zu legen.“ Es sei eben alles eine Ausnahmesituation. Selbst im Tod.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare