Ausstellung über Nazi-Justiz in Hamm

OLG klärt auf: So waren Gerichte und Anwälte ins Dritte Reich verstrickt

+
Im Oberlandesgericht an der Heßlerstraße findet die Ausstellung statt.

Hamm – „Justiz und Nationalsozialismus“ heißt eine Ausstellung, die ab Donnerstag im Oberlandesgericht die Verstrickung von Gerichten und Anwälten ins Dritte Reich zeigt. Ein Schwerpunkt soll die Rolle der Notare von 1933 bis 1945 sein.

Die Wanderausstellung wurde von der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus“ der nordrhein-westfälischen Justiz 2016 konzipiert und ist vom 4. April bis 31. Mai in Hamm zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung wird Landesjustizminister Peter Biesenbach erwartet. Der Mainzer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Andreas Roth spricht über die Hammer Notarkammer im Nationalsozialismus.

In der Ausstellung wird die NS-Justiz auf Schautafeln dargestellt, die einen ersten Überblick erlauben. Besucher können auf Bänken Platz nehmen und finden dort Themenhefte mit vertiefenden Informationen.

Die Justiz war ein solider Pfeiler des nationalsozialistischen Staates. Unter dem Deckmantel eines unabhängigen Rechtswesens wurden Urteile „im Namen des Volkes“ gesprochen. Ministerialbeamte wirkten an der Entrechtung von Menschen mit, Staatsanwälte an der Verfolgung, Richter verhängten unmenschliche Strafen. Mehrere zehntausend Todesurteile wurden gesprochen; nicht zuletzt vom Oberlandesgericht Hamm.

Anfangs kaum Verfolgung und Ahndung

Die Verfolgung und Ahndung von NS-Taten unterblieb in den frühen Jahren der Bundesrepublik weitgehend. Die Richter, die Hitler gedient hatten, blieben fast vollständig im Amt und prägten den Wiederaufbau der deutschen Justiz. Ein Umdenken begann erst in den 1980er Jahren.

Die Dokumentationsstelle der nordrhein-westfälischen Justiz in Recklinghausen nahm 1988 ihre Arbeit auf. Sie geht der Frage nach, inwieweit Behörden und Gerichte in den totalitären Unrechtsstaat eingebunden waren. Außerdem befasst sie sich mit der personellen Kontinuität in der Justiz vom Dritten Reich zur Bundesrepublik.

Eröffnung Donnerstag, 4. April, 14 Uhr, im Foyer des Oberlandesgerichtes, Heßlerstraße 53, mit Vortrag von Prof. Dr. Andreas Roth (Mainz);

Führungen 8. April, 10 Uhr, und 13. Mai, 15 Uhr, Anmeldung unter Telefon 272-4804, E-Mail an

pressestelle@olg-hamm.nrw.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare