Corona-Pandemie

Bahnhofsmission Hamm darf nicht so helfen wie sie gerne möchte

Mitarbeiter der Bahnhofsmission Hamm bieten Kaffee und Tee an.
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Auf einen Kaffee oder Tee sind Reisende und Bedürftige vor der Hütte der Bahnhofsmission noch willkommen – dafür sorgen unter anderen (von links) Wolfgang Musmann, Christoph Straub, Dr. Klaus Grafen und Alexandra Lambert.

Hamm – Die Helfer dürfen nicht helfen – zumindest nicht so, wie sie es gerne tun würden: Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind den Ehrenamtlern der Bahnhofsmission weitgehend die Hände gebunden. Und dennoch gibt es noch einige Aktivitäten.

Wegen des Lockdowns eingestellt ist das Angebot „Kids on tour“, bei dem eigentlich alleinreisende Minderjährige betreut werden – beispielsweise, wenn sie bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen und den anderen besuchen oder zu Oma und Opa reisen wollen. „Der Mindest-Abstand ist da einfach nicht einzuhalten, sagt Christoph Straub, der als Fachbereichleiter „Selbstbestimmtes Leben“ bei der Diakonie Ruhr-Hellweg auch für die Hammer Bahnhofsmission zuständig ist.

Das ist überhaupt das größte Problem: den Mindestabstand bei der Betreuung von Kunden einzuhalten. Denn die räumlichen Verhältnisse in der Bahnhofsmission am Ende des Bahnsteigs von Gleis 3 / 4 sind einfach zu beengt, um sich um Menschen zu kümmern, wie es eigentlich üblich ist. „Es tut uns unendlich leid, den Menschen das begreiflich machen zu müssen“, sagt der ehrenamtliche Helfer Wolfgang Musmann.

Körperliche Nähe geht zurzeit nicht

So wie er und Dr. Klaus Grafen, der am selben Morgen Dienst hat, helfen weitere Ehrenamtler normalerweise Reisenden, die körperliche Gebrechen oder eine Sehbehinderung haben, beim Umsteigen von einem in den anderen Zug. Selbst mit Schutzmasken und Einweghandschuhen ist das zurzeit nicht möglich, weil es ohne körperliche Nähe nicht geht. Das gilt auch für Hilfestellungen bei Rollstuhlfahrern. Weil die zu betreuende Klientel in der Regel zur Risikogruppe gehört, ist Christoph Straub das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 einfach zu groß – sowohl, was die Kunden betrifft als auch die Mitarbeiter: Es könne nicht sein, dass die Arbeit eingestellt werden müsste, wenn die Mitarbeiter wegen einer Infektion allein in ihrem Umfeld in Quarantäne müssten.

„Es ist ein enormer Spagat zwischen dem Anspruch an unsere Arbeit und dem Schutz von Klienten und Mitarbeitern“, sagt Straub. Denn Kontakte – mit erforderlichem Abstand – gibt es auch in Zeiten des Lockdowns: Kaffee und Tee beispielsweise werden nach wie vor verteilt, allerdings wegen der Enge in der Hütte der Bahnhofsmission, sondern durchs Fenster nach draußen auf den Bahnsteig. Und auch Beratungsgespräche finden draußen unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen statt, beispielsweise bei Problemen mit Ämtern oder zur Abhilfe bei sozialen Schieflagen. Eingestellt werden musste dagegen der Service, in der Hütte Wäsche zu waschen.

Auch Schlafutensilien werden ausgegeben

„Wir geben aber weiterhin Anziehsachen sowie Schlafutensilien wie Decken und Kissen heraus“, sagt Alexandra Lambert, Ehrenamtlichen-Koordinatorin bei der Diakonie. Sie werden aus Spendengeldern angeschafft. Woran es mangelt, seien weitere ehrenamtliche Helfer. Denn Arbeit gebe es trotz des Lockdowns genug – obwohl Grafen und Musmann immer noch überrascht davon sind, wie leer der Hauptbahnhof gegenüber „normalen“ Zeiten ist: „Da merkt man doch, dass die Menschen weniger reisen.“ Sie sind gespannt darauf, wie das zu Weihnachten sein wird, denn an Feiertagen reisen die Menschen erfahrungsgemäß mehr als sonst.

Kontakt: Die Bahnhofsmission am Ende von Gleis 3 / 4 im Hammer Hauptbahnhof ist in der Regel montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr sowie feiertags von 13 bis 18 Uhr besetzt. Telefonisch ist sie erreichbar unter 0151/14618874 – auch für Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

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