Phantomtest fällt positiv aus

Baby aus Hamm soll Corona haben - doch getestet wurde es nie

Eine Ärztin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hält in der Corona-Teststation für Urlaubsrückkehrer am Flughafen Dresden International eine Abstrich für einen Coronavirus-Test in den Händen.
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Nur die Eltern des Kleinkinds aus Hamm wurde in Bayern getestet - der positive Bescheid aber wurde dem Nachwuchs „zugeteilt“. (Symbolfoto).

Eigentlich sollte alles besser werden. Nach peinlichen Pannen bei Corona-Tests an der bayrischen Grenze hatten die Verantwortlichen dort Besserung gelobt. Trotzdem passieren offenbar weiter schwerwiegende Fehler. Betroffen davon ist jetzt auch eine Familie aus Hamm.

Hamm – Edin Bosnjak* war zusammen mit Frau Sonja* und der sechs Monate alten Tochter Mira* (*alle Namen geändert) zur Familie nach Bosnien gereist. Die hatte die kleine Mira seit der Geburt vor einem halben Jahr noch nicht kennenlernen können. „Wegen Corona wären wir sonst nicht gefahren, aber das wollten wir ihnen gerne ermöglichen“, erklärt Edin Bosnjak.

Als die junge Familie sich nach schönen Tagen bei der Verwandtschaft auf dem Balkon auf den Weg zurück nach Hamm machte, passierte sie am Freitag, 28. August, die Corona-Teststation auf der Raststätte Donautal-Ost bei Passau. „Wir sind extra abends losgefahren, um uns so früh am Morgen wie möglich testen zu lassen. Aber schon in der Nacht war der ganze Rasthof überlaufen“, schildert Bosnjak. „Da standen sicher 1000 Leute auf einem Fleck, die Verantwortlichen waren überfordert, es war chaotisch.“

Anfang August hatte die private Firma Eurofins die Teststation an der A3-Raststätte übernommen, nachdem es zuvor zu etlichen Pannen und Verzögerungen bei der Übermittlung der Ergebnisse durch die bayrischen Behörden kam. Zwischenzeitlich warteten 44.000 Urlaubsrückkehrer aus ganz Deutschland auf ihre Ergebnisse – darunter 900 positiv Getestete.

Phantomtest in Hamm positiv: Nur die Eltern getestet

Die Bosnjaks bekamen um 2.52 Uhr endlich für jedes Familienmitglied einen QR-Code ausgehändigt, mit dem sie sich bei der Proben-Entnahme melden sollten. Dort wurden allerdings nur die Eltern getestet. „Unsere Tochter sei noch zu klein, um abgestrichen zu werden, wurde uns da mitgeteilt“, erklärt Edin Bosnjak.

Wohl um die schon an die kleine Mira vergebene Nummer nicht wieder aus dem System löschen zu müssen, wurde das entsprechende Etikett auf ein leeres Proben-Röhrchen geklebt. „Da komme dann ja eh ein negatives Ergebnis raus, hat man uns gesagt. Alles unproblematisch“, wiederholt Bosnjak die Worte, die im bayrischen Testzelt gefallen sind. Nun allerdings traf das Resultat des kleinen Mädchens beim Hammer Gesundheitsamt ein – und war positiv.

Phantomtest in Hamm positiv: Ergebnis schwarz auf weiß

Als Edin Bosnjak davon erfuhr, verstand er die Welt nicht mehr. „Ich dachte, wir leben hier in Deutschland und nicht in irgendeinem Entwicklungsland in Afrika. Wie kann so etwas denn passieren?“, fragt er. Offenbar ist der Test im Labor vertauscht, das Ergebnis falsch eingetragen worden.

Die Bosnjaks wurden von der Stadt jedenfalls prompt unter Quarantäne gestellt. Sicher ist sicher, hieß es dazu aus dem Rathaus. Schließlich liege das Ergebnis ja schwarz auf weiß vor. Nach unzähligen Telefonaten wurden schließlich alle drei am Dienstagnachmittag am Corona-Mobil noch einmal getestet. Die Ergebnisse sollen zeitnah vorliegen. Sollten die allesamt eindeutig negativ ausfallen, könne die Familie schnell wieder aus der Isolation geholt werden, erklärte Stadtsprecher Lukas Huster. Unterdessen seien bereits Versuche unternommen worden, mit den Behörden in Bayern Kontakt aufzunehmen. „Telefonisch kamen wir da bisher nicht durch und auch auf unsere Mails wurde nicht reagiert“, so Huster.

Phantomtest in Hamm positiv: Überforderung in Bayern

Der Fall der Bosnjaks wirft erneut ein Schlaglicht auf die Zustände an der bayrischen Grenze und macht deutlich, dass viele Behörden, Labore und andere Einrichtungen wegen der Hunderttausenden Tests überfordert sind, die es seit Monaten auszuwerten gilt. Viele Kräfte dürften angesichts Hunderter Überstunden auf dem Zahnfleisch gehen.

Auch die Hammer Corona-Manager sind davon übrigens nicht ausgenommen. Erst am Dienstag musste die Stadt eine Meldung von Montag korrigieren. Eine über 80 Jahre alte Frau war als Corona-Tote registriert worden, obwohl sie das Virus gar nicht in sich trug. Die Begründung: ein Übermittlungsfehler.

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