Falkner vermittelt

Bauplatz als Brutplatz: Uferschwalben verbringen Sommer in Bockum-Hövel

Putzige Gäste auf Zeit: Uferschwalben werden nur maximal zwölf Zentimeter lang.
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Putzige Gäste auf Zeit: Uferschwalben werden nur maximal zwölf Zentimeter lang.

Der 56-jährige Dirk Walter ist ein kompetenter Naturfreund und hat in diesem Sommer eine ganz besondere Beobachtung gemacht: Er bemerkte eine Kolonie Uferschwalben, die auf einem Unternehmensgelände an der Straße „Schwarzes Gold“ ihr Sommerquartier bezogen hatten.

Hamm - „Ich ging Anfang Juni mit meinen Hunden spazieren, als mir plötzlich viele vorbeifliegende Schwalben aufgefallen sind“, so Walter. Der begeisterte Falkner und Jäger ist oft an der Bockum-Höveler Seite des Lippeparks unterwegs und ging dem Phänomen sofort auf den Grund. Da die Schwalben zur Sommerzeit brüten, verfolgte er ihren Flug und stellte fest, wo sie landeten. Er stieß auf einen hohen Berg aus Mutterboden und an einem Steilhang erkannte er, anhand der Bruthöhlen, dass es sich um die unter Schutz stehenden Uferschwalben handelt.

Umgehend informierte Walter die Naturschutzbehörde der Stadt Hamm über die Situation. Die Experten kamen prompt, nahmen den Brutplatz in Augenschein und bestätigten die Feststellung des Falkners. „Da die Uferschwalbe erhebliche Bestandsschwankungen aufweist und nach dem Bundesartenschutzgesetz geschützt ist, wollte ich vor allem sicherstellen, dass sie bei ihrem Brutgeschäft nicht gestört werden“, so der Falkner und Jäger. Er bat die Behörde, mit dem Grundstückseigentümer Kontakt aufzunehmen. Kurz darauf sprach er eine Spaziergängerin an und erfuhr, wem der offene Platz gehört. Dann rief er auch noch einmal selbst bei dem Eigentümer an. „Ich erklärte dem Unternehmer die Situation und war ganz erleichtert, als ich auf Verständnis traf“, so Walter. Der Mutterboden werde nicht dringend benötigt und nun, da er darum wisse, wolle er den Uferschwalben ihre Brutzeit gerne zugestehen, so der Unternehmer. Walter war erleichtert, denn er wisse um die Probleme, die beim Zusammentreffen von Wirtschaft und Natur nicht selten entstehen.

Gemütliches Sommerquartier: Auf einem Unternehmensgelände unweit der Halde Nord Ost brüteten Uferschwalben.

Ein Vorteil sei die überschaubare Brutzeit der Zugvögel. Die Uferschwalben verbringen den Zeitraum von Mai bis September in Mitteleuropa. Wenn sie einen geeigneten Steilhang gefunden haben, graben beide Partner ihre Bruthöhle mit Schnabel und Krallen tief in die Wände. Die etwas aufsteigenden Löcher werden am hinteren Ende im festen Erdreich erweitert und dann mit Halmen und Federn ausgepolstert. Ein- bis zweimal pro Jahr brüten die Eltern 14 bis 16 Tage lang fünf bis sechs Eier aus. Dann werden die Jungen von beiden Eltern gefüttert, bis sie die Bruthöhle nach 18 bis 23 Tagen verlassen.

Dirk Walter, Falkner: „Ich wollte sicherstellen, dass sie bei ihrem Brutgeschäft nicht gestört werden.“

Inzwischen sind die Bockum-Höveler Gäste wieder zu ihren Winterquartieren in Zentral- und Nordwestafrika aufgebrochen. „Jetzt kann gerne darüber berichtet werden, da nun keine Gefahr von Störungen mehr besteht“, sagt Walter lächelnd. Er wünsche sich nur, dass die Menschen mehr Aufmerksamkeit für die Umwelt zeigten, damit die bedrohten Arten schneller erkannt und geschützt werden können.

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