Erntezeit

Bauern klagen über zu viel Regen - treibt Feuchtigkeit Pommes-Preis nach oben?

Die Landwirte in Hamm hoffen auf eine trockene Phase, um eine gelungene Ernte einzufahren.
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Die Landwirte in Hamm hoffen auf eine trockene Phase, um eine gelungene Ernte einzufahren.

Zerstörte Pflanzen und durchweichte Böden: Der verregnete Sommer macht den Landwirten in Hamm und Umgebung zu schaffen. Mit Folgen für den Pommes-Preis?

Hamm – Von September bis Oktober steht die alljährliche Spätkartoffel- und Veredelungskartoffel-Ernte an. Die Erträge werden meist für Pommes, Chips, Kartoffelsalat und anderen Kartoffelerzeugnissen verwendet. Derzeit staut sich jedoch das Wasser in den Rillen der Felder.

„Das ist schon sehr dramatisch“, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Hamm, Kreis Unna, Bochum, Dortmund und Herne). „Sonnenschein wäre jetzt das Allerwichtigste.“ Denn die Bildung der Stärke kann nur unter dem Einfluss von Licht stattfinden (Fotosynthese). Das kann vor allem für die spätere Herstellung der beliebten Pommes problematisch sein: „Die Pommes werden dann beim Frittieren schwarz – statt goldbraun“, so Wortmann, der selbst auf seinen Feldern Speise- und Veredelungskartoffeln anbaut.

Kartoffeln faulen schon nach wenigen Tagen im Boden

Das nasskalte Wetter begünstigt die Ausbreitung von Kraut- und Knollenfäule, verursacht von einem feuchtigkeitsliebenden Pilz, bei den Kartoffelpflanzen. Krankheitserreger könnten Ertrag und Qualität der Knollen erheblich mindern. Wenn der Acker mehrere Tage unter Wasser steht, beginnt die Kartoffel bereits nach wenigen Tagen unter der Erde zu faulen. Auch dort, wo das Kraut noch grün ist. Für eine Prognose, ob die Preise für Pommes wegen des Schmuddelwetters steigen werden, sei es laut Wortmann noch zu früh. Aber: „Die Gefahr besteht.“

Auch den Getreidefeldern täten ein paar Sonnenstrahlen und trockene Tage gut. „Es hätte eine tolle Ernte werden können in diesem Jahr. Der Juni sah eigentlich sehr vielversprechend aus“, erinnert sich Wortmann. Doch das durchwachsene Sommerwetter spülte die Hoffnung der Landwirte auf eine sichere und gute Ernte schnell davon. „Zwar haben Gerste und Weizen eine riesige Körneranzahl ausgebildet, jedoch ist die Qualität nicht so gut wie gewohnt“, so Wortmann. Denn der Mehlkörper ist kleiner ausgebildet als sonst. Für die Landwirte bedeutet dies ein Abzug vom Gewinn, da für die Getreidepreisbestimmung unter anderem das Hektolitergewicht seit jeher ausschlaggebend ist.

Ernte-Rhythmen durch die Feuchtigkeit durcheinandergewirbelt

Der verregnete Sommer hat auch den Rhythmus der Getreideernte durcheinandergebracht: Auch in Hamm sind noch Restflächen mit Gerste oder Weizen zu finden. Je länger der reife Weizen auf dem Acker bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass er keimt und an Qualität verliert. Doch die durchweichten Ackerböden sind mit Mähdreschern und Traktoren nicht zu befahren. Auch für den Mais, der bereits gewaltige Pflanzen entwickelt hat, wäre eine Schönwetterperiode gut.

„Mais braucht Sonne, damit er seine Stärke einlagern kann“, erklärt Wortmann. Die Mais-Ernte findet in Deutschland Mitte September bis Anfang Oktober statt. Wegen der ungünstigen Witterungsbedingungen wird in diesem Jahr auch die Pflaume- und Apfelernte voraussichtlich geringer ausfallen: Mit knapp 87.000 Tonnen werde die Ernte verglichen mit dem Vorjahr laut Statischem Bundesamt um 8,5 Prozent geringer ausfallen.

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