Beispiel Lanfer

Bahnstreik: Güter-Stau sorgt in Hamm für Frust und Not

Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer trifft auch den Güterverkehr.
+
„Frustrierende Situation“ für Unternehmer: Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer trifft auch den Güterverkehr.

Der Streik bei der Deutschen Bahn bringt nicht nur viele Fahrgäste, sondern auch Unternehmen in Hamm in Nöte.

Hamm - Weil die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auch den Güterverkehr der Bahn-Tochter DB Cargo lahmlegt, stauen sich derzeit die Güterwagen. In der Branche befürchtet man, dass Unternehmen der Bahn dauerhaft den Rücken kehren könnten.

Einer der großen Bahnkunden in Hamm ist das Logistikunternehmen Lanfer, das in seinem Terminal am Hafen jüngst einen imposanten Kran zu Verladung von Containern vom Last- auf den Güterwagen in Betrieb genommen hatte. Geschäftsführer Michael Kirschner betont, dass die Firma trotz des Streiks an der Schiene festhalten werde. Er kennt aber auch Unternehmen, die jetzt wieder über mehr Lastwagenfahrten nachdenken.

Die Situation sei frustrierend, sagt Kirschner. Die Kapazitäten auf der Schiene stauten sich. Es treffe nicht nur die Spediteure, sondern auch die Industrie, weil Produktionsketten unterbrochen würden. Betroffen seien alle Waren, die per Bahn transportiert werden: Handelsgüter, Fertigkomponenten, Rohstoffe. Für den Endverbraucher werde das erst im Nachhinein spürbar sein. Aber letztlich werde der Streik die Preise für viele Produkte beeinflussen.

Bahnstreik trifft auch Hamm: Rückkehr auf die Straße?

Kirschner musste tagelang Lieferungen umdisponieren. Was gar nicht so einfach ist, weil auch Lastwagen als Alternative knapp sind. Und davon braucht man 50 bis 60, um einen Güterzug zu ersetzen. Und in der nach der Corona-Pause wieder einsetzenden Konjunktur seien die Lkw-Kapazitäten eigentlich auch schon ausgreizt.

Trotzdem, sagt Kirschner, gebe es Bahnkunden, die jetzt über eine vollständige Rückkehr zur Straßenlogistik nachdächten. Wer jetzt einen funktionierenden Ersatzverkehr mit Lastwagen auf die Beine stellen könne, kehre nicht zur Schiene zurück. Die Bahn sei vielen Unternehmen zu unsicher. Nicht nur wegen des Streiks: Auch Stellwerksprobleme und tagelange Streckensperrungen nach Unwettern brächten den Güterfahrplan immer wieder durcheinander.

Der Streik kommt aus Kirschners Sicht auch deshalb zur Unzeit, weil der Schienengüterverkehr zuletzt wieder im Aufwind zu sein schien und die Akzeptanz der Schiene in der Wirtschaft zugenommen hatte. Kunden hätten durchaus Mehrkosten für den Zug in Kauf genommen, sagt Kirschner. Jetzt herrsche vielfach Enttäuschung.

Bahnstreik trifft auch Hamm: Lanfer steht zur Schiene

Lanfer stehe zur Schiene, sagt Kirschner. Das Unternehmen gilt als Antreiber für die Reaktivierung des Hammer Rangierbahnhofs, beteiligt sich auch finanziell an der Entwicklungsagentur. Man müsse überlegen, wie man mit solchen Situationen künftig umgehe, sagt Kirschner. Die DB Cargo ist für Lanfer größter Auftragnehmer und vielfacher Projektpartner. Während beim Staatsbetrieb derzeit kaum etwas geht, fahren die privaten Mitbewerber derzeit vom Streik unbeeinträchtigt.

Ein paar Kilometer stadteinwärts sieht Katja Pampus, Geschäftsführerin der Westfälischen Drahtindustrie (WDI) den Streik eher gelassen. Das Hammer Traditionsunternehmen nutzt die Bahn, weicht in diesem Fall aber auf Lastwagen aus. Bei angekündigten Aktionen sei das machbar, sagt Pampus. Probleme habe man eher mit unangekündigten Ausfällen durch Streckensperrungen oder Stellwerksausfälle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare