Schanzenbach übernimmt Standort in Heessen

Ausgebrutzelt durch Vorschriften: Emotionaler Abschied vom „Schnitzelhaus“

Im Schnitzelhaus an der Ahlener Straße in Heessen waren sie ein eingespieltes Team: Azra Mujkanovic, Detlef Tempels, Sanida Krupic, Senada Krupic, Elke Towa und Nienierza Malgorzataan
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Im Schnitzelhaus waren sie ein eingespieltes Team: (vorne von links) Azra Mujkanovic, Detlef Tempels, Sanida Krupic sowie (hinten) Senada Krupic, Elke Towa und Nienierza Malgorzata

Wenn am 30. Juni das Schnitzelhaus an der Ahlener Straße seine Pforten schließt, dann verabschiedet sich viel mehr als nur ein Imbiss-Betrieb.

Heessen – Bereits jetzt sind Cennet Leismann, Senada Krupic und ihre Mitarbeiterinnen immer wieder tief berührt, wenn langjährige Stammkunden ihnen, emotional bewegt, alles Gute wünschen. „Wir haben ja mit Reaktionen gerechnet, aber nicht in dem Ausmaß“, sagt die sichtlich berührte Krupic.

Manche Stammkunden bedankten sich mit dem einen oder anderen Tränchen in den Augen, andere wirkten gar völlig fassungslos, erzählt die Inhaberin. „Wir haben als Team immer viel Spaß gehabt und uns auch um eine gute Atmosphäre für die Kunden bemüht, doch was nun los ist, seit der Westfälische Anzeiger die erste Meldung zur Schließung gebracht hat, ist unglaublich“, sagt sie.

Am Wochenende danach sei die Nachfrage kaum zu bewältigen gewesen. Das Team habe konzentriert gearbeitet. Als ein junger Mann es besonders eilig hatte, bremsten ihn die anderen Gäste aus: Ob er nicht sehen könne, wie die Damen arbeiteten, wurde er gefragt. „Was kann es Besseres geben, als wenn einen seine Kunden verteidigen?“, fragt Krupic lächelnd.

Ermüdende Auflagen für Schnitzelhaus in Heessen

Im Juli bleiben an der Ahlener Straße die Pfannen zwar nicht kalt. Doch dann übernimmt die ortsansässige Schanzenbach-Kette. Warum sie das Schnitzelhaus schließt? „Es lag nicht an der Nachfrage oder am Geld“, so die Gastronomin. Vielmehr hätten sie die immer neuen behördlichen Auflagen und Vorschriften ermüdet. „Es genügt ja nicht, alles frisch zu machen und stets penibel auf die Sauberkeit zu achten. Man muss auch immer alles dokumentieren“, so Krupic. Die enormen Ausmaße im Verwaltungsbereich und zuletzt die Auswirkungen der Corona-Krise obendrauf hätten sie schließlich zu dem Entschluss bewogen.

Die oft langjährige, enge Kundenbindung sei nicht zufällig entstanden, wie die Mitarbeiterinnen berichten: „Ich bin seit anderthalb Jahren hier und habe vorher jahrelang woanders in der Gastronomie gearbeitet“, sagt Elke Towa. Doch so viele selbst und frisch hergestellte Produkte – von Schnitzeln über Klopse und Bratkartoffeln bis hin zu Saucen – habe sie zuvor nie erlebt.

Teamgeist im Schnitzelhaus in Heessen

„Ein Kunde sagte aufgelöst, wir könnten doch nicht schließen“, sagt Nienierza Malgorzata, die zwölf Jahre im Schnitzelhaus arbeitet. Schließlich habe der Mann darum gebeten, dass zumindest das Rezept für die Currysauce aufgehängt werde. Auch der tägliche Mittagstisch mit festen und wechselnden Gerichten hat viele Freunde.

Der von der Inhaberin gelobte Teamgeist wird gepflegt: Ein Ritual ist das „Weihnachtsessen“ an Pfingsten. Inzwischen seien drei Babys von Mitarbeiterinnen geboren worden, wobei sich die Kolleginnen allesamt als Tanten verstehen, wie Mitarbeiterin Azra Mujkanovic sagt. Der Hahn im Korb ist Hausmeister Detlef Tempels: „Er ist immer da, wenn etwas Schweres bewegt oder Ware angenommen werden muss“, lobt Krupic. Insgesamt seien sie dankbar für ihr „Spitzen-Team“.

Schanzenbach übernimmt Mitarbeiter

Die langen Betriebszugehörigkeiten der Mitarbeiterinnen sprächen für sich, sagt Krupic. Dabei haben sie und ihre Mitinhaberin Cennet Leismann schon fünf Jahre im Schnitzelhaus gearbeitet, bevor sie das Unternehmen schließlich übernahmen. Letztendlich freut es die Inhaberinnen sehr, dass ihr Nachfolger Schanzenbach auch alle Mitarbeiterinnen übernommen hat.

Schanzenbach ist ein Hammer Traditionsunternehmen. 2019 entschieden die Leser von WA.de, dass Schanzenbach die beste Currywurst in Hamm hat.

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