Kreuzung B58/L585

„Das Auto als Waffe“: 21-jähriger Hammer muss nach tödlichem Unfall in Drensteinfurt ins Gefängnis

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Bei einem schweren Verkehrsunfall im Herbst vergangenen Jahres wurden eine Frau getötet und zwei weitere schwer verletzt. Der Fahrer des Unfallwagens wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Drensteinfurt/Ahlen/Hamm – Zweieinhalb Jahre muss der Pkw-Fahrer ins Gefängnis, der Anfang September 2019 einen tödlichen Verkehrsunfall in Drensteinfurt verursacht hatte.

Auf der Anklagebank des Ahlener Schöffengerichts saß am Dienstag ein 21-jähriger Hammer, der schon mehrfach wegen Verkehrsverstößen und anderer Delikte auffällig geworden war.

In der Nacht auf Sonntag, 1. September, waren drei junge Frauen auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier in Drensteinfurt. Die 24 bis 26 Jahre alten Freundinnen standen mit ihrem Auto an der Kreuzung B58/L585 neben der Dreingau-Halle in Fahrtrichtung Albersloh. Als ihre Ampel grün zeigte, bog die Fahrerin links ab nach Ascheberg. Mitten auf der Kreuzung krachte der aus Hamm kommende 21-Jährige mit seinem Passat in das Auto der Frauen und schob es 100 Meter weit weg. Dabei war er erheblich zu schnell und ignorierte die rote Ampel. Das räumte er bei der Polizei und gestern auch vor Gericht ein.

Opfer leiden massiv unter den Folgen

Die Fahrerin des getroffenen Autos und eine Beifahrerin wurden sehr schwer verletzt. Eine von ihnen erlitt Hirnblutungen und lag zwei Wochen im künstlichen Koma. Die dritte Insassin des Pkw verstarb kurz nach dem Unfall an multiplen Verletzungen. Der Verursacher, dessen Fahrzeug Feuer fing und ausbrannte, wurde leichter verletzt.

Zeugen, die ebenfalls von der Geburtstagsfeier kamen oder in Gegenrichtung nach Drensteinfurt einfuhren, bestätigten das Geschehen. Die beiden schwer verletzten Opfer können sich an den Unfall nicht mehr erinnern. Ihr Gedächtnis setzte erst später im Krankenhaus wieder ein. Beide leiden noch heute massiv unter den Folgen.

Aufprall mit bis zu 125 Km/h

Gleich in der Nacht und am Tag danach untersuchte ein Sachverständiger den Unfall. Anhand der Spuren und der Schäden an den Autos errechnete er eine Aufprallgeschwindigkeit von 105 bis 125 Kilometer pro Stunde, wo maximal Tempo 70 erlaubt ist. Dabei muss der 21-Jährige mit noch höherem Tempo angerast sein, weil er nach eigener Aussage vorher gebremst hatte und sein ABS ansprang.

Außerdem, so der Gutachter, habe er schon 290 Meter vor der Kreuzung sehen können, dass seine Ampel zunächst sechs Sekunden gelb und dann etliche Sekunden rot zeigte. Dazu erklärte der Hammer, er habe erwartet, dass wieder rechtzeitig grün komme. Dann sei aber plötzlich der andere Pkw auf der Kreuzung gewesen.

Das Auto, in dem die drei jungen Frauen unterwegs waren, wurde komplett zerstört.

Dieses Verhalten des Angeklagten wertete der Staatsanwalt als „Totalversagen mit dramatischen Folgen“. Zu Lasten des 21-Jährigen spreche auch dessen Vorleben. Trotz seines jungen Alters hat er mehrere Eintragungen wegen Rasens. Zwei Verkehrsunfälle hat er schon gebaut.

Verurteilung kurz vor dem Unfall

Wegen gefährlicher Körperverletzung und Waffenbesitzes stand er vor dem Jugendrichter. Am schwersten wog aber eine Verurteilung kurz vor dem schrecklichen Unfall. Der Hammer war mit seinem Pkw auf einen Bekannten zugefahren, um ihn zu erschrecken. Er bremste zu spät und verletzte den Mann. All dies bewog den Staatsanwalt zu einem Strafantrag von zwei Jahren und neun Monaten, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Junge Frau stirbt bei schrecklichem Unfall auf der B58

Tödlicher Unfall B58 Drensteinfurt
Tödlicher Unfall B58 Drensteinfurt
Tödlicher Unfall B58 Drensteinfurt
Tödlicher Unfall B58 Drensteinfurt
Junge Frau stirbt bei schrecklichem Unfall auf der B58

Der Nebenklage-Anwalt, der die Angehörigen der getöteten jungen Frau vertrat, hielt ein sehr emotionales Plädoyer. Er war fassungslos, dass der Hammer nach seinen früheren Taten überhaupt noch einen Führerschein besaß. Der Angeklagte zeige ein „verkehrsfeindliches Verhalten“ und benutze „das Auto als Waffe“. Er sei nur ganz knapp an einer Mordanklage vorbei geschrammt.

Fahrerlaubnis für über drei Jahre weg

Der Verteidiger des 21-Jährigen räumte die furchtbaren Folgen des Unfalls ein. Allerdings habe sein Mandant das alles nicht gewollt. Und er zeige ehrliche Reue. Deshalb sei eine Bewährungsstrafe angemessen. Das Gericht folgte am Ende dem Staatsanwalt, blieb nur knapp unter dessen Forderung und verhängte zudem einen Entzug der Fahrerlaubnis von drei Jahren und drei Monaten.

Aus Schutz vor dem Corona-Virus waren der Staatsanwalt (von links), der Unfallgutachter und der Anwalt der Nebenklage voneinander getrennt.

Eine Entschuldigung des Täters nahmen die Unfallopfer und die Angehörigen indes nicht an. Das komme jetzt viel zu spät, sagten die Eltern der getöteten Frau verbittert.

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