Anwohner genervt

Autoposer-Aufreger: Junge Hammer holen sich ihre Freiheit zurück

Partystimmung am Samstagabend auf dem Santa-Monica-Platz.
+
Partystimmung herrschte am Samstagabend auf dem Santa-Monica-Platz. Auch die Parkplätze sind gut belegt.

Kaum ist die Ausgangssperre aufgehoben, wird der Santa-Monica-Platz in der Hammer Innenstadt nachts wieder von jungen Leuten und ihren (teils) lauten Automotoren bevölkert. Und prompt sind die auch die Klagen wieder da. Guter Rat ist da teuer, zumal es mit Schwarz-Weiß-Malerei hier nicht getan ist.

Hamm - Raser, Poser, Schaulustige und einfach nur junge Menschen, die sich wieder einen Treffpunkt wünschen: Die Situation auf dem Santa-Monica-Platz an Wochenenden ist manchem Anlieger ein Dorn im Auge. Sie fühlen sich belästigt durch Lautstärke, Müll und Fahrten um den Block. Der Ruf nach einer Teilsperrung des Parkplatzes zur Sternstraße hin – wie Ende März – wird laut. Aber so leicht aufzulösen sind die Interessenskonflikte wohl nicht.

Mit den jüngsten Lockerungen wächst der Drang nach Freiheit, und den nehmen sich die Menschen. Fronleichnam gegen 22.15 Uhr auf dem Santa-Monica-Platz: Etwa 50 junge Menschen sitzen dicht nebeneinander auf der Mauer zur Sternstraße hin, reden, lachen, konsumieren Getränke und genießen die warmen Temperaturen. Andere sind in ihren Autos vorgefahren, Motoren und Musik laufen. Der Ort ist ein großer Treffpunkt geworden. Richtig laut ist es aber zu diesem Zeitpunkt nicht.

Ob das allen Corona-konform ist? Wo Gruppen anfangen und aufhören, ist kaum zu beurteilen. Kontrolliert wird die neue Freiheit an diesem Abend nicht. Zwei Tage später, am Samstag nach einem anonymen Anlieger-Anruf schon. Polizeisprecher Malte Gerwin bestätigt den Treffpunkt von mehreren Dutzend Menschen und auch Autos. Gegen 21.30 Uhr hätten Polizisten mehrere Kontrollen durchgeführt. Ergebnis: Alle Personen hätten negative Tests vorzeigen können, und an den Fahrzeugen sei nichts zu beanstanden gewesen.

Autoposer in Hamm: Ruhe nur „dank“ Corona

Die meisten Personen seien „sehr zugänglich“ gewesen, hätten die Kollegen vermerkt. Vier Platzverweise seien ausgesprochen worden. Den Grund dafür konnte Gerwin dem Bericht nicht entnehmen. Fahrzeuge hätten diesen Personen nicht zugeordnet werden können.

„Man muss hier verschiedene Bereiche voneinander trennen“, sagte Gerwin. „Poser und Tuner sind nicht gleichbedeutend mit Rasern, die illegale Rennen fahren. Und dann gibt es noch die Leute, die einfach herkommen und quatschen wollen. Pauschalisierungen helfen da wenig weiter.“ Natürlich seien Lautstärke und Ruhestörung ein Argument, ebenso wie der Müll, der hier hinterlassen werde.

Den Platz wieder zu sperren, sei nicht das Mittel der Wahl. Im März sei es im Schwerpunkt auch um die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung gegangen. Also Ruhe auf dem Platz „dank“ Corona? In gewisser Weise trifft das wohl zu. „Aber mit den Lockerungen gibt es gegen Menschen auf der Mauer wenig Handhabe.“ Mit der Wiederöffnung der Gastronomie würden zudem Parkflächen benötigt.

Autoposer in Hamm: gezielte Polizei-Kontrollen

Gerwin kündigte dennoch an, die Polizei werde Poser und Raser mit gezielten Aktionen weiter im Fokus haben. Eine Dauer-Präsenz des Verkehrsdienstes sei personell nicht möglich.

Anwohner hingegen wünschen sich laut Werner Reumke vom Förderverein des Luther-Viertels eine Teilsperrung zurück, „damit Ruhe einkehrt“. Er geht sogar so weit und fordert eine Mobile Wache auf dem Platz. „Anwohner wollen hier wegziehen, wenn es so weiter geht“, sagt Reumke. Das sei ein klares Signal, dass hier Handlungsbedarf bestehe. Mittlerweile gingen lautstarke Angeber-Fahrten auch über die Nassauerstraße. Die Menschen fühlten sich belästigt. „Von dieser Szene hat niemand etwas“, so Reumke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare