Ruhe auf Schloss Oberwerries

Corona verhindert konspirative Treffen: Gähnende Leere im Tagungszentrum

Auf Schloss Oberwerries wird sauber gemacht.
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Schloss Oberwerries: Tagungen in angenehmer Atmosphäre sind nicht erlaubt

In den Tagungsräumen ist es dunkel, so auch auf Schloss Oberwerries: Corona verhindert Präsenzveranstaltungen. Was also passiert hier noch?

Hamm – Das Schloss Oberwerries ist nicht nur Hamms gute Stube: Hier befinden sich auch die Landesturnschule und die Geschäftsstelle des Westfälischen Turnerbundes – kurz WTB. Dabei sind die Nebengebäude des Schlosses auch über den sportlichen Bereich hinaus eine gute Adresse. Denn die Räumlichkeiten der Landesturnschule sind als Tagungsort gefragt, Kunden sind unterschiedlichste Verbände und Firmen. Dazu gehören auch die Stadt Hamm und das Ökozentrum NRW.

Lockdown im Seminaraum: Modernste Technik steht still

Seminarräume mit neuester Medientechnik und die Möglichkeit, 90 Betten zur Verfügung stellen zu können, machen das idyllisch gelegene Zentrum attraktiv. Im vergangenen Sommer – zwischen den beiden Lockdownphasen – waren unter Corona-Schutzbestimmungen auch einige Veranstaltungen gebucht. „Traditionell ist in den Sommerferien wenig los, aber wir konnten durch einige Fremdbelegungen eine Teilöffnung aufrechterhalten“, so WTB-Geschäftsführer Carsten Rabe.

Lockdown auf Oberwerries verringert die Einnahmen

So war die Landesturnschule ein drittes finanzielles Standbein für den WTB in der Krisenzeit. Allerdings reduzierten sich im Laufe des Coronajahres die Einnahmen durch den Tagungsort um 50 Prozent. Im Zuge des Lockdowns ab November entfielen Buchungen ebenso wie Präsenzveranstaltungen im verbandsinternen Aus- und Fortbildungsbereich.

Ein weiteres wichtiges Standbein des Verbandes, so Carsten Rabe, sind natürlich die Mitgliedsbeiträge der Vereine. Auch die Zuschüsse der Sportförderung, die allerdings über den Landessportbund auch in normalen Zeiten fließen, halfen in der Krise. Im ersten Lockdown gab es dann noch eine Übergangshilfe des Landes in Höhe von 25 000 Euro.

Auch die Geschäftsstelle des Verbandes auf Oberwerries ist für die Öffentlichkeit geschlossen – ein, zwei Mitarbeiter sind aber an Wochentagen vor Ort; etwa, um sich um die Post zu kümmern. „Die anderen sind dann in mobiler Arbeit“, so Rabe, der darauf verweist, dass sich der WTB schon früh für virtuelle Lösungen entschied. So wurden schon zu Beginn der Pandemie Lizenzen für Microsoft Teams erworben.

Event-Location über den Sport hinaus

Mit über 300 000 Mitgliedern in über 1100 Vereinen ist der Westfälische Turnerbund (WTB) zusammen mit dem Rheinischen Turnerbund (RTB) der zweitgrößte Fachverband in Nordrhein-Westfalen. Die Landesturnschule Oberwerries versteht sich sowohl als Sportschule als auch als modernes Tagungszentrum. Gut ausgestattete Seminarräume bieten zudem großen Unternehmen und Firmen gute Gelegenheit ihre Sitzung, Tagung oder ihr Event durchzuführen.

Inzwischen führte der Verband Präsidiumssitzungen und die Tagung des Hauptausschusses im Dezember digital durch. Ein erstes Angebot für die Mitgliedsvereine war die Einrichtung digitaler Stammtische. Die virtuelle, dreiwöchige Winterakademie war mit
12 000 Workshopbuchungen ein Erfolg. Laut Rabe ist daran gedacht, auch nach Corona weiter auf digitale Technik und hybride Veranstaltungen zu setzen. So ist bereits die technische Ausrüstung angeschafft worden, die es auch Tagungskunden künftig ermöglichen soll, eine Präsenzveranstaltung vor Ort mit Übertragungen an entfernte Orte zu verbinden.

Rabe hofft, dass im Sommer wieder Veranstaltungen, auch für externe Kunden, in der Landesturnschule angeboten werden können. „Dann wahrscheinlich, je nach räumlichen Vorschriften pro Person, eher nur mit 50 oder 60 Teilnehmern“, so Rabe. Der WTB hofft, am Jahresende seine Mitgliederversammlung, den Landesturntag, in den eigenen Räumen auf Oberwerries durchführen zu können. 2019 hatte der im Kurhaus stattgefunden, aber derzeit ist eine externe Buchung finanziell zu riskant.

Einnahmen und Einsparungen sind so durch die Existenz der Landesturnschule eine Hilfe für den Verband, der derzeit, wie seine Mitgliedsvereine unter dem Mitgliederschwund leidet. „Die aktuelle Auswertung ist noch nicht abgeschlossen“, berichtet Rabe, „aber der größte Rückgang ist bei den Vereinen im Bereich der null- bis 14-Jährigen. Es sind nicht Austritte, die Sorgen machen, sondern die fehlenden Neuanmeldungen“. Auch die beliebten Zeltlager, die Tradition beim Turnerbund haben, fallen auf Oberwerries vorerst weiter aus.

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