„Bedrohliche Situation“: Hammer Klimaschützer machen mobil

Unübersehbar: Auch in Hamm ist der Klimawandel längst angekommen.
+
Unübersehbar: Auch in Hamm ist der Klimawandel längst angekommen. Zeugen davon sind nicht nur trockene Sommer und schneearme Winter, sondern beispielsweise auch die durch den Borkenkäfer verursachten Schäden im Selbachpark oder das vermehrte Vorkommen des Eichenprozessionsspinners wie hier an der Oberonstraße.

Hammer Klimaschützer unterstützen Aufruf „Bereit zum Wandel“. Sie sagen: „Haben eine bedrohliche Situation“.

Weetfeld – Vor allem bei der Bürgergemeinschaft (BG) gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft war sein Rat als Umweltverträglichkeitsprüfungs- und Ökoaudit-Experte gefragt. Immer wieder tritt Edmund A. Spindler aber auch überregional in Erscheinung, so auch bei dem von Prof. Dr. Stefan Heiland vom Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin initiierten Aufruf „Bereit zum Wandel“, der von dem Wiescherhöfener und weiteren 190 Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen als Erstunterzeichner unterstützt wird. Sie setzen sich für eine klima- und naturverträgliche, sozial gerechte Lebens- und Wirtschaftsweise ein. Gut zwei Monate nach dem ersten Aufruf gibt es rund 2200 Unterzeichner, darunter, wie Heiland sagt, „eine Handvoll aus Hamm“.

Für Spindler gibt es mehrere Gründe, den Aufruf zu unterstützen. Und er hoffe, dass ihm noch viele Menschen folgen werden, um ein „klares Zeichen an die Politik und die Gesellschaft zu senden“. Denn: „Wenn die offizielle Politik auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene nicht auf die Probleme eingeht, die dringend gelöst werden sollen, schlägt in einer Demokratie – normalerweise – die Stunde der Opposition. Doch wenn auch sie verblasst und gleichgültig reagiert, ist ein Aufschrei aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft von Nöten, um die Prioritäten zu ändern.“ Eine solche Situation sei schon seit einiger Zeit beim Klimawandel, sprich Erderhitzung, sowie beim Umweltschutz auf vielen Politikebenen eingetreten.

Hamm bildet keine Ausnahme

Und Hamm bildet da aus Sicht des Diplom-Ingenieurs keine Ausnahme. Mit Blick auf den Klimaschutz gehe ihm, so Spindler, der Koalitionsvertrag der Ratsfraktionen von SPD, Grünen und FDP nicht weit genug. Die Ansätze seien da – mehr nicht. Positiv sei unter anderem der Verzicht auf die Norderweiterung des Inlogparcs. Spindler fehlt aber vor allem eine Vision über die Zukunft der Stadt in Sachen Klimaschutz. Es gebe kein Konzept, wie Hamm klimaresistent oder CO2-neutral werden kann. Auch fehlten konkrete Aussagen zu einer Smart-City. Nötig sei eine neue Qualität der Stadtentwicklung, die sich an der Nachhaltigkeit orientiert: weniger Versiegelung, nachhaltiges Bauen, mehr Bodenschutz. „Was wir in Hamm brauchen, ist ein Bodenschutzbeauftragter.“ Mit Blick auf alle Neubaugebiete könnte von den Stadtwerken beispielsweise jeweils eine zentrale ökologische Wärmeversorgung, zum Beispiel mit grünem Wasserstoff, aller Häuser organisiert werden.

Doch nicht nur in Hamm gibt es einen großen Nachholbedarf beim Klimaschutz. Und vor allem aus diesem Grund haben Heiland und seine Mitstreiter den Aufruf gestartet. Gefordert wird in ihm ein veränderter Umgang mit Energie und Ressourcen. Und das betrifft alle. Denn: „Ohne Reduktion unseres Energie- und Ressourcenverbrauchs und ohne eine Änderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise, werden Klimaschutz sowie eine sozial- und naturverträgliche Energiewende nicht möglich sein“, weiß Spindler, der 1992 als Leiter des Umweltverträglichkeitszentrums in Hamm an der UNO-Konferenz Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro teilgenommen und mit UVP-Experten den deutschen Stand im Global Forum geleitet hatte.

Kritik am stetigen Wachstum

Zum Selbstverständnis der Initiatoren gehört beispielsweise die Kritik am stetigen Wachstum und die drastische Umkehr beim Material- und Energiekonsum beziehungsweise die Frage darüber, „was genug ist“. Mit Blick auf die Wirtschafts- und Lebensweise in Deutschland sprechen Experten wie eben Spindler und Heiland von einer „bedrohlichen Situation“. Umweltzerstörung, Artensterben und Klimawandel gefährdeten die Lebensgrundlagen aller. „Wir stehen in erster Linie vor einer sozialen und kulturellen Herausforderung“, heißt es. Konkrete Forderungen zur klima- und naturverträglichen Lebensweise wie beispielsweise der Verzicht auf Kurzstreckenflüge, die Reduzierung des Fleischkonsums und die Kreislaufwirtschaft sind daher Gegenstand des Aufrufs.

Mit ihm wolle er, wie Heiland sagt, in erster Linie eine gesellschaftliche Diskussion in Gang setzen sowie den Klimaschutz und die Energiewende forcieren. „So wie im Moment kann es jedenfalls nicht weitergehen“, findet er deutliche Worte. Und die richten sich zum einen an die Politik, aber auch an jeden einzelnen Bürger. Denn. „Jeder von uns muss bereit sein, die Energiewende mitzutragen und sein eigenes Verhalten danach auszurichten.“

Info

Wer sich dem Aufruf anschließen will, kann sich auf www.bereit-zum-wandel.de registrieren und in Kontakt zu den Initiatoren treten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare