Zentrale Versorgung für Patienten

Welt-Aids-Tag: Hier werden in Hamm die Kräfte gegen HIV gebündelt

Der Welt-Aids-Tag wird etwas stiller ausfallen als in den vergangenen Jahren. Keine Aktionen, keine Spendensammlungen in der Fußgängerzone, keine roten Schleifen, die als Zeichen der Solidarität verteilt werden. Das Corona-Virus verdrängt das HI-Virus in der Aufmerksamkeit. Dabei sind HIV und Aids weiter ernste Themen, wie Ärzte und Aids-Hilfe betonen.

Hamm - Rund 88 000 Menschen leben in Deutschland mit dem HI-Virus. Jährlich kommen etwa 2 400 hinzu, nicht mitgezählt diejenigen, die gar nicht wissen, dass sie HIV haben. Offizielle Zahlen für Hamm gibt es nicht; gemessen an der Bevölkerungsverteilung müssten es 300 bis 400 Menschen sein. Die Aids-Hilfe betreut nach eigenen Angaben etwa 30 Betroffene.

Im Einsatz gegen Aids und HIV: Claus-Martin Naechster (von links), Dr. Markus Unnewehr und Martin Enders.

Welt-Aids-Tag: Ärzte sprechen von großen Fortschritten

Die Krankheit sei nach wie vor nicht heilbar, sagt Dr. Markus Unnewehr, Chefarzt der Infektiologie an der St.-Barbara-Klinik. Dort befindet sich seit Mitte des Jahres eine Immunschwächeambulanz (ISA), die in der Region zentral für die Versorgung von Aids- und HIV-Patienten zuständig ist. Während die Medizin HIV und Aids in den 1980er Jahren weitgehend hilflos gegenüberstand, habe es seit den 1990er Jahren erhebliche Fortschritte gegeben. Mit immer besseren Medikamenten; 90 Prozent der Patienten lebten heute unbeeinträchtigt mit dem Virus. Das gelte auch für Sex und fürs Kinderkriegen.

Aids-Hilfe Hamm

Chemnitzer Straße 41 Telefon 5575 E-Mail info@aidshilfe-hamm.de www.aidshilfe-hamm.de

Problematisch, so Unnewehr, sei die lange Inkubationszeit: Wer sich infiziert habe, bemerke das mitunter erst nach Jahren. Behandlung und Prävention müssten deshalb Hand in Hand gehen. Bei der Aids-Hilfe bemerkt man seit geraumer Zeit, dass gerade Jüngere entweder überängstlich oder völlig sorglos an das Thema herangingen.

In Sachen Verhütung dächten viele nur an ungewollte Schwangerschaften, aber nicht an Aids. Deshalb sei man üblicherweise an Schulen unterwegs, um aufzuklären, sagt Aids-Hilfe-Mitarbeiter Claus-Martin Naechster. In Corona-Zeiten gehe das natürlich nicht; es blieben kleine Päckchen mit Kondomen und Info-Material als Notlösung.

Appell am Welt-Aids-Tag: Ein normales Leben mit dem Virus ist möglich

Moderne Medikamente ermöglichten den Betroffenen ein normales Leben, sagt Naechster. Sie verhinderten zudem Ansteckungen. Trotzdem würden HIV-Positive nach wie vor diskriminiert, sagt Aids-Hilfe-Mitarbeiter Martin Enders. Dabei könne sich grundsätzlich jeder mit dem Virus infizieren. Im Wartezimmer der Ambulanz, sagt Unnewehr, sehe es aus wie bei jedem Hausarzt.

Zahlen zum Welt-Aids-Tag: 73 Menschen in NRW 2019 gestorben

2019 starben in Nordrhein-Westfalen 73 Menschen an den Folgen der HIV-Krankheit; neun von zehn Verstorbenen (87,7 Prozent) waren Männer. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) als Statistisches Landesamt anlässlich des Welt-Aids-Tags mitteilt, war die Zahl der Aids-Toten um 8,8 Prozent niedriger als im Jahr 2018 (damals: 80 Personen) und um 41,1 Prozent niedriger als zehn Jahre zuvor (2009: 124 Personen). In Hamm starb laut IT.NRW im vergangenen Jahr niemand an den Folgen der HIV-Krankheit, im Jahr 2018 waren es drei Personen.

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) legt die Immunabwehr des Menschen lahm und führt zum „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (Aids), was so viel wie „Erworbenes Immunschwäche-Syndrom“ bedeutet. Bei Erkrankten nehmen Infektionen, gegen die ein gesunder Körper sich einfach wehren könnte, einen lebensbedrohlichen Verlauf; die Betroffenen sterben beispielsweise an bakteriellen oder Pilzinfektionen sowie an Tumoren. Als häufigste Übertragungswege des HI-Virus gelten Bluttransfusionen, Geschlechtsverkehr sowie Stiche durch Spritzennadeln.

Rubriklistenbild: © Reiner Mroß / Digitalfoto

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