Selbst aus der Quelle kommt kein Wasser mehr

Geinegge komplett ausgetrocknet - Welche Schuld trägt die Stadt?

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Die Geinegge ist auf langen Strecken trockengefallen.

Bockum-Hövel – Große Hitze und kaum Niederschlag. Wie im vergangenen Jahr ist die Geinegge wieder trockengefallen. Schon aus der Quelle kommt kein Tropfen mehr.

Auch die kleineren Regenfälle, die zwischendurch immer wieder herunterkamen, haben nichts an dieser Situation geändert. Aus Sicht der Stadt bedeutet das jedoch keine größere Gefahr für den Lebensraum.

Schon vor der ersten Hitzewelle dieses Jahres führte der Bach an einigen Stellen kein Wasser mehr. Inzwischen ist streckenweise auf mehreren hundert Metern entlang der Römerstraße der blanke Boden zu sehen. Hinter einigen Dämmen gibt es noch Stellen, an denen das Wasser steht und wo Wasserlebewesen noch Rückzugsräume finden. Sogar gelbe Teichrosen blühen dort.

Wie viel Regen vom Himmel fallen muss, bis Quelle und Bach wieder dauerhaft Wasser führen, lässt sich nicht genau sagen. „Auf jeden Fall würde ein lang anhaltender Landregen helfen“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg.

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Vorwürfe aus Richtung Gewerbehof

Aus Sicht Georg Schroeters, dem Inhaber des Gewerbehofes Hövel, trägt auch die Stadt Hamm eine Mitschuld am Austrocknen der Geinegge. Denn nahezu alle Betriebe mit ihren großen Dachflächen entlang der Geinegge müssten das Regenwasser zwangsweise in die Kanalisation ableiten.

Wenigstens am Unterlauf würde es helfen, wenn dieses Wasser im Bach landete. Grund für das Einleiten in den Mischwasserkanal sei die Annahme, dass Regenwasser von Gewerbebetrieben grundsätzlich als verschmutzt gelte.

Aus der Geinegge-Quelle kommt kein Wasser mehr.

Scharfe Kritik an Verhalten der Stadt

Die Verwaltung bestätigt das auf Nachfrage und teilt mit, dass es entsprechender Vorkehrungen bedürfe. Nach entsprechender Rückhaltung und Reinigung, die bei Gewerbebetrieben erforderlich sei, könne das Regenwasser aber auch in die Geinegge geleitet werden. Das stehe jedem Betrieb frei und werde zuvor geprüft.

Entlang der Geinegge gebe es vereinzelt Betriebe mit entsprechender Rückhaltung und Behandlung, teilt die Verwaltung mit. Zudem gelte natürlich auch am Unterlauf der Geinegge: „Wenn es nicht regnet, wird auch nichts abgeleitet“, so Herberg.

Schroeter kritisiert das Verhalten in Hamm scharf. Hier werde die „Klimakatastrophe“ ausgerufen, doch die wasserrechtlichen Umweltversäumnisse vor der eigenen Haustür würden nicht beachtet. Er fordert: „Sorgen wir doch zunächst dafür, dass das Regenwasser wieder in den Bach Geinegge gelangen kann.“

Fast alle Fließgewässer betroffen

Derweil geht die Verwaltung geht davon aus, dass die Trockenheit keinen großen Schaden im Ökosystem Geinegge anrichtet. Aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte sei davon auszugehen, dass eine Wiederbesiedlung nahezu umgehend stattfinden werde, heißt es auf WA-Anfrage.

Der fehlende Regen bereitet übrigen nicht nur in Bockum-Hövel Sorgen. Fast alle Hammer Fließgewässer seien derzeit zumindest abschnittsweise trockengefallen. Städtische Mitarbeiter seien gerade bei größeren Teichen oder Gewässern vor Ort und überprüften den ihren Zustand, so Herberg.

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