150 statt 20.000 Hindus in Hamm-Uentrop

Autokorso statt Massenauflauf: Hindus holen Jahresfest unter Corona-Auflagen nach

Priester Paskaran, OB Thomas Hunsteger-Petermann, Ulrich Kroker (Hindu-Beirat) stellen September 2020 Auflagen zum Jahresfest der Hindugemeinde in Hamm-Uentrop vor
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Tempelpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal (von links), OB Thomas Hunsteger-Petermann und Ulrich Kroker vom Hindu-Beirat stellen die Auflagen vor, unter denen das Jahresfest der Hindugemeinde doch noch in Uentrop stattfinden kann.

Uentrop - Für eine der ältesten Weltreligionen kommt der in Uentrop praktizierte Hinduismus am Sonntag sehr modern daher. Wegen der Corona-Auflagen müssen die Gläubigen zum Höhepunkt des Tempelfestes einen neuen Weg gehen – besser fahren. Die Prozession findet als Autokorso statt.

Bis zu 20 000 Hindus kommen in einem normalen Sommer zum Höhepunkt des zweiwöchigen Tempelfestes nach Uentrop. Wegen der Corona-Pandemie musste es in diesem Jahr ausfallen. Die Hinduistische Gemeinde Deutschland und die Stadt fanden aber einen Weg, es unter Corona-Auflagen nachzuholen. Es begann bereits am 7. September.

„Wir haben lange diskutiert“, sagt Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, „auch über die Frage, was überhaupt geht.“ Diese Frage ist nach den gestiegenen Corona-Fallzahlen in Hamm – nur durch eine Hochzeitsgesellschaft – drängender als noch vor einigen Wochen. „Wir sehen gerade, was passiert, wenn die Corona-Regeln nicht eingehalten werden“, sagt der OB. „Das Letzte, was ich möchte, ist, dass wir in irgendeiner Form zu einem Lockdown kommen.“ Im Falle des Tempelfestes hat die Stadtverwaltung die Situation geprüft und die Planungen begleitet. „Ich vertraue darauf, das hier die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden“, sagt er.

Vorbereitungen auf die Hindu-Prozession: Für den Autokorso der Prozessionsteilnehmer wird die Siegenbeckstraße am Sonntag zur Einbahnstraße.

Hauptpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal ist froh, dass das Jahresfest doch noch stattfinden kann. „In diesem Jahr können aber nur wenige Menschen kommen“, sagt er. Das gilt vor allem für einige Zeremonien, zu denen sonst hunderte Gläubige gekommen waren. „Jetzt dürfen es nur 150 sein“, sagt er über die maximal erlaubte Teilnehmerzahl auf dem Tempelgelände. 80 Personen dürfen sich im Außenbereich, 70 im Tempel aufhalten. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich. „Die Listen sind voll“, sagt Archchuna Paskaran. Die Tochter des Priesters gehört zum Organisationsteam.

Hindu-Gemeinde muss Zaungäste ausladen

Das Fest bleibt so nur einigen wenigen Gläubigen vorbehalten. So muss die für ihre Gastfreundschaft bekannte Gemeinde mit Bedauern potentielle Zaungäste ausdrücklich bitten, in diesen Tagen nicht an die Siegenbeckstraße zu kommen. Ordner sorgen für die Einhaltung der Corona-Beschränkungen.

Die größte Einschränkung betrifft die Prozession am Ende des Jahresfestes, zu der stets tausende Gläubige gekommen sind. Solche Menschenmassen sind unter Corona-Bedingungen nicht zu organisieren. „Wir werden nur einen kleinen Umzug auf dem Tempelgelände haben“, sagt der Priester. Danach wird der Umzugswagen mit der Göttin Sri Kamadchi Ampal auf das benachbarte Gelände des geplanten Hindu-Kulturzentrums gefahren.

Ungewöhnlichste Hindu-Prozession

Hier beginnt gegen Mittag eine der sicherlich ungewöhnlichsten Hindu-Prozessionen. Um Menschenansammlungen zu vermeiden und das Infektionsrisiko zu minimieren, dürfen die Gläubigen nur mit dem Auto und im Auto sitzend teilnehmen. Die Prozession wird zum Autokorso für die Göttin. Die Siegenbeckstraße wird zur Einbahnstraße.

Die Prozessionsteilnehmer fahren an der Göttin und an drei Zelten vorbei, an denen sie an zeremoniellen Handlungen teilnehmen. Am letzten Zelt erhalten sie traditionell die Speisen. Die dürfen diesmal nur verpackt ausgegeben werden. Danach verlassen sie in Richtung Osten das Festgelände.

Die Prozession als Höhepunkt des Tempelfestes – diesmal findet sie als Autokorso auf dem Gelände des geplanten Hindu-Kulturzentrums statt. An 20 000 Hindus ist diesmal Corona-bedingt nicht zu denken.

Trotz dieser Möglichkeit, tausende Teilnehmer können so nicht teilnehmen. Pro Stunde dürfen nur 50 Fahrzeuge auf das Gelände. Bislang sehen die Organisatoren diesem Teil des Festes entspannt entgegen. „Wir haben jetzt erst 60 Anmeldungen“, sagt Archchuna Paskaran. Nach derzeitigem Stand könnten gegebenenfalls auch noch spontan Teilnehmer in die Prozession eingereiht werden.

Tempelfest 2017 der Hindus in Hamm-Uentrop

Tempelfest 2017 der Hindus in Hamm Uentrop beginnt
Tempelfest 2017 der Hindus in Hamm Uentrop beginnt
Tempelfest 2017 der Hindus in Hamm Uentrop beginnt
Tempelfest 2017 der Hindus in Hamm Uentrop beginnt
Tempelfest 2017 der Hindus in Hamm-Uentrop

Zur traditionellen Waschung am Montag im Kanal sind nur 100 Teilnehmer zugelassen. Damit die Abstände eingehalten werden, wird der Priester die Zeremonie wie gewohnt auf der Nordseite durchführen. Die Gläubigen schauen von der Südseite zu. Damit sie auch den Priester verstehen können, stattet die Stadt die Teilnehmer mit 100 Audioguides aus. „Ohne die“, sagt der OB, „wäre die Waschung so nicht möglich.“

Abschluss des Tempelfestes in Uentrop:Rituelle Waschung im Kanal

Abschluss des Tempelfestes in Uentrop:Rituelle Waschung im Kanal

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