Michael Dirkling und Denise Debie aus Hamm

Bares für Rares (ZDF): „So etwas Schönes noch nie gesehen“ - Paar aus Hamm räumt ab

Ein Paar aus Hamm hat bei der beliebten Fernsehsendung „Bares für Rares“ das große Los gezogen und ein altes Familienerbstück für viel mehr Geld verkauft, als sie erwartet hatten.

Hamm - Mit einer kleinen Pferdestatuette aus Bronze versuchten Michael Dirkling und Denise Debie aus Hamm in der vergangenen Woche ihr Glück bei „Bares für Rares“ im ZDF. „Wir haben die Figur mitgebracht, weil sie sehr fein ausgearbeitet ist und da wir denken, dass es vielleicht ein Künstler war, der sein Handwerk verstanden hat“, begründete Michael Dirkling den Schritt sich für die bundesweit bekannte TV-Sendung zu bewerben.

SendungBares für Rares
SenderZDF
Erstausstrahlung3. August 2013
ModeratorHorst Lichter

Hammer bei „Bares für Rares“: Erbstück wird begutachtet

Schon bei der obligatorischen Bewertung ging es gut los für die Hammer. „Ihr löst euer Gestüt auf“, vermutete Moderator Horst Lichter in gewohnt süffisanter Art und Weise beim Anblick der Statuette. „Genug vom Pferd. Die Reiterin darf mitgehen.“ Schlagfertig reagierte Debie: „Genau, eine Frau reicht im Haus.“

Das schmucke Pferd samt Reiterin hat Dirkling eigenen Angaben zufolge von seinem Ur-Onkel. Laut Erzählungen seiner Großmutter, die immerhin 94 Jahre alt geworden ist, soll die Reiterin die Lebensgefährtin des besagten Vorfahren darstellen. „Ob das stimmt, kann ich nicht sagen“, erklärte der Sammler. Antiquitäten-Fachmann Albert Maier jedenfalls glaubte, dass die Bronze-Figur ein Preis für ein gewonnenes Reitturnier - wohl in der Dressur - gewesen sein könnte.

„Bares für Rares“: Seltener Elfenbeinkopf auf Statuette

Auch wenn es leichte Abriebstellen aufweise, seien die Details rund um das Pferd - wie eine kleine Peitsche - gut zu erkennen. Pferd und Reiterin seien massiv gegossen und gearbeitet worden. Die Kleidung der Frau wurde anschließend bemalt. Besonders interessant fand der Experte den Kopf der Reiterin, der aus Elfenbein besteht. „Normalerweise passen diese Materialien nicht zusammen. Aber diese Darstellungen mit Bronze und Elfenbein und anderen Materialien gibt es seit der Antike“, erklärte Maier. Das Elfenbein könne man gut erkennen, wenn man sich die Struktur des Kopfes anschaue. Kleine Linien wiesen auf die Wachstumslinien des Elfenbeins hin.

Aufgeregt: Die beiden Hammer Denise Debie und Michael Dirkling hoffen auf einen guten Preis für das Erbstück.

Der Handel mit Elfenbein ist mit Einschränkungen weltweit verboten. Eine Ausnahme gibt es allerdings etwa bei Antiquitäten, die vor 1947 hergestellt worden sind.

Pferde-Statuette aus Hamm ist fast 100 Jahre alt

Die Statuette hat neben einer beeindruckenden Erscheinung auch ein nicht zu verachtendes Alter. Aufgrund der Kleidung und der Frisur der Reiterin müsse die Bronze in den 1920er Jahren gefertigt worden sein - in der Zwischenkriegszeit, so Maier. Auch wenn keine Signatur eines Künstlers und auch kein Gießereistempel vorhanden seien, sei er sich da „absolut sicher“.

Die Statuette ist wahrscheinlich rund 100 Jahre alt. Die Kleidung der Reiterin entspricht jedenfalls dem Stil der 1920er Jahre.

