Außergewöhnliches Zusammenleben: Das sind die Pläne für das Mehrgenerationenhaus im Hammer Osten

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So soll das Mehrgenerationenhaus Vicanus II im Hammer Osten einmal aussehen.

Die Projektbeteiligten haben die Pläne für das neue Mehrgenerationenhaus in Hamm-Osten vorgestellt.

Hamm-Osten – Die Bäume sind längst gefällt. Der Platz vor dem Friedrich-von-Bodelschwingh- und dem Amalie-Sieveking-Haus ist frei für das zweite Mehrgenerationenhaus des „Vereins zur Förderung neuer Wohnformen in Hamm“. Es wird nach Jahren der Planung konkret. Das Baugenehmigungsverfahren läuft, sagt Architekt Viktor Nachtigall. Es sei in Hamm ein „außergewöhnliches Projekt“. Die Projektbeteiligten stellen es im Detail vor. Vicanus II – sinngemäß „Das Leben auf dem Dorfe“ – heißt das künftige Mehrgenerationenhaus am Alten Uentroper Weg. Was es so „außergewöhnlich“ macht, ist die Mischung: Es ist in der Stadt das erste Mehrgenerationenhaus, „das im Verbund mit einer Gemeinde“ entstehe, sagt Nachtigall.

Sozialer Aspekt

Es bietet vier frei finanzierte, aber vor allem 18 geförderte Wohnungen. „Der soziale Aspekt steht für uns ganz oben“, sagt Klaus-Martin Pothmann, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Mark-Westtünnen. Er sieht die Gemeinde als Grundstückseigentümerin in besonderer Verantwortung für die Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht. Für sie entstehen die 18 Ein- und Zwei-Personen-Wohnungen zwischen 45 und 60 Quadratmetern. „Einige Wohnungen werden explizit für Rollstuhlfahrer sein“, sagt Patrick Eckardt, Geschäftsführer der BKV.

Die Baubetreuungs-GmbH hat in den vergangenen Jahren diverse Projekte in der Stadt und im Bezirk umgesetzt, vor allem Pflegeheime und barrierefreie Wohnanlagen. Sie ist Investor von Vicanus II. Etwa 3,5 Millionen Euro werden investiert. Die Bindung des geförderten Wohnraums wird voraussichtlich 25 bis 30 Jahre betragen.

Verbund mit Gemeinde

Apropos Bindung: In einem Mehrgenerationenhaus ist sie unter den Bewohnern Sinn und Zweck. Vicanus II bietet darüber hinaus Kontakte. „Bei der Planung des Hauses war früh klar, dass die Gemeinde mit ihrem Gebäude für Angebote sorgen wird“, sagt Pfarrer Pothmann. Angebote, die langsam wachsen sollen. Derzeit ist das Friedrich-von Bodelschwingh-Haus mit mehreren Gruppen und insgesamt bis zu 600 Nutzern in der Woche gut ausgelastet. Die Verantwortlichen in der Gemeinde gehen davon aus, dass die Zahl, wie anderenorts auch, sinken wird. „Wir wollen, dass das Gemeindehaus auch noch in zehn Jahren läuft“, sagt Pothmann mit Blick auf die künftigen Bewohner von Vicanus II, die es mitnutzen sollen. Dagegen hat der Verein für neue Wohnformen in Vicanus I am Kentroper Weg selbst für einen Gemeinschaftsraum sorgen müssen.

Gebäudeensemble

Das zweigeschossige Gebäude erhält ein sogenanntes Staffelgeschoss, dessen Grundriss etwas kleiner ausfällt. Hier befinden sich die vier frei finanzierten Wohneinheiten mit Größen zwischen 50 und 100 Quadratmetern. Das Haus passt sich der Größe nach dem Umfeld an. Auch äußerlich greift der Architekt die Ziegeloptik auf. „Es soll kein Fremdkörper sein, sondern das Ensemble ergänzen“, sagt Nachtigall.

Veranstaltungen

Vicanus II erhält eine eigene Zufahrt. Die Parkplätze werden dem Haus vorgelagert, sodass die Bewohner Abstand zum Verkehr auf dem Alten Uentroper Weg gewinnen. So wird die Zu- und Abfahrt des bestehenden Parkplatzes am Amalie-Sieveking-Haus nicht zusätzlich durch die neuen Anwohner belastet. Gleichwohl muss er dem Mehrgenerationenhaus teilweise weichen und teils verlegt werden. Das geschieht noch vor dem Hausbau. Die Anzahl der Stellplätze bleibt erhalten. Der neue Parkplatz wird als Innenbereich zwischen Gemeindehaus, Seniorenzentrum und Vicanus angelegt. „Es entsteht eine Art Innenhof“, sagt Nachtigall. So wird der Weg insbesondere für ältere Menschen des Mehrgenerationenhauses zum Gemeindehaus kürzer, und die Gemeinde gewinnt einen Platz, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Ökologie

Nach umfangreichen Änderungen und einem Trägerwechsel im Seniorenzentrum ist der Plan für Vicanus II binnen vier Jahren gereift. Das ist zwar eine vergleichsweise lange Zeit, erlaubt aber heute Ausstattungen, die vor Jahren „noch nicht wirtschaftlich darstellbar waren“, sagt Nachtigall mit Verweis auf ökologische Ansprüche wie den Einbau einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Der Strombedarf soll größtenteils durch eine Photovoltaik-Anlage sichergestellt werden. 50000 Tonnen CO2 könnten so im Jahr eingespart werden, hofft Nachtigall. So liefere der Verein einen Beitrag zum Klimaschutz. Die Fassaden werden zum Teil begrünt, wie auch die Flachdächer, die nebenbei als Regenrückhaltung dienen und die Straßenkanäle bei Starkregenereignisse entlasten können.

Guter Entwurf

Die Planung ist ganz im Sinne des Vereins zur Förderung neuer Wohnformen. „Ich finde den Entwurf sehr gut“, sagt Vorsitzende Edeltraud Tümmers auch mit Blick darauf, dass der Verein seine Erfahrungen in die Planung hat einfließen lassen können. Gleichwohl, das neue Haus werde anders als Vicanus I. „Unsere Inhalte werden aber fortgesetzt“, sagt sie über das Zusammenleben der Generationen. Die Bewohner stehen übrigens schon im Grunde fest – das gilt auch für die geförderten Wohnungen, die der Verein zwecks passendem Generationenmix belegt, in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

Zeitplanung

 Bis zum Baustart sind noch einige Formalien zu erledigen. Abhängig vom Eintreffen des Förderbescheids, könnte das neue Haus ab dem dritten Quartal entstehen. Die Bauzeit beträgt etwa 14 Monate.

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