Uli Baumert und Petra Erdmann sind "Wipfelstürmer"

Unterwegs in Hammer Bäumen mit Stollengeistern und Moormonstern

+

Hamm - Unterwegs in luftigen Höhen: Uli Baumert und Petra Erdmann sind die Wipfelstürmer. Die Aktionen fördern Teamgeist und Selbstbewusstsein. Ein Porträt eines ungewöhnlichen Hammer Duos.

„Ich war schon immer ein Draußen-Mensch“, sagt Uli Baumert. Als Jaust begleitete er seinen Vater gerne zum Angelteich. Das Fischen fand er langweilig, doch die Bäume rund ums Wasser – die hatten es ihm angetan. „Man konnte da prima klettern“, erinnert sich der gebürtige Pelkumer. Als Jugendlicher nutzte er eine riesige Lärche im Garten seiner Großeltern, um sich in luftiger Höhe zu verstecken, wann immer ihm der Sinn danach stand.

Petra Erdmann hingegen, die im Hammer Süden aufwuchs, zog es als Kind nicht hoch hinaus. „Wir hatten einen Sauerkirschbaum im Garten“, erzählt sie. „Aber damit erschöpfte es sich.“ Auf den Geschmack kam sie vor über zwei Jahrzehnten durch ihren Partner Uli Baumert, den sie damals auf einer Hochzeit kennenlernte. Seine Begeisterung für Bäume erwies sich als hoch ansteckend …

Uli Baumert und Petra Erdmann bieten als "Wipfelstürmer" Team- und Kletteraktionen an.

Meist sind es die Kursteilnehmer, die – gut gesichert – im Maxipark und an anderen Orten in Hamm in die Baumwipfel stürmen. Fürs Foto zeigt Uli Baumert, wie es geht.

Nach und nach professionalisierten die beiden Naturfans ihr Faible für hohe Wipfel. Bei einer erlebnispädagogischen Multiplikatoren-Fortbildung im Wildwald Voßwinkel sprang der Funke dann endgültig über. Erdmann erinnert sich noch gut an ein Schlüsselerlebnis, das sie dort hatte: Sie kletterte in eine hohe Buche und verließ sich dabei zu 100 Prozent auf ihren Kletterpartner. „Irgendwann konnte ich ihn durch die Blätter nicht mehr sehen, nur noch den Seilverlauf“, erzählt sie. „Es klingt vielleicht ein bisschen esoterisch – aber da hatte ich das Gefühl, der Baum passt auf mich auf. Es war, als würden die Äste mich umarmen. Das war ein starker Moment.“

Petra Erdmann demonstriert bei den Wildnis- und Survivaltrainings auch, wie man ohne Feuerzeug und Streichhölzer Feuer macht.

Die Faszination der Baumwipfel hat Petra Erdmann und Uli Baumert bis heute nicht mehr losgelassen. Natur und Menschen zusammenzubringen, das ist ihr Ding. Für eine Sportschule organisierten sie Sommercamps der besonderen Art, in denen es um Klettern und Kräuterkunde ging. Ein Verein für Waldpädagogik engagierte die beiden als Teamer für Kletter- und Teamaktionen mit Schulklassen. Im September 2004 machten die beiden sich mit ihren erlebnispädagogischen Programmen für Kindern und Erwachsene als „Die Wipfelstürmer“ selbstständig.

Ideen fliegen im Vorübergehen zu

Die Ideen für ihre Kletter- und Outdooraktionen fliegen ihnen quasi im Vorübergehen zu. „Oft entsteht ein Konzept durch eine Kleinigkeit, die man irgendwo beobachtet“, erklärt Baumert. „Man sieht eine Örtlichkeit und weiß: Hier kann man einen Schatz verstecken oder das Gelände ist für eine Schnitzeljagd geeignet.“ Dazu muss keiner weit fahren. Auch in und um Hamm herum kennen die beiden zahlreiche schöne Orte, an denen Natur hautnah zu erleben ist.

Ganz oft ranken sich rund um ihre Naturerlebnistouren spannende Geschichten, in denen Stollengeister, Moormonster und andere seltsame Gestalten für Aufregung sorgen. „Die Geschichten regen die Phantasie an“, erklärt Petra Erdmann. Zu Baumerts Lieblingsaktionen zählt ein Hindernisparcours, der die Kids herausfordert. Sie müssen über Baumstämme klettern, mit Seilen arbeiten und taktisch vorgehen. Die Situation verändert sich laufend. So lernen die Kinder, auch mit unvorhersehbaren Situationen gemeinsam klarzukommen. Das fördert den Teamgeist und stärkt das Selbstbewusstsein.

Wissen aus der Steinzeit

Zum Programm der Wipfelstürmer gehören auch Schatzsuchen mit dem Kompass.

Bei den Wildnis- und Survivaltrainings greifen die Wipfelstürmer teils auf Wissen zurück, das seit der Steinzeit überliefert ist. So etwa, wenn es darum geht, Feuer zu machen – und zwar ganz ohne Feuerzeug und Streichhölzer. „Wir möchten Menschen ermutigen, sich mit ihrem Umfeld zu beschäftigen und ihnen zeigen, wie wenig man eigentlich braucht“, erläutert Uli Baumert. „Nach solchen Aktionen bekommen eine heiße Dusche und ein voller Kühlschrank einen ganz anderen Wert. Das weiß man anders zu schätzen nach einem Wochenende im Wald.“

Im Maxipark sowie für den Umwelt- und den Ferienkalender der Stadt Hamm bieten die Wipfelstürmer immer wieder unterschiedliche Programme an. Auch bodennah gibt es dabei viel zu entdecken. So etwa, dass sich aus Brennnesseln leckere Chips machen lassen. „Die schmecken super“, verspricht Petra Erdmann.

Kinder und Erwachsene für Natur begeistern

Draußen zu sein, Kinder und Erwachsene für die Natur zu begeistern und eine andere Sicht auf vermeintlich Selbstverständliches zu ermöglichen – das fasziniert die beiden an ihrem vielseitigen Job. Auf ihren Naturerlebnis-touren begegnen Petra Erdmann und Uli Baumert ganz unterschiedlichen Menschen. Vom schüchternen Skeptiker, der sich alleine nichts zutraut, bis hin zum draufgängerischen Haudegen, dem kein Baum zu hoch ist, reicht die Palette.

In vielerlei Hinsicht unterscheiden Erwachsene sich bei den Outdoor-Aktionen nicht von Kindern, stellen die beiden immer wieder fest. „Die Ausreden sind die gleichen“, sagt Uli Baumert schmunzelnd mit Blick auf Hemmschwellen, die es zu überwinden gilt. Doch auch Mut und Vertrauen lassen sich trainieren. Die Hochseilgartentrainer binden Kinder und Erwachsene beim Klettern in die Sicherungsprozesse ein. „Dadurch lernen sie, Verantwortung zu übernehmen und dafür da zu sein, dass der andere ein tolles Klettererlebnis hat“, sagt Petra Erdmann. „Das ist das Musketier-Prinzip: ‚Einer für alle – alle für einen.‘“

www.die-wipfelstuermer.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.