Aus Sicht von Maier hat die Statuette noch sehr viel Charme. „Natürlich ist dieses Sujet nach wie vor in und ist gut verkäuflich. „Dass es eine chryselephantine Figur ist – also aus Elfenbein und Bronze – steigert den Wert natürlich.“

„Bares für Rares“-Händler: „Heute ist Ihr Glückstag“

„Super“, entwich es da schon Denise Debie. Michael Dirkling seufzte erleichtert. Während die beiden 1.000 Euro als Wunschpreis nannten, schätzte Maier den Wert auf 800 Euro. „Da könnten wir mit leben“, waren sich die Hammer einig - und erhielten die begehrte Händlerkarte. „Wir hoffen, einen guten Preis erzielen zu können. Man weiß ja nie: Vielleicht gefällt es dem einen oder anderen Händler so gut, dass er noch etwas drauf legt.“ Und damit sollten sie Recht behalten.

Besagte Händler bissen direkt an, als die Statuette vor ihnen enthüllt wurde. „Ich liebe die 20er Jahre“, sagte Antiquitäten-Händlerin Susanne Steiger. „Ich gratuliere Ihnen jetzt schon, heute ist Ihr Glückstag“, begrüßte sie Dirkling und Debie. Dass nicht nur die blonde Juwelierin Interesse an dem Pferd aus Bronze hatte, wurde ebenfalls sofort deutlich: „Wir sind entzückt. Ich bin ein Hellseher und ich sage Ihnen jetzt etwas: Der Preis, den wir heute zahlen, der wird über der Expertise liegen“, sagte Auktionator Wolfgang Pauritsch, der das Wettbieten eröffnete.

Geld von „Bares für Rares“ für Führerscheine der Söhne

Auf einen Verkauf hofften die Hammer vor allem wegen ihrer Kinder: „Das wäre sehr gut, weil unsere drei Jungs machen alle schön fleißig den Führerschein. Fahrstunden und Autos kosten viel – und da wäre das Geld gut angelegt“, sagte Dirkling.

Horst Lichter übergab den beiden Hammern bei „Bares für Rares“ die begehrte Händlerkarte.

Steiger startete mit vergleichsweise niedrigen 500 Euro. Schnell ging es aber reihum, bis die 1.000 Euro erreicht und die Schätzung von Maier bereits überholt waren. Die beiden Hammer waren schon da überwältigt. „Da können wir noch ein Eis von essen“, sagte Debie. „Ein Rieseneis“, korrigierten sie die Händler. Auch danach ging das Bietergefecht munter weiter - bis bei 1.850 Euro nur noch Steiger und Pauritsch übrig geblieben waren.

Hammer kassieren bei „Bares für Rares“ 2.200 Euro für Pferde-Statuette

Die beiden Bares-für-Rares-Veteranen schaukelten sich schließlich bis auf 2.150 Euro hoch. „Brauchen Sie einen Stuhl?“ fragte Pauritsch da Dirkling und Debie nach seinem vermeintlich letzten Gebot. Debie hatte es aber auch da noch nicht die Sprache verschlagen: „Gleich nehmen wir es wieder mit“, sagte sie. Ganz soweit kam es aber nicht, weil Susanne Steiger noch einmal final nachlegte und den beiden überglücklichen Hammern die Pferdestatuette samt Reiterin für 2.200 Euro abkaufte.

„Wow, das war eine der schönsten Bronzen, die ich in meinem Leben je gekauft habe“, freute sich auch die erfahrene Händlerin über den Deal. „Das ist die schönste“, mutmaßte Pauritsch anschließend. Warum die passionierte Reiterin so viel Geld für eine kleine Statuette bezahlte? „Das Pferd ist wahnsinnig gut gemacht. Man sieht die einzelnen Adern und Muskeln und diese Innigkeit, diese Liebe zwischen der Frau und dem Pferd ist so gut zu erkennen. Das hat mein Herz getroffen und ich bin super glücklich, dass ich am Ende das Pferd mit nach Hause nehmen darf.“

Susanne Steiger erstand die Statuette aus Hamm für stolze 2.200 Euro.

Überwältig waren auch die Hammer nach ihrem TV-Abenteuer, das sich auch noch finanziell gelohnt hat. „Die Verhandlungen sind spitzenmäßig gelaufen, wir können nur hoch, hoch zufrieden sein“, befand Michael Dirkling. „Mit Susanne hat die Bronze jetzt auch einen Liebhaber gefunden. Die wird dieses Teil auch wahrscheinlich nicht weiterverkaufen.“

Der Auftritt der beiden Hammer ist weiterhin in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Rubriklistenbild: © Sporkert

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