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B63n: Nachfrage der Bürger nach Infos riesig - Verkehrsgutachten vorgestellt

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Von: Stefan Gehre, Cedric Sporkert

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Zeit für Anmerkungen: Rund um eine riesige Karte des geplanten B63n-Verlaufs diskutierten am Montag viele Bürger aus Hamm und Bönen.
Zeit für Anmerkungen: Rund um eine riesige Karte des geplanten B63n-Verlaufs diskutierten am Montag viele Bürger aus Hamm und Bönen. © Robert Szkudlarek

Viele Autos, (noch) wenig Straße: In den kommenden Jahrzehnten werden die Verkehre – darunter auch Schwerlastfahrten – im südlichen und vor allem dem westlichen Teil Hamms massiv zunehmen. Die Entlastung bringen sollen mehrere neue Straßen.

Hamm/Bönen - 15 neue Wohn- und Gewerbeflächen sollen in der näheren Umgebung allein bis 2030 entstehen. Das Creativ-Revier auf der ehemaligen Zeche Heinrich Robert und der geplante Multi Hub Westfalen auf dem Rangierbahnhof sorgen für zusätzliche Pkw und Lkw auf den Straßen. „Das alles führt dazu, dass die Verkehrsbelastung weiter ansteigen wird. Unsere Kernaufgabe ist es, Entlastungswirkungen zu diskutieren“, erklärte deshalb Stadtbaurat Andreas Mentz.

Entlastung über mehrere große Straßenprojekte

Entlastung bringen soll vor allem die viel diskutierte B63n sowie weitere große Infrastruktur- und Straßenbauprojekte wie die K35 zwischen Daberg und Rangierbahnhof, die K13n in Wiescherhöfen, die A445-Erweiterung ganz im Süden der Stadt bis zur A2 in Rhynern sowie der sechsspurige Ausbau der A1 entlang der westlichen Hammer Stadtgrenze.

All diese Projekte befinden sich in langwierigen Planungsverfahren – teils in sehr frühem Stadium. Mit Blick auf die B63n, über die frühestens 2039 Autos rollen sollen, wurde nun während eines Infomarktes in der Bürgerhalle Pelkum erstmals ein Verkehrsgutachten vorgestellt.

Über 17.100 Fahrzeuge pro Tag auf B63n geplant

Sollte die Straße entlang der Bahntrasse zwischen Bönen und der Hafenstraße in der Hammer Innenstadt tatsächlich gebaut werden, soll Wiescherhöfen um 3.250 Fahrzeuge auf 12.000 Kfz pro Tag entlastet werden. Pelkum um 4.800 auf 12.300 und Daberg um 4.650 Fahrzeuge auf 13.000 pro Tag. Stattliche Zahlen. Auch durch Berge und Rhynern sollen allein durch die B63n dann immerhin 1.350 Autos und Lkw weniger rollen (dann noch 22.200). Die neue Straße zieht den Berechnungen zufolge insgesamt rund 17.100 Fahrzeuge aus dem restlichen Straßennetz ab. 2.000 davon sollen Schwerverkehr sein.

Über die neuen Verkehrswege könne es gelingen, Verkehre aus den Siedlungsbereichen herauszuziehen, betonte Mentz. Der frei gewordene Raum könne dann für eine lebenswertere Gestaltung des Wohnumfeldes genutzt werden. „Das sind die Gewinne, die am Ende stehen.“

Große Auswirkungen auf Lebensumfeld der Anwohner

Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg. Auch die Zubringer und Verbindungen der einzelnen Straßen über Kreuzungen und Brücken werden das Landschaftsbild wesentlich verändern. „Ein wesentlicher Teil Ihres Wohn- und Lebensumfeldes wird neu gestaltet. Das wird Auswirkungen auf das haben, was in den betroffenen Orten ansonsten noch passieren wird“, erklärte Oberbürgermeister Marc Herter.

Deshalb sei die Beteiligung der Anwohner wichtig. Sie seien aufgerufen sich zu beteiligen. Das taten sie bei beim Infomarkt bereits intensiv.

200 Bürger und mindestens so viele Fragen

Es waren vor allem Fragen nach dem Lärmschutz entlang der geplanten B63n/K35n und einem möglichen zweiten Autobahnanschluss im Inlogparc, die mehrmals aufkamen. Unter den rund 200 Interessierten waren auch mindestens 50 aus der Nachbargemeinde Bönen, die ihre Sorgen zum Ausdruck brachten, dass ihre Belange nicht entsprechend berücksichtigt werden. „Wir werden Bönen mitnehmen“, versprach Hamms Stadtplaner Andreas Mentz und betonte, dass man sich erst an einem sehr frühen Zeitpunkt der Planungen befände. Vor 2039 werde der Verkehr nicht über die B63n fließen.

Eine Diskussion im Plenum war an diesem Abend nicht vorgesehen und hätte vermutlich auch den Rahmen gesprengt. Sie wurde, als sie aufzukommen drohte, von Moderatorin Dr. Antje Globe abgebrochen. Stattdessen hatten die Besucher die Möglichkeit, sich an den Thementischen „Multi Hub Westfalen“, „Umwelt“, „Verkehrsgutachten“ und „Trassenverlauf“ zu äußern. Die Hinweise werden, wie Mentz sagte, an die Planer weitergegeben und könnten demnächst auf der Homepage eingesehen werden.

