Prozess um Tod von Prostituierter in Heessen

Bier und Blackout? Mörder angeblich ohne Erinnerung

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Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Serpil Kartal.

Hamm/Dortmund - Mit Angaben des Angeklagten zum Vorwurf des heimtückischen Mordes hat vor dem Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen einen 24-jährigen Syrer begonnen.

Der anerkannte Asylbewerber soll am 12. September 2018 nachts am Straßenstrich an der Heessener Straße eine bulgarische Prostituierte erwürgt haben. Die Leiche der Frau war am Nachmittag des Tattages in einem Gebüsch entdeckt worden. Der Angeklagte, der zur Tatzeit als Leiharbeiter sein Geld verdiente, berief sich in seinen Angaben auf eine Art Blackout für das eigentliche Tatgeschehen.

Er habe die Frau gekannt, habe sie auch öfter für Sex bezahlt. Aber in der Tatnacht habe er so viel getrunken, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. "Ich habe am Westentor an einem Kiosk mit einem Freund nach der Arbeit Bier und Wodka getrunken, danach weiß ich nichts mehr!"

Der Leichnam der Frau lag in einem Gebüsch nördlich des Hangars am Rande eines Parkplatzes.

Tatsächlich jedoch ging er noch in der Tatnacht von seiner Wohnung zum späteren Fundort der Leiche: "Ich hörte innere Stimmen, dass da eine tote Frau liegt. Da bin ich dorthin und da lag sie tot im Gebüsch." Über seinen Dolmetscher ließ der Arbeiter das Gericht wissen: "Getötet habe ich niemanden!"

Am Morgen nach der Tat war sein Gedächtnis offenbar präziser. Der Vorsitzende Richter Peter Windgätter erinnerte den Angeklagten daran, dass er seinem Vorarbeiter unter Tränen offenbart habe, dass er Mist gebaut und eine Frau erwürgt habe. Er habe dem Kollegen sogar detailliert beschrieben, wie er der 35-jährigen Prostituierten von hinten einem Arm an den Hals gelegt und zugedrückt habe.

Ermittler am Fundort der Leiche.

An detaillierte Angaben dieser Art will sich der Mordverdächtige jetzt nicht mehr erinnern, fühlt sich missverstanden. Auf seiner kopflosen Flucht aus seiner Wohnung war der Syrer am Abend des Tattages nach Hinweisen aus seinem Umfeld in der Nähe des Hammer Bahnhofs festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Sollte er des heimtückischen Mordes überführt werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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