Waspo Herringen

Badewanne statt Schwimmbad: So geht Schwimmen lernen in Corona-Zeiten in Hamm

Schwimmausbildung des Waspo Herringen in der Lagune
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Schwimmausbildung in Corona-Zeiten: Auch der Waspo Herringen und Vanessa Wollny mussten zuletzt improvisieren.

Die Lehrschwimmbecken in Hamm bleiben weiter dicht. Durch den anstehenden Lockdown schließen auch die Hallenbäder und das Maximare. Doch was ist mit der so wichtigen Schwimmausbildung für Kinder? Der WA hat beim Waspo Herringen nachgefragt.

Herringen – Sogenanntes „Homeschooling“ oder auch „Distanzlernen“ hat während der Corona-Pandemie einen echten Bekanntheitsschub erlebt: Aber was ist mit praktischen Fähigkeiten, die grundsätzlich nicht am Bildschirm erlernt werden können – so wie Schwimmen? Ganz und gar musste der Schwimmunterricht in Hamm in den vergangenen Wochen nicht ausfallen. Beim Waspo Herringen zum Beispiel liefen schon seit einiger Zeit wieder Kurse für Erwachsene und Kinder – auch, wenn es unter den gegebenen Bedingungen nicht immer einfach war. In der kommenden Woche werden die Bäder nun erneut geschlossen.

Deutlich weniger Teilnehmer

„Normalerweise können wir 30 bis 40 Kursteilnehmer gleichzeitig betreuen, sofern wir sie auf vier Bahnen verteilen – zuletzt waren es aufgrund der geltenden Abstandsvorgaben gerade mal acht bis 15“, sagt Vereinsvorsitzende Vanessa Wollny. Und auch die Regeln abseits des Beckens seien so streng wie nie zuvor gewesen: Bis zur Umkleide galt eine Maskenpflicht, geduscht wurde hinterher zu Hause. „Die Kapazitäten sind dafür momentan einfach nicht da“, erklärt Wollny. Hinzu kam eine Kontaktliste für jede einzelne Stunde – und einfach mitmachen sei grundsätzlich nicht drin. Wollny: „Alle mussten sich im Vorfeld über unseren ,Kursbuddy’ online anmelden, damit es am Ende nicht doch zu viele werden.“

Das zu beachten, sei für die Schwimmtrainer mindestens genauso anstrengend gewesen wie für die Teilnehmer, gibt Vanessa Wollny zu. Trotzdem wisse sie genau, wofür sie diese Mühe auch nach dem Lockdown wieder auf sich nehme. „Jeder kennt das Gefühl, nach den Sommerferien wieder im Klassenraum zu sitzen und scheinbar den kompletten Stoff vergessen zu haben. Beim Schwimmen ist es dasselbe: Die Kinder waren teils sehr unsicher, als sie nach mehreren Monaten Pause zum ersten Mal wieder ins Becken gestiegen sind“, erzählt sie. Dabei sei es unglaublich wichtig, sich im Ernstfall sicher über Wasser halten zu können. „Zum Glück sind alle schnell wieder reingekommen und waren total begeistert, endlich wieder schwimmen zu dürfen – das hat mich wirklich gefreut.“

Training in der „Lagune“

Schon Mitte Juni habe der Waspo sein Kursangebot langsam wieder hochgefahren, die ersten Anfänger seien allerdings erst wieder im September gestartet. Trainiert wurde zuletzt mindestens einmal wöchentlich in der „Lagune“ in Herringen.

Das Problem dabei, wenn Kinder monatelang nicht ins Wasser gehen: Laut einer Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) von 2019 können sowieso schon immer weniger von ihnen sicher schwimmen. Nur noch 40 Prozent aller Kinder erreichen derzeit bis zum Abschluss der vierten Klasse das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Ende der 1980er-Jahre waren es noch mehr als 90 Prozent. „Das hat ganz viel damit zu tun, wie die Eltern drauf sind: Können sie selber schwimmen? Gehen sie oft mit ihren Kindern ins Schwimmbad?“, erläutert Wollny. Die aktuelle Situation könne diese Situation nun torpedieren.

Sie erlebe die Situation allerdings als nicht ganz so dramatisch. „Wir haben immer mal wieder Kinder dabei, die mit sieben Jahren noch nicht schwimmen können, das hat schon ein wenig zugenommen“, räumt Wollny ein. Dennoch: „Es gibt auch genügend übereifrige Eltern, die ihre Zweijährigen zu uns schicken wollen, damit sie das Seepferdchen machen.“ Aktiv werben müsse sie also kaum – es gebe jetzt schon eine Warteliste. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Je schwieriger es wird, diese Anfragen zu befriedigen, desto länger wird diese Warteliste anwachsen.

Ans Wasser gewöhnen

Eltern, die ihre Kinder frühzeitig ans Wasser gewöhnen wollen, empfiehlt die DLRG in der aktuellen Corona-Lage, einfach schon zu Hause in der Badewanne oder der Dusche anzufangen. Zum Beispiel solle man darauf achten, dass den Kleinen beim Duschen immer auch Wasser über Kopf und Gesicht läuft – damit sie lernen, Wasserspritzer (auch in den Augen) zuzulassen. Kleine Eimer, Schüsseln oder Gießkannen machten das Ganze spielerischer. Weitere Übungen und Tipps zur Wassergewöhnung gibt die DLRG auf ihrer Website.

Schnupperangebote gebe es beim Waspo derzeit nicht, sagt Wollny. „Ich hoffe aber, dass sich die Situation bald etwas entspannt und das wieder möglich wird.“

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