Interview

„Müssen mehr investieren“: Axel Püttner tritt erstmals als SPD-Spitzenkandidat an

Der Kandidat der Sozialdemokraten: Axel Püttner, hier vor dem Amtshaus, bewirbt sich als Spitzenkandidat der SPD um das Amt des Bezirksvorstehers.
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Der Kandidat der Sozialdemokraten: Axel Püttner, hier vor dem Amtshaus, bewirbt sich als Spitzenkandidat der SPD um das Amt des Bezirksvorstehers.

Die Fußstapfen sind groß, in die er treten möchte: Axel Püttner, Spitzenkandidat der SPD bei der Kommunalwahl am 13.September, möchte Nachfolger von Pelkums Bezirksvorsteher Udo Schulte werden.

Pelkum – Knapp zwei Wochen vor der Wahl stellte sich der 44-Jährige den Fragen von WA-Redakteur Stefan Gehre.

Was hat Sie bewogen, zum ersten Mal als Spitzenkandidat Ihrer Partei anzutreten?

Ich engagiere mich seit meiner Jugend im Stadtbezirk. Udo Schulte hat mir früh gezeigt, dass man als Bezirksvorsteher für die Menschen vor Ort viel erreichen kann. Wir haben bereits viel gemeinsam erreicht, aber ich will mich noch stärker für die Menschen und den Bezirk einsetzen. Wir leben in einer Zeit, in der der Wandel ein stetiger Prozess ist. Mit dem Ende des Steinkohlebergbaus haben wir viele gute Arbeitsplätze verloren. Mit dem CreativRevier steuern wir dagegen.

Die beschleunigte Digitalisierung fordert uns ebenfalls viel ab. Da dürfen wir zum Beispiel in den Schulen oder bei der Infrastruktur nicht den Anschluss verlieren. Als Familienmensch ist es mir wichtig, dass unsere Kinder eine gute Perspektive bekommen. Da sehe ich für mich auch die Verantwortung, die Umwelt und das Klima zu schützen. Ich will gemeinsam mit meinem Team dafür sorgen, dass wir den Wandel sicher und gut bewältigen.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Helmut Schmidt, weil er gradlinig und schnörkellos immer dafür gekämpft hat, dass sich das Leben für die Menschen im Land verbessert. Er war ein Macher, das zeigt sein Krisenmanagement bei der Sturmflut im Winter 1962 in Hamburg.

Das Ziel ist klar: Sie möchten Udo Schulte beerben. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die SPD die Wahl gewinnt? Viel Rückenwind aus Berlin und Düsseldorf gibt es für Ihre Partei aktuell ja nicht...

Die Bundespolitik steht nicht zur Wahl. Hier geht es darum, wer sich vor der eigenen Haustür um Stadtbezirk und Stadt kümmert. Mein Team und ich sind in vielen Vereinen und Gruppen verwurzelt. Aus den Anregungen haben wir einen „20 Punkteplan“ erarbeitet – ganz konkret und vor Ort. Das ist mir wichtig. Ich bin zuversichtlich, weil mein Team stark ist und die scheidende Fraktion in der letzten Periode viel erreicht hat.

Was kann/darf ein Bezirksbürgermeister gestalten?

Alles, der Bezirksbürgermeister hat immer ein gewichtiges Wort! Den Rahmen gibt natürlich die Gemeindeordnung vor. Durch Änderungen an der Hauptsatzung und der Zuständigkeitsordnung hat der aktuelle Oberbürgermeister die Bezirke beschnitten. Wir wollen die Bezirke wieder zu ihrer alten „Stärke“ verhelfen. Da bin ich mir auch sicher, dass Marc Herter diesen Weg beschreitet.

Was schätzen Sie an Ihrem wohl größten Konkurrenten Anton Harling?

Den kollegialen Umgang.

Wie beurteilen Sie die abgelaufene Legislaturperiode?

