Blickpunkt Chattanoogaplatz und Tiefgarage

Aufräumen einer Ekelfläche: Dem Platz am Kino geht's an den Kragen

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Durchaus vorsichtig gingen die Arbeiter am Chattanoogaplatz beim Durchforsten der Grünfläche vor.

Gäbe es eine Liga der ekelhaftesten Orte in der Innenstadt, hätten der Chattanoogaplatz am Kino und die Tiefgarage darunter gute Chancen auf die Tabellenführung.

  • Der Bereich rund um das Cinemaxx gilt als Schandfleck
  • Seit Jahren wird viel geredet, aber wenig getan
  • Nun scheinen die Dinge in Bewegung zu kommen

Hamm – Wer unten sein Auto abstellt, muss hart im Nehmen sein. Wer oben eine Abkürzung zwischen Königstraße und Ostenwall gehen will, darf keinen empfindlichen Magen haben. Übernachtungsstelle, Drogenküche, Ort für Geschäfte jeglicher Art: Der Ort ist alles, bloß nicht sauber. Doch jetzt sollen Maßnahmen ergriffen werden – und zwar nicht nur ordnungsrechtliche. Das kündigte Stadtsprecher Tom Herberg auf WA-Nachfrage an.

Der Zustand, wie er sich seit geraumer Zeit darstellt, ist nun offenbar sowohl für den Eigentümer als auch für den Pächter und Betreiber des Parkhauses, das Cinemaxx und auch die Stadt unhaltbar geworden. Drogenbestecke, Erbrochenes im Treppenhaus, Fäkalien, Kleidungsstücke, Urin an Autos und Unmengen von Müll wollen sie augenscheinlich nicht mehr hinnehmen.

Langes Warten auf Baustart am Kino-Komplex

Aufenthalt soll ungemütlicher werden

In einem Gespräch, an dem die Abteilung Soziale Planung der Stadt moderierend beteiligt gewesen sei, habe man sich auf eine Art konzertierte Aktion geeinigt, so der Stadtsprecher. Die Stadt, in deren Eigentum sich die Grünflächen um den Platz herum befinden, hat in dieser Woche losgelegt: Sträucher, die das Gelände teils uneinsehbar gemacht haben, sind verschwunden.

Spritzen und Besteck machen den Platz gefährlich.

Dort werde künftig ausschließlich Rasen wachsen, sagte Herberg: „Für ein bestimmtes Klientel soll der Aufenthalt damit ungemütlicher werden.“ Bezeichnend: Die Männer vom Grünflächenamt arbeiten ausschließlich mit Maschinen und Werkzeugen. Mit den Händen greift hier angesichts des hohen Spritzenaufkommens niemand ins Grünzeug.

Kahlschlag am Kino-Blitzer stoppt Autofahrer nicht

Reinigung mit Chemie und Kärcher

Eigentümer und Pächter des Parkhauses hätten „zeitnah“ eine Grundreinigung der Tiefgarage und Treppenhäuser zugesagt – nicht mit dem Besen, sondern mit Chemie und Kärcher. In diesen Tagen sieht das allerdings noch anders aus: Ein Mitarbeiter des Parkhausbetreibers versucht, den Müllmengen mit einem haushaltsüblichen Kehrblech Herr zu werden.

Zwei Mal in der Woche sei er in Hamm, sagt er. „Ich kenne andere Häuser außerhalb, doch so einen Zustand wie hier habe ich noch nicht gesehen“, sagt der Mann in Warnweste. Die Aufsicht sei derzeit nicht besetzt.

Erstaunlich: Aktenlage stützt Eindruck nicht

Obwohl jeder Besucher von Platz und Parkhaus einen anderen Eindruck gewinnen muss, spricht die Zahl der aktenkundig gewordenen Delikte eine andere Sprache: In den vergangenen drei Monaten stellte die Polizei auf dem Platz einen einzigen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz fest, im Parkhaus keinen.

Vier Anzeigen wurden wegen Hausfriedensbruchs gegen „Übernachtungsgäste“ geschrieben.

Privater Sicherheitsdienst nicht im Einsatz

Einen privaten Sicherheitsdienst, der permanent vor Ort ist, haben Eigentümer und Pächter bisher nicht engagiert. So bleibt es bei Kontrollen der Polizei und des Ordnungsamtes. Weil es sich um Privatgrund handelt, hat der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) ohnehin nur begrenzten Handlungsspielraum. Und wie es bei Kontrolldelikten üblich ist: Treffen die Ordnungshüter bei Kontrollen niemanden an, gibt es auch kein Delikt. Oder es gibt ein Delikt, aber gerade keine Kontrollen.

Eigentümer und Parkhausbetreiber waren bei der aktuellen Recherche der Redaktion für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Polizeieinsätze seit dem 19. November

Im Parkhaus: sechs Einsätze, darunter

  • vier Mal Hausfriedensbruch,
  • ein Diebstahl aus einem Auto.

Auf dem Platz und im Kino: 16 Einsätze, darunter

  • vier Mal Hausfriedensbruch,
  • drei hilflose Personen,
  • zwei Diebstähle aus Fahrzeugen,
  • ein Betäubungsmittel-Delikt.

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