Feste wieder mit bis zu 150 Personen möglich

Happy End in Hamm: Anna und Alex für Corona-Risiko belohnt

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Bitte Platz nehmen: Im April und Mai hatte die Hammer Gastronomie mit der Aktion „Leere Stühle“ auf ihre existenzbedrohende Situation aufmerksam gemacht. Wie hier auf Gut Kump luden Wirte und Hoteliers Fotos ihrer festlich eingedeckten, aber verwaisten Tische auf ihren Websites hoch. Nun atmen Brautpaare und Gastromen auf: Besondere Feste sind nun wieder mit bis zu 150 Personen erlaubt

Absagen oder abwarten? Für alle Paare, die in diesem Jahr - zumindest ab Mitte März - den Bund der Ehe schließen wollten, stellte sich mit dem ersten coronabedingten Lockdown genau diese Frage. Seit Mittwoch heißt es: Entspannt euch!

Hamm – Wer im Frühjahr oder im Sommer heiraten wollte und dazu Pläne einer unvergesslichen Feier im Beisein von Familie, Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen hegte, schaute ohnehin in die Röhre. Für alle übrigen begann eine Zeit des Bangens und Wartens. Eine Zeit, die geprägt war vom Blick auf die neusten Nachrichten aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Darf wieder gefeiert werden? Wie viele Gäste dürfen kommen? Die wenigsten Paare, die ihre Hochzeit in Hamm zu feiern gedachten, hielten an ihrem Termin fest. Zu hoch schien den meisten das Risiko, letztlich der halben Gästeschar absagen zu müssen. Alex Roppelt und seine Braut Anna gehörten zu denen, die das Risiko eingingen. Sie freuen sich nun über ein Happy End.

Feste in Corona-Zeiten: Echte Glückspilze

„Unsere Freude war riesig, als wir am Sonntag die Nachricht erhielten, dass nun statt 50 wieder bis zu 150 Gäste erlaubt sind“, erzählt der 32-Jährige. „Wir hatten leider viele Gäste auf Stand-by stellen müssen. Ein Verschieben kam uns nicht wirklich infrage. Die wenigen für 2020 noch freien Termine hätten bei uns nicht gepasst.“ So hielt das Paar aus Heessen an seinem ursprünglichen Hochzeitsdatum an diesem Samstag fest – und durfte nun viele Menschen aus dem Kreise ihrer Lieben ein zweites Mal wieder einladen.

„Am Sonntagmorgen haben wir noch mit 50 Personen geplant, abends waren es schon über 90“, berichtet der angehende Ehemann. Wie beim Bautpaar habe die Freude über den vergrößerten Rahmen deutlich überwogen. Vereinzelt, gesteht Roppelt, hätte es aber auch Rückzieher gegeben. Manchem sei es halt nicht geheuer, schon wieder mit so vielen Leuten zusammen zu feiern.

Die am Sonntag aktualisierte Fassung der NRW-Corona-Schutzverordnung, sie klingt wie ein Ja-Wort zum Brautpaar. Wie ein Ja-Wort zur Hochzeitsfeier. Ebenso wie private Feste aus anderen „herausragenden“ Anlässen, etwa Taufen oder runde Geburtstage, sind Hochzeitsfeiern nun mit zu 150 Personen gestattet. In den meisten Fällen dürfte der geplante Rahmen also nicht mehr den erlaubten sprengen.

Feste in Corona-Zeiten: Leere Säle

Das lässt nicht nur Brautpaare aufatmen, sondern auch insbesondere auch solche Gastronomen, die in erheblichem Maße von den Einnahmen aus Veranstaltungen in ihren Räumen leben. Durch Corona nahm das wirtschaftliche Unheil seinen Lauf: In den Auftragsbüchern für den Sommer 2020 reihte sich schließlich Stornierung an Stornierung, Mitarbeiter wurden in die Kurzarbeit geschickt. Die letzten großen Familienfeiern liegen mittlerweile Monate zurück.

„Das ist nun ein Hoffnungsschimmer für uns“, sagt Olaf Weber stellvertretend für die ganze Branche. „Heftig“ sei die Entwicklung mit der Absagen-Flut für den Betreiber des Alten Fährhaus, in dessen Festsaal eigentlich mit bis zu 180 Personen gefeiert werden kann. Im Grunde fiel alles ins Wasser. „Eine Hochzeit mit 30 Gästen“ sei seit der jüngsten Lockerung Mitte Juni wieder durchgeführt worden. Schön sei es gewesen. Umso schöner sei es nun, dass wieder mehr Gäste erlaubt sind. Wobei: Mit einer kurzfristigen Buchungswelle für die kommenden Wochen und Monaten rechnet Weber natürlich nicht. „Ich hoffe aber, dass das Jahr 2021 für uns wieder ein besseres wird.“

Feste in Corona-Zeiten: Freude über Lockerungen

Ähnlich ist die Lage im Brauhof Wilshaus. Auch hier ist die Freude über die Lockerung bei der Betreiberfamilie Wilshaus groß. Zuletzt hätten immerhin schon „zwei, drei Hochzeiten im kleineren Rahmen“ gefeiert werden können. Doch selbst wenn jetzt noch die eine oder andere größere Feier dazu kommen sollte: Bis zum Jahresende, rechnet Jens Wilshaus vor, „werden 80 bis 90 Prozent der gebuchten Veranstaltungen nicht stattgefunden haben“. Für 2021 sei das Buchungsheft schon prall gefüllt – logisch bei den ganzen Terminverschiebungen. Wer nächstes Jahr noch feiern mag, muss sich mit einer Reservierung sputen.

