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Großer Aktenberg? Corona sorgt für Bearbeitungsstau im Rathaus

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Von: Frank Lahme

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Im Rathaus gibt es viel zu tun.
Viel zu tun: Im Rathaus dauert die Bearbeitung von Fällen derzeit etwas länger. © Armin Weigel

Unschöne Corona-Effekte gibt es nicht nur im medizinischen Bereich. Auch die Hammer Verwaltung ächzt unter den Auswirkungen der Pandemie und schiebt offenbar seit Monaten einen stattlichen Berg von Akten und Anträgen vor sich her.

Hamm – Wie die Rathaus-Sprecher Tom Herberg und Lukas Huster auf WA-Nachfrage bestätigten, gibt es Probleme bei der Bewilligung von Wohngeld, Kindergeldzuschlägen und der You-Card. Sechs Wochen dauere es, bis über einen Wohngeldantrag entschieden sei, bei der You-Card könnten es auch schon einmal acht bis zwölf Wochen sein. Und auch beim Kindergeldzuschlag gebe es „wohl deutliche Wartezeiten“.

Hohe Arbeitsaufwand seit der Corona-Pandemie

Seit dem Frühjahr 2020, also mit Beginn der Corona-Pandemie, habe sich der Arbeitsaufwand in der Abteilung „Bildung und Teilhabe“ im Amt für Soziales Wohnen und Pflege deutlich erhöht, heißt es weiter aus dem Rathaus. Dort würden Wohngeld und You-Card bearbeitet, ähnlich sei es bei der Familienkasse (Kindergeldzuschlag/YouCard). Immerhin habe man die Problematik erkannt und sei dabei, gegenzusteuern. Auszubildende und Mehrmonats-Praktikanten würden zur Unterstützung herangezogen. Den Betroffenen würde durch die langen Wartezeiten kein Schaden entstehen, teilt die Verwaltung weiter mit.

Kurzarbeit sorgt für Bearbeitungsstau - unter anderem

Die Gründe für den Bearbeitungsstau seien vielfältig. Einer sei beispielsweise, dass Pandemie-bedingt in vielen Hammer Betrieben Kurzarbeit angeordnet wurde. Die Betroffenen hatten weniger Einkommen und konnten deshalb (teils) Wohngeld beantragen. So stieg die Zahl der wohngeldbeziehenden Haushalte um 400 auf aktuell 3 500 an. Das Problem sei aber nicht dieser Anstieg, sondern eine daraus resultierende Konsequenz: Während Wohngeldanträge üblicherweise einmal im Jahr zu stellen sind, wird dies bei den Kurzarbeitern alle vier Monate nötig. Diese Verdreifachung des Antragsgeschehens mache den Löwenanteil aus. Von möglichen Konsequenzen wegen entstandener Mietrückstände sei im Rathaus nichts bekannt. Das Wohngeld werde zudem rückwirkend ab Antragstellung ausgezahlt.

Das erhöhte Arbeitsaufkommen betreffe nicht nur das Wohngeld, sondern auch die hiermit verknüpfte You-Card. Durch die längere Bearbeitungsdauer entstehe den Betroffenen aber in der Regel kein Schaden. Bei der Lernförderung gebe es beispielsweise keine längeren Wartezeiten und keinen Bearbeitungsstau. Die Anträge würden priorisiert bearbeitet, damit die Lernförderung starten kann. Die Teilnahme am kostenlosen Mittagessen sei ebenfalls gewährleistet, hier gebe es auch entsprechende Absprachen mit den Leistungsanbietern.

Bevor es zum theoretischen Fall komme, dass einem Kind ein Mittagessen verweigert werde, weil es Probleme mit der You-Card gibt, müsse sich der Leistungsanbieter immer an die Sachbearbeiter wenden. Das komme aber nur sehr selten vor und werde dann unkompliziert gelöst (unter anderem würden auch hier die in Anspruch genommenen Leistungen nachgezahlt). Dasselbe gelte zum Beispiel für Klassenfahrten: „Kein Kind wird von einer Klassenfahrt ausgeschlossen, nur weil es noch keinen aktuellen Bescheid gibt“, heißt es aus dem Rathaus. „Hier haben wir einen kurzen Draht zu Schulen und Lehrern und würden die Anträge direkt bearbeiten. Das heißt: Kein Kind wird von Angeboten ausgeschlossen, nur weil Anträge noch nicht bearbeitet sind.“

Betont wird von der Verwaltung, dass vor allem die Leistungen für Kinder (Lernförderung, Mittagessen, Klassenfahrten, Schulbedarf) Priorität hätten. Parallel sei man auch dabei, die Rückstände beim Wohngeld abzuarbeiten. Abgesehen davon, dass Personal aufgestockt wurde, sei bei den Betroffenen platziert worden, von persönlichen Terminen oder Anrufen wegen der Bearbeitungsstände abzusehen. Eine Kommunikation per E-Mail (oder Rückruf per Telefon) sei immer gegeben. Wichtig sei jedoch, dass die Mitarbeiter auch die Zeit hätten, die Flut an Anträgen abzuarbeiten. „Wir gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres wieder gewohnt kürzere Bearbeitungszeiten erreicht werden“, so die Antwort aus dem Rathaus.

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