1.100 Mitarbeiter in Bockum-Hövel

Autos der Zukunft: Hella setzt auf Elektromobilität - Innovation aus Hamm

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Die Fertigung im Hella-Werk in Bockum-Hövel hat einen hohen Automatisierungsgrad. David Küpper erklärt eine Fertigungsstrecke.

Hamm - Die Automobilbranche steckt in einer Zeitenwende. Elektromobilität, autonomes Fahren, Digitalisierung: Die Branche muss sich massiven Veränderungen stellen. Mit den neuen Trends wandelt sich auch der Autozulieferer Hella.

Seit 120 Jahren steht das Unternehmen Hella mit seinem Stammsitz in Lippstadt vor allem für LED- und LCD-Scheinwerfertechnologie. Als Marktführer in diesem Segment hat Hella im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Inzwischen bekommt die Elektroniksparte des Unternehmens mehr Bedeutung. Der Umsatz liegt mittlerweile bei 2,4 Milliarden Euro. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis Elektronik das Licht beim Umsatz überholt. „Dieser Bereich wächst massiv“, sagt Unternehmenssprecher Dr. Markus Richter. Und davon profitiert auch das Hella-Werk in Bockum-Hövel. Denn an der Römerstraße werden ausschließlich Elektronik-Teile hergestellt. 1.100 Hella-Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Fertigung von Fahrerassistenzsystemen

Derzeit fertigen sie Fahrerassistenzsysteme, Funkschlüssel, das Steuergerät für die elektrische Lenkunterstützung und Energiemanagementsysteme. Diesen Systemen messen die Verantwortlichen bei Hella nun ein enormes Wachstum zu. Vor allem auch, weil die Grenzwerte zur Einhaltung der Klimaziele einen neuen Blick auf unterschiedliche Antriebsarten notwendig machen. Hella hat diesen Trend erkannt und sich entsprechend früh positioniert. 

Der Bereich Energiemanagement wächst

„Die Elektrifizierung von Fahrzeugen gewinnt weiter an Fahrt“, sagte jüngst Dr. Rolf Breidenbach, Vorsitzender der Hella-Geschäftsführung. Der Bereich Energiemanagement gehört bei Hella zu den am stärksten wachsenden Geschäftsfeldern: „Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir den Umsatz verdreifachen“, sagte Breidenbach gegenüber Investoren und Analysten. Herzstück dieser Entwicklung soll vor allem die Wandlertechnologie sein. Björn Twiehaus, Mitglied der Geschäftsleitung des Geschäftsbereichs Elektronik bei Hella, verantwortet diesen Bereich. Er ist bereits als junger Ingenieur zum Unternehmen Hella gekommen und hat sich früh mit Themen wie intelligente Batteriesensoren beschäftigt. 

Thomas Hengesbach (links) leitet das Werk in Bockum-Hövel, Björn Twiehaus ist Mitglied der Geschäftsleitung des Geschäftsbereichs Elektronik bei Hella.

Dass Elektromobilität die Zukunft ist, glaubt Twiehaus. Nicht aber, dass in den nächsten Jahren der Markt von vollelektrischen Fahrzeugen durchdrungen wird. „Das hängt von zu vielen Faktoren ab, vor allem vom Ausbau der benötigten Infrastruktur und der Kundenakzeptanz.“ Auch der Preis werde dabei eine große Rolle spielen. Gleichwohl: Gesetzlich vorgeschriebene Klimaziele und ein sich wandelndes Bewusstsein der Autokäufer werden den Markt boomen lassen. 

48V-Mild-Hybrid-Technik als Übergangstechnologie

Hella setzt – wie viele Autobauer – auf eine Übergangstechnologie. Als Übergangstechnologie bezeichnen Experten die 48V-Mild-Hybrid-Technik. Sie gehen davon aus, dass in zehn Jahren weltweit 35 Millionen Fahrzeuge mit dieser Antriebstechnik zugelassen werden. Derzeit sind es 6 Millionen Neuzulassungen mit dieser Technik. Ein Plus von 529 Prozent. Dass Hella mit seiner Engergiesparte auch hier ein Stück vom Kuchen abschneiden möchte, liegt auf der Hand. 

Bei einem Mild-Hybrid unterstützt der Elektroantriebsteil den Verbrennungsmotor zur Leistungssteigerung. Die Batterie, die beim Anfahren oder Beschleunigen unterstützt, muss eine Hochvolt-Batterie sein und benötigt vor allem verschiedene Sensorik-Komponenten. Dafür haben die Ingenieure aus Lippstadt jetzt Lösungen entwickelt – sowohl für größere Fahrzeuge als auch für die Kompaktklasse. Als „PowerPack 48 Volt“ bezeichnet Hella das System für die Mittel- und Oberklasse. Sie gibt dem Motor ordentlich Kraft, vereinigt alle Steuerungselemente und ist nicht größer als eine herkömmliche Autobatterie. Eine 12-Volt-Batterie für die Autoelektronik muss noch separat in das Fahrzeug eingebaut werden. „Dual Voltage Systeme“ nennt Hella den Typus für die Kompaktklasse. Sie vereint eine 12- und eine 48-Volt-Batterie. 

5 bis 6 Gramm weniger CO2 pro Kilometer

Die Vorteile skizziert Twiehaus: „Die Dual-Voltage-Systeme sind so groß wie eine herkömmliche Batterie.“ Das hat für den Autobauer entscheidende Vorteile. Die Architektur des Fahrzeuges muss nur geringfügig geändert und zudem nur eine Batterie in das Fahrzeug eingebaut werden, erläutert Twiehaus. Das spart Gewicht und somit Treibstoff. Hella geht von 5 bis 6 Gramm weniger CO2 pro Kilometer aus – für beide Typen. Derzeit wird der Prototyp von einem Autohersteller getestet, damit er bald serienreif werden kann. Denn schnell mit dieser Innovation auf den Markt zu kommen, ist die notwendige Strategie. Andere Autozulieferer haben den Trend ebenfalls erkannt. Die für die Batterien benötigen Zellen will Hella nicht selber bauen. Das will das Unternehmen auch zukünftig nicht. „Wir sind kein Chemiekonzern“, sagt Twiehaus. Hella setzt in dem Fall auf eine Kooperation mit einem chinesischen Batteriezellenhersteller. 

Serienproduktion in Bockum-Hövel?

Welches Hella-Werk künftig den lukrativen und zukunftsträchtigen Auftrag für die Serienproduktion der neuen Dual-Voltage-Batterie bekommt, steht noch nicht fest. Das könnte jedes der insgesamt 15 Elektronik-Werke sein, die inzwischen überall auf der Welt stehen. Chancen rechnet sich auch das Bockum-Höveler Elektronikwerk aus, da hier schon Stromwandler für das Energiemanagement hergestellt werden und das Werk für den Bereich in der Hella-Familie als Leitwerk gilt.

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