Faunistische Untersuchungen laufen aktuell

Momentan wird die Umweltverträglichkeitsstudie für den geplanten Trassenverlauf aktualisiert. Dazu gehören auch die faunistischen Untersuchungen, die noch bis zum Herbst laufen. Hinweise kamen am Montag auf im Untersuchungsraum lebende Vogelarten wie Storch, Kranich und Rotmilan. Man werde alle Hinweise prüfen, so Dr. Eva Huth.

Rangierbahnhof-Projekt als Treiber für B63n

Der Rangierbahnhof soll zu einem multimodalen Bahnlogistikknoten mit innovativer Verladetechnik ausgebaut und zum Vorzeigeprojekt für klimafreundlichen Schienengüterverkehr in Europa werden. Erschlossen werden soll er zunächst über die K 35n zwischen der Kamener Straße und der Rathenaustraße und später über die B63n. Dazu habe es einen regen Austausch gegeben, sagte Marc Berendes, Leiter der Entwicklungsagentur für den Rangierbahnhof. Er kündigte an, dass man aufgrund des Interesses das Thema in einer eigenen Info-Veranstaltung näher beleuchten wolle.

Jörg Hensel von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft versuchte den Anwesenden die Sorgen vor einer erhöhten Lärmbelastung durch den „Multi Hub Westfalen“ zu nehmen. Man wolle das Geschehen in den mittleren Bereich des Rangierbahnhofs verlegen. Außerdem sollen lärmreduzierte Waggons zum Einsatz kommen.

Trassenverlauf interessiert viele Bürger

Am meisten los war an dem Tisch, der von Peter Gawien und Catrin Schultenkamp (beide Stadt Hamm) betreut wurde. Ausgelegt war dort der mögliche Trassenverlauf der B63n zwischen der Ortsgrenze Bönen/Hamm und der Hafenstraße mit seinen Anknüpfungspunkten an das bestehende Straßennetz. Und auch über die K35n südlich der Kupferstraße konnten sich die Bürger einen Überblick verschaffen. Sie soll etwa in Höhe des Waggonbauunternehmens Kiffe auf den Rangierbahnhof treffen. Westlich davon, zwischen den beiden Bahnlinien, ist der Anschluss der B63n an die Weetfelder Straße geplant.

Wie Gawien sagte, seien von den Bürgern viele Fragen zu den Querungs- und Überquerungsmöglichkeiten sowie zum Lärmschutz gestellt worden, unter anderem aus der Kupferstraße.

Herter: A2-Anschluss Bönen muss ertüchtigt werden

Hier kamen vor allem Hinweise aus Bönen. Mehrere Bürger verwiesen darauf, dass die Anschlussstelle der A2 – kurz davor soll die B63n enden – schon jetzt völlig überlastet sei. Um den gesamten Bereich zu entlasten, sollte ein zweiter A2-Anschluss in Höhe des Inlogparcs gebaut werden, hieß es von verschiedenen Seiten.

Die Idee dafür ist nicht neu. Bereits vor einigen Jahren hatte der Bund einem solchen Anschluss – er liegt zu nah an den vorhandenen Anschlussstellen Bönen und Rhynern – eine Absage erteilt. Hinzu kommt, dass angesichts vieler maroder Autobahnbrücken und dem dadurch bedingten Sanierungsstau aktuell kaum Geld für derartige Projekte vorhanden sein dürfte.
Zumindest die vorhandene Anschlussstelle in Bönen werde man aber beim Bau der B63n ertüchtigen müssen, wie OB Herter sagte.

Zur Situation in Bönen fehlen belastbare Zahlen

Noch keine konkreten Zahlen liegen dazu vor, wie sich die Situation in Bönen entwickelt. Verkehrliche Themen hätten sich zunächst auf Hamm beschränkt. Mentz: „Das war unser Auftrag.“

Hinsichtlich des Übergangs der B63n ins bestehende Netz – hier der Anschluss an die A2 – wurde mittlerweile aber die Zusammenarbeit zwischen Straßen.NRW, Bönen und Hamm aufgenommen und die Antragstellung an die Autobahn GmbH vorbereitet.

Kosten? Betrag jenseits der 100 Millionen Euro wahrscheinlich

Eine Frage, die von den Bürgern mehrfach gestellt wurde, war die nach den Kosten. Eine Antwort darauf hatte jedoch keiner der Anwesenden parat, was angesichts des Realisierungszeitraums bis 2039 nachvollziehbar ist. Den einzigen Hinweis gibt es im Bundesverkehrswegeplan, in dem die gut neun Kilometer lange Straße einen vordringlichen Bedarf hat.

Dort ist – Stand 2014 – von rund 60 Millionen Euro reinen Baukosten die Rede. Gestiegene Baukosten und die technische Herausforderung, die B63n an den beiden Knotenpunkte im Norden (Hafenstraße/Münsterstraße) und Süden (Autobahn 2) ins bestehende Netz zu integrieren, dürften die Kosten aber deutlich steigen lassen. Ein Betrag jenseits der 100 Millionen Euro gilt mittlerweile als wahrscheinlich.

Infos und Kontakt

Auf der Homepage b63n.de sind alle Infos zu dem Straßenbauprojekt zusammengefasst. Anregungen und Hinweise können per Mail an b63n@stadt.hamm.de geschickt werden.

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