Für unsere Fraktion war sie sehr erfolgreich. Denken wir einmal an die Entwicklung von Heinrich Robert. Mit dem CreativRevier sind wir auf einem guten Weg. Mit der Ansiedlung von einem „Netto-Markt“ und der dazugehörigen Bebauung haben wir einen starken Impuls in der Selmigerheide gesetzt. Dazu zählt auch die Einrichtung der Begegnungsstätte der Awo, damit alle Vereine ein Dach über dem Kopf haben. Wir haben in die Schulen, zum Beispiel in die Geistschule und das Märkische Gymnasium, investiert.

Zum Ende der Wahlperiode ist es uns gelungen, erstmalig Kork auf dem Kunstrasenplatz beim TuS Wiescherhöfen einzusetzen. Das Freibad im Selbachpark ist mit dem neuen Bereich für Kleinkinder deutlich aufgewertet und der Standort gesichert. Über die ganze Zeit haben wir immer ein offenes Ohr gehabt und uns um die Anliegen der Bürger gekümmert – mal um einen Heckenschnitt am Spielplatz, Schlaglöcher schließen oder den Eichenprozessionsspinner entfernen lassen. Da käme einiges zusammen.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele für die kommende Legislaturperiode?

1. Wir werden für mehr Betreuungskapazitäten an den Schulen sorgen. Die hohe Nachfrage an Kita-Plätzen zeigt, dass der Bedarf steigt. Zur Lebensrealität der Familien gehört, dass beide Elternteile häufig berufstätig sind und die Ganztagsformen benötigen, um ihren Alltag zu meistern. Für Alleinerziehende ist es noch schwieriger, Kind und Job zu vereinbaren.

2. Wir möchten den kommunalen Ordnungsdienst mit festem Personal direkt im Stadtbezirk stationieren. Das wird für mehr Sicherheit und Ordnung im Bezirk sorgen.

3. Der Verkehr spielt auch eine große Rolle. Es geht um den Bahnknoten Selmigerheide, wo wir die Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge und einen Bahnhaltepunkt fordern. Wir haben konkrete Forderungen für bessere Radwege und fordern zum Beispiel Tempo 30 für die Weetfelder Straße zwischen der Wiescherhöfener Straße und der Wilhelm-Lange-Straße. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch den Ausbau der Ringbuslinie und einen besseren Takt der Buslinien. Unser Plan umfasst 20 Punkte, die uns alle wichtig sind.

Lassen sich die einzelnen Punkte der Wahlprogramme angesichts der finanziellen Folgen der Corona-Pandemie überhaupt abarbeiten?

Aus einer Krise spart man sich nicht heraus. Die Krise zeigt, dass wir mehr investieren müssen, in Gesundheit, in Bildung und Digitalisierung. Außerdem sind die Quartiere heute mehr als Arbeitsstätte und Wohnort. Wir müssen attraktiv sein, damit wir im Wettbewerb mit anderen Bezirken und Nachbargemeinden erfolgreich sind. Dazu müssen wir investieren.

Wie hat Hamm, wie hat Pelkum Ihrer Meinung nach bislang die Corona-Pandemie gemeistert?

Bisher haben wir das gut gemacht und hatten zum Glück wenige Infektionen. Ich hoffe, dass wir weiterhin einen kühlen Kopf behalten und gesund aus dieser Zeit herausgehen. Es ist aber zu befürchten, dass die wirtschaftlichen Folgen nicht an uns vorbeigehen. Ich habe in meinem Bekanntenkreis verschiedene Selbstständige und Unternehmer. Ihr Tenor ist, dass wir sehr vorsichtig sein müssen, weil ein zweiter Lockdown existenziell bedrohlich wird. Gesellschaftlich trifft es unsere Gemeinschaften und Vereine hart. Die lange Pause und der Start unter Einschränkungen zeigen, dass bisher nicht alle zurück sind.

Dies kann eine große Vorsicht zum Grund haben, aber auch möglicherweise eine Umorientierung. Besonders schwer ist es im Bereich der Nachwuchsarbeit, wie zum Beispiel der Jugendfeuerwehr. Einige Vereine leiden auch finanziell, wie beispielsweise Reitvereine, die ihre Schulpferde weiter versorgten, ohne entsprechende Einnahmen zu bekommen.

