Grünes Licht für Planungen

Mit Tempo 300 nach Bielefeld: Bahnstrecken um Hamm sollen für 3,8 Milliarden ausgebaut werden

Hochgeschwindigkeit auf Gleisen: Der ICE soll bald mit Tempo 300 von Hamm nach Bielefeld fahren.
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Hochgeschwindigkeit auf Gleisen: Der ICE soll bald mit Tempo 300 von Hamm nach Bielefeld fahren.

Mit Tempo 300 sollen ICE-Züge in einigen Jahren von Hamm nach Berlin sausen. Für den geplanten „Deutschlandtakt“ sollen die Bahnstrecken von Hamm nach Bielefeld und nach Dortmund ausgebaut werden. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gab jetzt grünes Licht für die Aufnahme entsprechender Planungen. Die Kosten gehen allein im Hammer Bereich in die Milliarden.

Hamm / Berlin –181 Infrastrukturprojekte in ganz Deutschland hat das Berliner Ministerium vom „potenziellen“ in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans hochgestuft. Das bedeutet, dass die Umsetzung konkret geplant werden kann. Der Bund rechnet mit Kosten von rund 40 Milliarden Euro.

Es handelt sich um Maßnahmen für den Deutschlandtakt. Das ist ein Fahrplanschema, bei dem Züge und Busse bundesweit beschleunigt und aufeinander abgestimmt werden sollen. Eine der Kernstrecken im Fernverkehr ist dabei die Verbindung zwischen Köln, Hamm und Berlin. Hier sollen mehr Züge als bisher fahren, und sie sollen den Weg vom Rhein zur Spree auch deutlich schneller schaffen als jetzt.

Ausbau-Pläne: Neue Gleise und Bahnsteige werden nötig

In Richtung Berlin soll mit Tempo 300 gefahren werden. Dass dafür zwischen Bielefeld und Hannover eine Neubaustrecke entstehen soll, war bereits bekannt. Jetzt will das Verkehrsministerium auch die bestehende Strecke zwischen Hamm und Bielefeld für Tempo 300 aufrüsten. Bisher fahren die Züge hier mit bis zu 200 Kilometer pro Stunde.

Nun müssen nicht nur die beiden Personenzuggleise für die neue Höchstgeschwindigkeit angepasst werden; auch die beiden parallelen Güterzuggleise sind umzubauen. Sie nehmen dann den Regionalverkehr auf, müssen für Tempo 160 ertüchtigt und mit Bahnsteigen versehen werden. In Heessen beispielsweise wäre ein zusätzlicher Bahnsteig auf der Nordseite des dortigen Bahnhofs erforderlich, in Ahlen ein Überholgleis. In Heessen ist der Bahnhof nach den letzten Umbaumaßnahmen noch nicht fertig.

Für den Streckenumbau zwischen Hamm und Bielefeld rechnen Bahn-Gutachter mit Kosten von 2,1 Milliarden Euro.

Pläne teilweise schon aus dem Kaiserreich - Platz für drittes Gleis da

Die Pläne für einen Ausbau der Strecke reichen bis ins Kaiserreich zurück. Jetzt könnten sie Wirklichkeit werden. Derzeit liegen zwei Gleise zwischen Dortmund und Hamm; künftig sollen es drei sein, kurz vor Dortmund sogar vier. 1,3 Milliarden Euro würde der Ausbau kosten. Platz für das dritte Gleis ist im Streckenverlauf noch vorhanden.

Der Hammer Hauptbahnhof ist ein Knotenpunkt im deutschen Schienennetz, gilt aber auch als Engpass – nicht zuletzt, weil Züge sich beim Gleiswechsel gegenseitig blockieren. Überwerfungsbauwerke sollen hier für Abhilfe sorgen. Den Rhein-Ruhr-Express (RRX) wollen die Planer ganz auf die Westseite des Hauptbahnhofs verlegen (Gleise 12 und 13). Außerdem müssen noch Weichen und Gütergleise erneuert werden. Die Aus- und Umbauten sollen 392 Millionen Euro kosten.

Neuer Versuch für einspurige Strecke Dortmund - Münster

Auch der seit Jahren immer wieder vertagte Ausbau der einspurigen Strecke zwischen Dortmund, Werne und Münster soll nun endlich in Angriff genommen werden. Die veranschlagten 200 Millionen Euro für ein zweites Gleis zwischen Werne und Amelsbüren wirken im Vergleich zu den anderen Maßnahmen wie ein Schnäppchen.

Die Deutsche Bahn begrüße die Hochstufung der Strecken, sagte eine Sprecherin. Man stehe jedoch noch am Anfang. Eine Bürgerbeteiligung werde frühzeitig erfolgen. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums zeigte sich zuversichtlich, dass die Projekte auch umgesetzt werden. Das Landesverkehrsministerium betonte durch einen Sprecher, zwar nicht selbst zu planen, die Vorhaben aber konstruktiv zu begleiten.

Die Stadt habe den Ausbau jahrelang gefordert, sagte Sprecher Lukas Huster. Bund und Bahn hätten die Notwendigkeit nun erkannt. Man erwarte eine zügige Aufnahme der Planungen. Dabei werde sich herausstellen, ob der in Hamm in weiten Teilen vorhandene, breite Bahnkörper für den Ausbau ausreiche oder ob weiterer Grunderwerb notwendig sei. Die Stadt werde die Interessen der Anwohner im Blick haben.

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