Beisetzungen nur noch im engsten Kreis

Beerdigungen in Corona-Zeiten: Die Nähe fehlt, die Würde bleibt

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Beisetzung ja, große Trauerfeier nein: Bestatter Ralph Knippenkötter (links) und Ulrich Dierse warten auf die Familie eines Verstorbenen.

Hamm – Ein Trauerfall in der Familie oder dem Freundeskreis ist immer eine Ausnahmesituation. Jetzt, während der Corona-Pandemie, ist gegenseitige Trostspenden nur noch eingeschränkt möglich. Beerdigungen finden im kleinstmöglichen Kreis statt. Wie Bestatter und Angehörige mit den schwierigen Umständen umgehen.

Ein langer Händedruck verbunden mit einem tiefen Blick in die Augen. Eine warme Umarmung, die Hand auf der Schulter: Trauerarbeit und Seelsorge sind in vielen Fällen mit Körperkontakt verbunden. Das alles ist derzeit nicht erlaubt. „Nähe und menschliche Wärme ausdrücken, ist schwierig“, sagt Bestatter Frank Makiol. „Wir müssen uns umstellen“, ergänzt sein Kollege Ralph Knippenkötter. „Der tröstende Blick muss reichen, auch wenn der wahrscheinlich nur bedingt hilft.“

In den beiden Unternehmen geht es aktuell nur noch um das Wichtigste: Die Menschen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Verstorbene jemand wie wir war. Das geht bei den Meldungen über die vielen Toten vielleicht manchmal unter“, sagt Knippenkötter. „Die Würde muss trotz Corona gewährleistet bleiben.“

Mitarbeiter arbeiten in getrennten Teams, genug Desinfektionsmittel da

Im Bestattungshaus Makiol sind Gespräche über Vorsorge- und Sterbegeldversicherungen ausgesetzt, der Geschäftsbetrieb eingeschränkt. Die Mitarbeiter arbeiten in zwei getrennten Teams, um selbst bei einer Infektion eines Angestellten, weiter handlungsfähig zu bleiben. „Wenn in Hamm drei oder vier Bestatter wegen Quarantäne vorübergehend schließen müssten, bekämen wir ein Problem – auch ohne mögliche Corona-Tote“, sagt Makiol. Dass auf sie viele zusätzliche Fälle zukommen, befürchten die Bestatter angesichts der aktuellen Zahlen nicht. Trotzdem fühlen sie sich gut gerüstet. Engpässe bei Desinfektionsmittel oder Schutzkleidung gebe es nicht. „Wir haben vorgesorgt und bekommen keine Panik“, sagt Makiol.

Bestatter Frank Makiol.

Die Angehörigen Verstorbener zeigten trotz der zusätzlichen Belastung und massiven Einschränkungen für Trauerfeiern großes Verständnis, betonen die beiden Bestatter. Dabei müssen teils von den Verschiedenen Jahre lang geplante Vereinbarungen kurzfristig über den Haufen geworfen werden. Der Leichnam eines Verstorbenen sollte etwa eigentlich zur Beerdigung in ein anderes EU-Land überführt werden. Das hätte auch unter den gegebenen Auflagen funktioniert. Die geplante Beerdigung am Zielort aber nicht. Deshalb entschieden die Angehörigen, ihr Familienmitglied hier beizusetzen.

Makiol: "In so einer Situation rücken alle zusammen"

Einige Familien haben sich aufs Warten verständigt. Sie hoffen darauf, dass zu einem späteren Zeitpunkt des Jahres weniger Einschränkungen gelten. Und größere Gedenkfeiern oder ein Trauergottesdienst nachgeholt werden können. „Das hilft ein bisschen, wenn man weiß, dass die Würdigung eines lieben Menschen nicht ausfällt“, sagt Makiol. Er betont die gute Zusammenarbeit mit den Kirchen – die aktuell bekanntlich keine Gottesdienste abhalten dürfen – und den Behörden. „In so einer Situation rücken alle zusammen.“

Eine Möglichkeit der Teilhabe ist auf Hammer Friedhöfen bislang noch selten zu sehen. Anderswo werden Beerdigungen oder Trauerreden bereits über das Internet zu weiter entfernt wohnenden Verwandten übertragen. „Das gibt auch der Ernst der Lage im Moment nicht her. Auf dem Friedhof kann nicht auch noch ein Kameramann herumspringen“, sagt Makiol. „Wenn die Beschränkungen bleiben, werden aber auch Internetübertragungen kommen.

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