Besonders am Herzen liegt mir der Betrieb der Bildungseinrichtungen. Hier sehe ich zwei Aspekte im Vordergrund. Der erste ist, dass wir im Home-Schooling nie so gut sein können, wie in den Schulen. Und eine gute Schulausbildung ist der Garant für echte Chancen im Leben. Der zweite Aspekt ist der, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darauf fußt.

Ein Thema, das jeden angeht, ist die Gesundheitsversorgung. In Pelkum sieht es schon jetzt düster aus. Bei der Versorgung mit Allgemeinmedizinern liegt Pelkum an letzter Stelle in Hamm, Fachärzte gibt es kaum. Was können Sie, was kann Politik tun, damit sich die Situation verbessert? Haben Sie überhaupt Einflussmöglichkeiten?

Natürlich können wir da Einfluss nehmen! Wir haben dazu bereits unsere Strategie im Mai veröffentlicht. Wir machen uns für die Einrichtung medizinischer Hammer Versorgungszentren (HMVZ) stark. Das beinhaltet einmal ganz klassisch ein medizinisches Versorgungszentrum mit verschiedenen Fachrichtungen in kommunaler Hand. Hierbei spielt eine gute Erreichbarkeit für uns eine große Rolle. Wir denken das sehr umfassend und wollen die einzelnen „HMVZ“ auch miteinander einbinden.

Dazu gehört für uns die Gründung und der Aufbau einer Krebsberatungsstelle, die Stärkung der Pflege als „Sorgende Gemeinschaften“ inklusive besserer Bezahlung und besserer Arbeitsbedingungen. Das neue Programm für Sport, Fitness und Gesundbleiben heißt bei uns „Hamm Aktiv“. Und zuletzt zeigt die Pandemie sehr deutlich, dass wir das Gesundheitsamt stärken müssen. Ich bin sehr froh, dass wir unser Konzept früh veröffentlicht haben. Vermutlich werden andere auf diesen Zug aufspringen.

Aufgrund der Ergebnisse bei den Landtags- und den Europawahlen dürfte die AfD in die Bezirksvertretung einziehen. Glauben Sie, dass der Ton in den kommenden Jahren dort rauer wird, und wie will der Bezirksvorsteher, der von Amtes wegen neutral sein soll, mit dieser Partei umgehen?

Ich vertraue den Menschen im Stadtbezirk Pelkum, dass sie nicht auf rechten Populismus reinfallen.

Warum ist es so wichtig, dass die Bürger am 13.September zur Wahl gehen? Befürchten Sie angesichts der Corona-Pandemie Mobilisierungsprobleme?

Die Wahl ist wichtig, weil sie die Weichen vor der eigenen Haustür stellt! Sie bestimmt, welchen Weg Stadt und Bezirk nehmen sollen. Der Wahlkampf gestaltet sich anders als in den Vorjahren. Ich bin aber ganz optimistisch, dass wir unsere Wähler erreichen. Mit der Briefwahl steht jedem eine komfortable Möglichkeit offen.

Ergänzen Sie bitte folgende Sätze...

Pelkum ist liebens- und lebenswert, weil... wir Tradition und Zukunft können.

Pelkum braucht sich gegenüber dem Hammer Osten nicht zu verstecken, weil... das CreativRevier und die Entwicklungskonzepte in nächster Zukunft viel Schwung bringen werden.

Pelkum wird vom CreativRevier profitieren, weil... es 1000 Arbeitsplätze, Wohnraum, Nahversorgung, Kultur und Gastronomie bringt.

Die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund hat geklappt (oder nicht geklappt), weil... wir miteinander reden und nicht übereinander.

Zum Schluss noch ein Tipp: Wie wird die Sitzverteilung in der neuen Bezirksvertretung aussehen und wie hoch wird die Wahlbeteiligung sein?

Das wird der Wähler am 13.September entscheiden.

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