Corona-Last nicht überlebt

Beliebte Hammer Hebamme hört auf - Kollegin eröffnet am selben Standort neu

Ungewünschte Folge der Lockdowns: Hebamme Elisabeth Edelmann gibt ihre Praxis auf.
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Ungewünschte Folge der Lockdowns: Hebamme Elisabeth Edelmann verlässt ihre Praxis. Ihre Kollegin macht weiter.

[Update] Elisabeth Edelmann ist Hebamme aus Leidenschaft. Mit ihrer „Hebammenpraxis Heessen“ ist sie weit über den Hammer Stadtbezirk hinaus bekannt. Doch die Corona-bedingten Einschränkungen bei der Nutzung haben sie nun dazu bewegt, zu kündigen. Ihre Partnerin macht unter neuem Namen weiter.

Hamm - Elisabeth Edelmann bleibt als Hebamme tätig, doch die Arbeit in der „Hebammenpraxis Heessen“ gibt sie zum 1. August auf. Der Schritt falle ihr sehr schwer, sagt sie. „Ich hatte Tränen in den Augen, als ich meine Kündigung beim Vermieter eingeworfen habe“, sagt Edelmann leise.

Als sie vor zwölf Jahren ihre Praxis in Heessen gründete, erfüllte sie sich mit den Räumen am Dasbecker Weg 82 einen persönlichen Traum. Ihr Angebot aus Geburtsvorbereitungskursen, Rückbildungskursen und Baby-Massage nach Leboyer erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Von ihr und seit einiger Zeit auch von ihrer Kollegin Juliane Harling angeleitet, haben die werdenden Mütter in dem schönen, überschaubaren Kursraum intensive Kurse in entspannter Atmosphäre erlebt. Harling wird in der Praxis bleiben, ergänzte sie am Mittwoch die Aussagen ihrer Kollegin. Sie werde unter neuem Namen weitermachen. Sie hat inzwischen einen eigenen Mietvertrag für die Praxis.

Edelmann konnte ihre Räume durch die Corona-Auflagen fast zwei Jahre lang nicht nutzen. Darum habe sie sich zur Kündigung entschlossen. „Ich habe wirklich mit mir gekämpft, aber durch die Corona-Auflagen war der Erhalt der Praxis wirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, sagte die Hebamme im WA-Gespräch. Harling dagegen erzählt, dass sie die Räume weiterhin nutze. Sie betreue etwa 100 Frauen im Jahr, in der Vor- und Nachsorge sowie in Kursen. Die Hebamme Ricarda Helleberg werde mit einsteigen.

Ort des Austauschs: In den Kursen seien viele Freundschaften entstanden, erzählt die Hebamme.

Hebammenpraxis Heessen schließt: Lockdown und harte Regeln

Im vergangenen Sommer hatte Edelmann alle Auflagen in Kauf genommen und gleich einen neuen Kurs gestartet. „Beim Lockdown im März 2020 herrschte regelrecht Verzweiflung bei den Müttern“, sagt sie. Da habe sie mit Online-Kursen begonnen.

Im Sommer ließ sie unter den geltenden Corona-Schutzmaßnahmen einen Kurs beginnen, musste diesen aber wegen des nächsten Lockdowns erneut als Online-Kurs fortführen. Die traditionellen Hausbesuche für die Mütter wurden wirklich wichtig. Doch nicht nur die Lockdown-Phasen waren frustrierend: Auch die bis heute geltenden Arbeitsschutz-Regeln machen ein Arbeiten, wie sie es gewohnt war und für sinnvoll hält, unmöglich. „Aktuell beträgt nach den Arbeitsschutz-Standards der bekannte Mindestabstand anderthalb Meter. Es wird aber auch eine Fläche von zehn Quadratmetern pro Person gefordert“, sagt Edelmann.

Hebammenpraxis Heessen schließt: „Politik hat uns vergessen“

Damit sei ein Präsenz-Kursbetrieb, wie man ihn von früher kennt, für sie wirtschaftlich nicht darstellbar. „Die Politik hat uns Hebammen wohl vergessen“, stellt Edelmann frustriert fest. Diese Werte würden zwar derzeit überarbeitet, doch nach den bisherigen Erfahrungen aus der Corona-Pandemie könnten sich ja auch eventuelle Lockerungen schnell wieder in Luft auflösen.

Ihre Kurse seien viel mehr als nur eine sachorientierte Dienstleistung, sagt Edelmann: „Es geht ja auch um die positive Haltung und den gemeinsamen Austausch.“ In früheren Jahren seien immer wieder tiefe Freundschaften in den Kursen entstanden.

„Da herrscht ein echtes Wir-Gefühl“, sagt Edelmann. Die jährlichen „Praxen-Geburtstage“ seien tolle Feste gewesen, berichtet die Hebamme. Werdende Mütter und Frauen, die mit ihrer Hilfe schon mehrere Kinder zur Welt gebracht haben, tauschten sich in fröhlich-familiärer Atmosphäre aus. Nun werde sie zunächst mit Online- und Eins-Zu-Eins-Angeboten weiterarbeiten. Eventuell könne sie sich auch vorstellen, auf dem eigenen Bauernhof einen Kursraum für ihre Patientinnen einzurichten. „Aber bis dahin muss sich erst alles wieder normalisiert haben“, sagt Elisabeth Edelmann.

Harling freut sich darauf, in den Räumen weiterzuarbeiten. Sobald ihre Kollegin eingestiegen sei, werde man dies als Neueröffnung feiern.

(In einer früheren Fassung des Artikels war noch nicht die Rede davon, dass Juliane Harling in der Praxis weitermachen würde. Inzwischen haben wir dies ergänzt.)

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