Das ist auf Gut Kump nicht anders. Die Verluste seien kaum auszugleichen. „Ich werde die Leute wahrscheinlich nicht überreden können, ihre Hochzeiten montags oder donnerstags zu feiern“, unkt Hendrik Wilms-Schulze Kump. Doch dass sich jetzt wieder etwas tue, „dass wieder bis zu 150 Menschen kommen dürfen“, das sei „eine Befreiung“. Für ihn selbst wie für seine Mitarbeiter.

„Ich hoffe es“, sagt Recep Görgülü auf die Frage, ob in seinem Veranstaltungssaal, dem „Baskent Dügün Sarayi“ in der Wilhelmstraße, bald mal wieder groß gefeiert wird. „Am 5. März war bei uns Schluss“, sagt Görgülü. „Fast 50“ Feste seien abgesagt worden, zuletzt hätten zumindest zwei kleinere Zusammenkünfte wieder stattfinden können. In der nächsten Woche ist der Saal noch einmal gebucht – ob dann wieder mit mehr als 50 Personen, müsse der Gastgeber noch klären, für Görgülü wäre es ein „Hoffnungsschimmer“.

Feste in Corona-Zeiten: Weniger Trauungen

Geheiratet wurde in Hamm in Hamm auch während der Corona-Pandemie natürlich trotzdem. Christina Krischer, die stellvertretende Leiterin des Hammer Standesamts, verriet jetzt auf WA-Anfrage, in welchem Maße die Zahl der standesamtlichen Trauungen im „bisherigen Corona-Zeitraum“ (12. März bis 23. Juni) im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Demnach wurden im März (14; Jahr 2019: 19), April (18; 75), Mai (59; 92) und Juni (63; 61) etwa ein Drittel weniger Paare getraut als im vergangenen Jahr.

Hier habe sich die Lage enorm entspannt. „Anfangs durften ja nur das Brautpaar und der Standesbeamte im Raum sein“, zog Krischer den Vergleich zur Zeit kurz nach dem ersten Lockdown. Über acht Personen im April und 50 seit Mitte Juni stieg die Zahl der erlaubten Trauungsgäste nun auf 150. Zwischenzeitlich sei Kreativität gefragt gewesen. Manches Brautpaar habe Freunde und Familienmitglieder auch per Livestream an der Zeremonie teilhaben lassen.

Die neuen Spielregeln für Feste und Trauungen:

Neben Hochzeiten zählen unter anderem auch runde Geburtstage, Taufen, Jubiläen und Abschussfeiern zu den „herausragenden“

Neben Hochzeiten zählen unter anderem auch runde Geburtstage, Taufen, Jubiläen und Abschussfeiern zu den „herausragenden“ Anlässen, aufgrund derer Feste im privaten Rahmen ab dem 15. Juli wieder mit bis zu 150 Personen erlaubt sind. Grundsätzlich wichtig: Spätestens zwei Tage im Vorfeld ist die zuständige Behörde über die Veranstaltung zu informieren, in Hamm nimmt das Ordnungsamt entsprechende Anmeldungen entgegen.

Laut Stadt-Sprecher ist das Ordnungsamt auch angehalten, das Einhalten der „Spielregeln“ zu überprüfen. So solle verhindert werden, dass etwa ein 57. Geburtstag als Anlass für eine große Feier mit mehr als 100 Personen „vorgegaukelt“ werde. Sofern es sich um jene „herausragenden“ Anlässe handele, dürften auch gebuchte Fotografen und DJs beziehungsweise Live-Musiker ihrer Arbeit nachgehen – dies gilt bereits seit Mitte Juni (wobei zuletzt nur Events mit maximal 50 Personen erlaubt waren).

Bei solchen Festen sind das Einhalten eines Mindestabstands und das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes für die bis zu 150 Personen ausdrücklich nicht erforderlich – Einschränkung: sofern „geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und in geschlossenen Räumen zur einfachen Rückverfolgbarkeit sichergestellt sind“. Das Umarmen im Rahmen der privaten Festgesellschaft ist (wie das Tanzen) also erlaubt, anders ist das während der standesamtlichen Trauung. Hier können die Gäste zumindest auf ihrem Sitzplatz ihren Mund-Nasenschutz abnehmen.

In den Hammer Trauzimmern beziehungsweise an den Trauorten an der frischen Luft variiert die Zahl der maximal erlaubten Personenzahl teilweise immens. Im Saal und auf der Terrasse des Alten Fährhauses wie auf Gut Kump dürfen ab Mittwoch maximal 150 Personen einer Trauung beiwohnen, im Kurhaus liegt die Zahl abhängig vom Raum wischen 8 und 70 Personen. Eine detaillierte Übersicht hat das Standesamt Hamm freigeschaltet auf hamm.de/standesamt (Aktuelle Informationen). Im Laufe des heutigen Tages sollen alle Zahlen aktualisiert sein.

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