Prozession am Kulturzentrum statt durch das Gewerbegebiet Uentrop

Autokorso für die Göttin: Hindus feiern ungewöhnliches Tempelfest

Die Segnung der Besucher musste in diesen ungewöhnlichen Zeiten im Autokorso auf dem Platz des geplanten Kulturzentrums im Uentroper Gewerbegebiet vorgenommen werden.
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Die Segnung der Besucher musste in diesen ungewöhnlichen Zeiten im Autokorso auf dem Platz des geplanten Kulturzentrums im Uentroper Gewerbegebiet vorgenommen werden.

150 statt tausende Gläubige und im Autokorso zur Göttin: In Corona-Zeiten musste die Hinduistische Gemeinde Deutschland am Sonntag ein ungewöhnliches Jahresfest feiern. Immerhin, die Gläubigen durften es noch nachholen.

Uentrop – Es war wie immer ein buntes und fröhliches Fest, das die Hindu-Gemeinde am Sonntag am Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel feierte. Und doch war Corona-bedingt vieles anders als sonst. Besonders deutlich zeigte sich dies bei der traditionellen Prozession als Höhepunkt des zweiwöchigen Tempelfestes, die mit 150 statt der üblichen bis zu 20 000 Besucher dieses Mal weitaus kleiner ausfiel und auch nur in abgespeckter Form zelebriert wurde.

„Es ist definitiv anders“, brachte es Malikarchchuna Paskaran, Tochter des Hindu-Priesters Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal, auf den Punkt. Ein Aspekt sei der Aufwand, der trotz der deutlich geringeren Besucherzahl erheblich größer als in den Jahren zuvor war, erklärte sie – vor allem deshalb, weil sich alle Besucher online anmelden und die Listen vor Ort mit den Anwesenden abgeglichen werden mussten. Zudem passten die 50 Organisatoren den gesamten Ablauf den aktuellen Bestimmungen an, die die Stadt festgelegt hat. Aber: „Es fehlt kein einziges Ritual“, betonte Malikarchchuna Paskaran.

Tempelfest unter Corona-Auflagen und die Prozession als Autokorso 

Tempelfest unter Corona-Auflagen und die Prozession als Autokorso 

Los ging es mit den traditionellen Ritualen im Tempel, in dem sich maximal 70 Gläubige aufhalten durften. Weitere 80 Besucher verfolgten das Geschehen im Innenhof des Areals, von wo aus am Mittag der farbenfrohe und prächtig gestaltete heilige Prozessionswagen zu Ehren der Göttin startete. Statt durch das gesamte Industriegebiet ging der Tross dieses Mal nur vom Tempel aus über die Siegenbeckstraße bis zur Krishna-Figur am Hindu-Kulturzentrum.

Erste Mal heiligen Wagen gezogen

Dabei hatte die starke Besucherbeschränkung durchaus ihr Gutes. Denn normalerweise ist das Ziehen des Umzugswagens nur einigen wenigen vorbehalten. Am Sonntag kamen aber auch Hindus zum Zuge, für die es das erste Mal war. „Es ist eine Ehre“, sagte ein junger Hindu, der aus der näheren Region mitsamt seiner Familie anreiste. Auch sein Bruder schätzte den kleineren Rahmen sehr. Denn: „Man kann besser beten“, meinte er hinsichtlich des dieses Mal ausbleibenden dichten Gedränges. Gut fanden die insgesamt vier Geschwister, dass das Spirituelle und die Religion an sich im Vordergrund standen. Dafür sei der Festcharakter weniger stark gewesen, was sie schaden fanden.

Wie ein Beisammensein im kleinen Kreis: Bei der Hindu-Prozession, Höhepunkt des zweiwöchigen Tempelfestes der Hindu-Gemeinde, kommen in aller Regel tausende Menschen nach Uentrop. Corona-bedingt waren diesmal nur 150 Gläubige dabei, die nicht durch das Gewerbegebiet zogen, sondern die Prozession auf dem Gelände des geplanten Kulturzentrums durchführten.

„Aber es hat alles seine Vor- und Nachteile“, zog einer der jungen Gläubigen ein Fazit. Spaß habe das Tempelfest, zu dem sie jedes Jahr nach Hamm kommen, aber dennoch gemacht. „Die Stimmung ist gut“, sagte einer der Brüder und sprach von einer fast familiären Atmosphäre.

Im Autokorso zur Göttin

Gut gelaunt wirkte auch Priester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal – obwohl die Situation auch für ihn eine ganz neue war. Sicherlich am ungewöhnlichsten war der Teil der Prozession, der erstmals als Autokorso erfolgte. Denn anders als üblich bekamen die Gläubigen die Segnung nicht im Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel, sondern im Auto. Dazu blieben die Hindus in ihren Fahrzeugen vor dem heiligen Wagen stehen, während der Priester sie durch die heruntergelassenen Fensterscheiben segnete und einige Sätze sprach. 60 Fahrzeuge waren für diese Zeremonie angemeldet, bis zum späten Mittag fuhren allerdings erst wenige vor.

Alles in allem war es trotz der Beschränkungen ein gelungenes Fest – auch, weil sich fast alle an die Maskenpflicht und die Abstandsregeln hielten. Nur beim Ziehen des Umzugswagens war die Einhaltung von letzterem nicht möglich.

Wenige Zaungäste

Besonnen und zurückhaltend verhielten sich unterdessen auch die Handvoll Zaungäste, die eigentlich überhaupt nicht hätten da sein sollen. Einige Schaulustige – vor allem Radfahrer – schauten sich das bunte Spektakel dennoch gespannt an, hielten aber viel Abstand.

Übrigens: Noch etwas war dieses Jahr anders als in den Jahren zuvor. „Endlich regnet es mal nicht“, meinte ein Hammer Hindu mit einem Lächeln. Das schöne Spätsommerwetter hätte schließlich sicherlich noch mehr Menschen nach Uentrop angelockt als ohnehin – wenn nur Corona nicht wäre.

In den vergangenen Jahren fand das Tempelfest im Sommer statt. Tausende Besucher aus ganz Europa kamen dazu nach Uentrop, so wie etwa im vergangenen Jahr. Die Prozession führte durch einen großen Teil des Gewerbegebiets, in dem der Tempel liegt.

Große Prozession des Jahresfestes der Hinduistischen Gemeinde Deutschland 2019

Große Prozession des Jahresfestes der Hinduistischen Gemeinde Deutschland 2019
Große Prozession des Jahresfestes der Hinduistischen Gemeinde Deutschland 2019
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