Von der Vergänglichkeit: Die Kunst der Totenköpfe

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Hammelschädel neben Marilynbüste: „Am Schädel kann man den Status zu Lebzeiten nicht mehr erkennen“ , sagt Gerti Hauptführer.

Hamm - Grusel oder Kunst? In der Galerie der Disziplinen eröffnet eine neue Ausstellung voller Totenköpfe. In „Color de los Muertos“ zeigt die Galerie der Disziplinen Totenschädel in allen Variationen. „Die Arbeiten sind ein Zeichen dafür, dass der Tod zum Leben gehört“, sagt Gerti Hauptführer, die mit Gabi Oelker und The Uzey (alias Kai Wohlgemuth) ausstellt.

Hauptführer, die durch ihre Häkelarbeiten  im öffentlichen Raum bekannt ist, bleibt sich in der Galerie der Disziplinen treu: Farbenfrohe Schädelmasken hat sie gehäkelt, die teils an Schrumpfkopf-Präparate, teils an Fetisch-Masken erinnern. Und weil Tod und Totenköpfe heute tragbar sind, sind es auch Hauptführers Masken. Darüber hinaus zeigt sie Malerei, bei der Schädel in Serie gehen. Die Essenz bleibt immer die gleiche: „Am Schädel kann man den Status zu Lebzeiten nicht mehr erkennen.“

Für Gabi Oelker bieten Schädel viel Raum für Kreativität. Dem echten Hammelschädel, der Teil der Ausstellung ist, hat sie sich in unterschiedlicher Weise angenähert. „Das Objekt ist sehr detailreich und bietet viele Ansatzpunkte für eine künstlerische Auseinandersetzung“, sagt sie. Der Totenkopf sei längst gesellschaftsfähig geworden und ein populäres Gestaltungselement der Gegenwart. Provokativ wie einst in der Heavy-Metal- oder Gothic-Szene seien Schädeldarstellungen heute nicht mehr, stattdessen seien der Tod und seine Symbolik als Modeaccessoire aus dem Nischendasein herausgetreten. Oelker gewährt sogar einen Blick auf ihren eigenen Schädel: Ein Röntgenbild ihres Kopfes hat sie künstlerisch verfremdet.

Kai Wohlgemuth, als The Uzey bekannter Graffiti-Künstler und Tattoo-Artist, spielt vielleicht am eindringlichsten und schrillsten mit dem Todessymbol: eine fratzenhafte Marilyn-Büste hier, ein riesiger comicartiger Schädel als Wandbild dort und glitzernd verfremdete Schädel-Skulpturen – für Wohlgemuth ist der Totenkopf seit jeher ein faszinierendes Motiv gewesen. „Ein Schädel ist so facettenreich. Damit lässt sich jede Stimmung wiedergeben“, sagt er. „Für mich steckt da umgekehrt die Aufforderung drin, das Leben zu genießen.“ Es sei ähnlich wie im mexikanischen Brauchtum am Tag der Toten, wenn Lebende und die Geister der Verstorbenen ein rauschendes Fest feiern.

Mehr zu Kai Wohlgemuth lesen Sie hier

Die Ausstellung „Color de los Muertos“ ist vom 24. März bis zum 20. April in den öffentlich zugänglichen Bereichen der Galerie der Disziplinen, Heinrich-Reinköster-Straße 6, zu sehen. Die Vernissageparty findet am Samstag, 24. März, von 18 bis 24 Uhr in der Galerie statt. Dazu gibt es „funky sounds“ und kalte Getränke – dem Anlass entsprechend mit Totenkopf-Eiswürfeln. Der Eintritt ist frei.

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