Einsatz gegen Autoposer-Szene

Lautstarke Muskelprotze aus Blech im Visier der Hammer Polizei

Polizisten haben sich die PS-starken Fahrzeuge von Hammer Autoposern genauer angesehen.
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Polizisten haben sich am Wochenende die PS-starken Fahrzeuge von Hammer Autoposern genauer angesehen. (Symbolbild)

Nicht nur Anwohner in der Hammer Innenstadt dürften überrascht gewesen sein, als sich am vergangenen Wochenende Uniformierte unter die Hochglanztruppe mischten, die dort Beifall heischend ihre PS-Muskeln spielen ließ. Der unerwartete Auftritt verfehlte seine Wirkung offenbar nicht.

Hamm – Schon seit längerer Zeit ist der Santa-Monica-Platz, begrenzt von der Meile im Osten und vom Marienhospital im Süden, eine Art „Mekka“ der Hammer Autoposer-Szene. „Regelmäßig“ (so die Polizei) treffen sich auf dem Parkplatz die Fahrer und Beifahrer von 20 bis 50 aufgemotzten Autos mit bis zu 500 PS unter der Hochglanz-Haube. Oft handelt es sich dabei um Sportlinien der oberen Mittelklasse wie Mercedes AMG und Audi RS. Um sich in Szene zu setzen, brauchen ihre Besitzer ein Publikum. Das erhalten sie zum Beispiel durch Aufmerksamkeit erregende Fahrmanöver. Die so entstehende Geräuschkulisse stört allerdings viele Anwohner.

Polizeisprecher Hendrik Heine betont, dass sich diese Gruppe von jener unterscheidet, die mit ihren Fahrzeugen wiederholt laut und zu schnell durch die Innenstadt fährt. Das sind die Autotuner, allgemein oft auch „Raserszene“ genannt. „Eine homogene Gruppe existiert nicht“, sagt Heine und stellt damit klar, dass sich der jüngste Einsatz in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen 21 und 3 Uhr eben auf die „Poser“ bezog.

Mit wie vielen Kräften die Polizei vor Ort war, bleibt „aus taktischen Gründen“ ihr Geheimnis. Nicht aber die Daten des Erfolgs: Bei der Kontrolle von rund 100 Fahrzeugen und deren Haltern am Treffpunkt und in dessen Umfeld seien 35 Verstöße geahndet worden, darunter Telefonieren am Steuer, Nichtanlegen des Gurts und das Missachten von Verkehrszeichen. Mehrere „Poser“ mussten für „unnützes Hin- und Herfahren“ jeweils 20 Euro zahlen. Bei drei Fahrzeugen sei die Betriebserlaubnis durch bauliche Veränderungen erloschen gewesen, heißt es weiter.

Autoposer in Hamm: Polizei nimmt Anwohner-Sorgen ernst

Kritik am Verhalten und an der Lautstärke der Auto-Fans – vornehmlich in der Innenstadt, aber nicht nur – ist schon seit Jahren immer wieder zu hören und zu lesen. Warum also wurde der Schwerpunkteinsatz gerade jetzt durchgeführt? Der Polizeisprecher lässt die Frage so nicht gelten: „Wir beobachten die Zusammenkünfte und Fahrten der Poser im innerstädtischen Bereich schon seit längerer Zeit“, sagt er. Und vor allem: „Maßnahmen gegen diese Fahrzeugführer und entsprechende Kontrollen haben wir selbstverständlich auch in der Vergangenheit regelmäßig getroffen.“

Die Sorgen der Anwohnern nehme die Polizei durchaus ernst. Nur sei zuvor eben nicht jedes Mal eine besondere Pressemeldung dazu geschrieben worden.

Schlagzeilen aus Dortmund

Die Schwerpunktaktion in der Hammer Innenstadt steht im Schatten starker Schlagzeilen aus Dortmund. Öfter und auffälliger als in den vergangenen Jahren ohnehin schon provozieren auf dem Wall Raser, Autotuner und -poser die Öffentlichkeit und die Polizei; mehrere hundert Fahrzeuge kommen dort oft zu diesem Katz- und Maus-Spiel zusammen, Verstöße gegen die Corona-Regeln der Teilnehmer inklusive. Die Polizei geht seit Ende 2020 besonders regelmäßig und offensiv gegen die Szene mit all ihren Bereichen vor, setzt Platzverweise durch und verteilt Strafzettel. Immer wieder fallen dabei auch Hammer auf.

Autoposer in Hamm: Polizei will weiter Präsenz zeigen

Heine ergänzt mit Blick auf die Motivation allerdings, dass „das bessere Wetter und die mangelnden Alternativen wie Ausgehmöglichkeiten“ für eine „steigende Anzahl der im Fokus stehenden Fahrzeugführer“ sorge. Und ja: Damit der Einsatzerfolg nicht verpufft, wolle die Polizei „auch in Zukunft durch niederschwelliges Einschreiten konsequent gegen Verstöße vorgehen und Präsenz zeigen“. Das gelte im übrigen auch für mögliche alternative Szene-Treffpunkte. „Sollten wir davon Kenntnis erlangen, werden wir auch diese im Auge behalten, prüfen, ob es dort zu Belästigungen kommt und entsprechend reagieren“, verspricht der Polizeisprecher. Auch der von der Szene desöfteren genutzte Parkplatz am Freibad Süd dürfte hier eine Rolle spielen.

Lauter als die Polizei erlaubt: Kampf gegen PS-Protzer

Polizeibeamte kontrollieren in Mannheim sogenannte Autoposer. Foto: Uwe Anspach
"Autoposer" fahren mit ihren oft getunten Fahrzeugen vor allem in den Abendstunden durch die Innenstädte und zeigen lautstark, wie viel PS ihr Wagen hat. Foto: Uwe Anspach
Kontrolle von Autoposern: Ein Lautstärke-Messgerät zeigt 65,4 Dezibel an. Foto: Uwe Anspach
Sind da auch Schalldämpfer drin? Ein Polizeibeamter schaut sich bei der Kontrolle von Autoposern den Auspuff an. Foto: Uwe Anspach
Lauter als die Polizei erlaubt: Kampf gegen PS-Protzer

Dass sich seine Kollegen mit ihrem Vorgehen zumindest bei den Verursachern nicht unbedingt beliebt machen, ist Heine natürlich klar. „Teilweise mürrisch“ hätten die ins Visier genommenen Autoposer reagiert, sagt er auf die Frage, ob es wohl Stress gegeben habe. „Im Großen und Ganzen waren sie aber freundlich gegenüber den Einsatzkräften.“

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